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Jaguar XF 2,2 I4 Sportbrake: Stilbruch a la Coventry

Jaguar transponiert das Luxussegment trotz Kombi und Vierzylinder-Dieselmotor gelungen in die Mittelklasse.

18.12.2013 | 13:43 | (autonet)

Vierzylinder - Die Einstiegsversion des Jaguar XF Sportbrake trägt die Anzahl ihrer Töpfe mit Stolz, sogar im Namen. Der 2,2 Liter-Motor leistet 200 PS, stemmt 450 Nm Drehmoment auf die Hinterachse, sortiert von einer sensiblen 8-Gang-Automatik, die nicht nur hochagil auf Gasfüße reagiert, sondern auch den Effizienzwert hochhält: 5,4 Liter Gesamtverbrauch auf 100 Kilometer werden veranschlagt.

So bricht die aktuelle Mittelklasse von Jaguar nicht nur mit alten, hauseigenen Traditionen (großvolumige, vielzylindrige Benzinmotoren mit Durst und Appetit), sondern ist nun auch ausreichend aufmagaziniert, um der deutschen Businessclass ein bisschen was vom Marktanteil wegzuknabbern. Konkret wird nach dem 5er von BMW gegrapscht, der Style eines A6 wird mit Tradition und Schwere der britischen Traditionmarke weggewischt; schließlich stellt man schon Luxusautos her, als Audi noch NSU hieß und Kleinwagen in Neckarsulm herstellte. Und Mercedes? Wer ist das nochmal?

Neue Erfahrungen

Zu viel Tradition kann freilich auch Bürde sein. Bislang machte man in Coventry nämlich nicht die besten Erfahrungen mit Kombinationskraftwägen. Die nämliche Version des kompakten X-Type blieb kurzlebig wie unerfolgreich, war doch schon dessen Limousine (damals gegen 3er, A4 und und C-Klasse positioniert) nie richtig in der Jaguar-Community angekommen. Der XF liefert da schon per se eine wesentlich solidere Basis. Nicht nur machte er seinen Vorgänger, den S-Type, ziemlich bald vergessen, er läutete bei Jaguar mit Verve die Epoche des kultivierten Design-Stilbruchs ein, Stichwort Fastback, mittlerweile hoch verpönt wie erfolgreich auch im Spitzenmodell der Marke, dem XJ angewant. Da war es zum Sportbrake dann auch kein so großer (Katzen-)Sprung mehr.

 

Außen leichtfüßig, innen üppig

Dessen äußere Form schafft leichtfüßig den Spagat zwischen ernstzunehmendem Laderaum (bis zu 1675 Liter, immerhin) und coupéhaft-gespannter Form. Üppig verchromte Taster und Dreher geben im XF die liebenswerte Alternative zu schlau-multifunktionalen Riesen-Touchscreens (der hier verbaute, überschaubare wie playmobilöse Bildschirm könnte sich dafür gerne eine Spur peppiger präsentieren). Eine selbstregelnde Luftfederung an der Hinterachse sorgt für gleichbleibendes Niveau, auch bei feister Beladung. Das Fahrwerk macht trotz Kombilänge und 1,8 Tonnen Leergewicht schnell Lust auf ernsthaftes Kurvenräubern, würde doch bloß das Gepäck dann nicht so durch die Gegend fliegen. Leistung dafür wäre jedenfalls schon beim Vierzylinder genug da. Nicht auszudenken, wie sich das erst bei den Sechszylindern (240 und 275 PS) anfühlen muss ...

 

Tatsächlich gibt allein das Platznehmen in Jaguars Mittelklasse das Gefühl gehobenen Niveaus wieder. Vornehm, wie die Lüftsungsgitter sich aus ihrem Ruhezustand erheben, majestätisch wie der Automatik-Drehregler aus der Mittelkonsole fährt. Chrom allernorts, sogar and en Tastern, umfasst von Vogelaugenahorn oder sonst einem Edelholz. Die Lederschammerln riechen exakt so, wie noble Tierhäute riechen sollen, fauteuilesque sitzt es sich darin. Bloß die Kopffreiheit lässt ein wenig zu wünschen übrig, hat man das Schiebedach aus der Ausstattungliste gewählt. Schofel bloß, dass man hier als Frischluftfreak nicht auch das feine, multigliedrige Panoramadach aus dem XJ gegen Aufpreis disponieren kann.

 

Die Technik

Zurück zur Technik. Will man dem kleinsten Triebwerk der XF-Reihe (der Sportbrake wird vorerst ausschließlich von Selbstzündern befeuert) am Zeug flicken, fände man am ehesten bei der Haptik nach dem Startvorgang Angriffsfläche. Der Kaltstart lässt so gar kein Jaguar-Feeling aufkommen, es rattelt und ruckelt gut hör- wie spürbar, vor allem beim Anspringen, und das muss der Vierzylinder-Diesel der Start-Stopp-Automatik sei Dank recht oft. Aber daran gewöhnt man sich ebenso schnell wie an die im Gegenzug bereitgestellte Spritzigkeit.

 

 

Denn mal unterwegs schraubt die Fuhre weit besser an, als man das von den Kennzahlen erwarten hätte können. Besonders um die 2500 Touren herum spielt die Musik, dass man sich auch stets in diesem Bereich wiederfindet, wenn unmittelbarer Leistungsabruf gefragt ist, liegt wohl an der formidabel abgestimmten 8Gang-Automatik. Die Soundenttäuschung von zu Beginn kriegt sich übrigens endgültig ein, wenn die Windlautstärke das Motorengeräusch einlullt, also etwa ab 60 km/h. Dann fühlt sich der Motor auch plötzlich nimmer so rau an wie gerade noch eben. Zeitwillig vergisst man sogar, einen Diesel zu pilotieren. Ein Feature, das der große Sechszylinder-Diesel im selbigen Auto auch nicht besser kann.

Dass Jaguar-Fahren weit vorm ersten Einsteigen beginnt, lehrte uns jüngst übrigens ein guter Freund des Hauses, der sich selbst einen XF geordert hatte. Man bekommt dann schon Wochen, bevor das nämliche Auto eintrifft, ein nettes Begrüßungspaket zugesandt, mit Stift, Notizblock und Schlüsselanhänger, allesamt Insignien, die einen herzlich in der Welt der Jaguars willkommen heißen. Zeitgleich erhält man die Aufforderung, sich auf jaguar.com als neuer, stolzer Wildkatzendompteur zu registrieren. Und dafür, die „Big Data“-Maschinerie der großen, weiten Wirtschaftswelt um ein paar weitere Ziffern mächtiger gemacht zu haben, wird man sogar belohnt, indem man in seinem persönlichen XF, noch bevor man ihn das erste Mal betritt, seine sechs Lieblingsradiosender sowie die Privatadresse unterm Home-Button des Navigationssystem eingespeichert findet.

Wie würde der Herr Karl sagen: Andere haben das nicht.

 

Jaguar XF 2,2 I4 SportbrakeHUBRAUM: 2.179 ccm LEISTUNG: 200 PS VERBRAUCH: 5,4 l / 100 km DREHMOMENT: 450 Nm BESCHLEUNIGUNG 0-100: 8,8 Sek. SPITZE: 214 km/h PREIS: ab 51.500 Euro

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