Skilaufen bei Außentemperaturen über 30 Grad und glitzernde Wasserspiele mitten in der Wüste – schon ohne Aladin und seine Wunderlampe kann die Realität in Dubai manchmal ziemlich irreal sein. Genau deshalb ist die schillernde Metropole am Golf auch die richtige Kulisse für die Jungfernfahrt des neuen Jaguar C-X17. Denn so, wie das Emirat die Vorstellung vieler Touristen sprengt, so wirbelt diese Designstudie seit ihrer Weltpremiere auf der IAA in Frankfurt das Koordinatensystem der Autofans durcheinander: Denn während vor allem der Range Rover immer dynamischer wird, fährt Jaguar plötzlich neben der Spur und liebäugelt zum ersten Mal mit einem eigenen SUV.
Zwar dürften die Briten damit manch eine Traditionalisten auf die Palme bringen. Doch der Schritt ist gut überlegt: Denn kein anderes Segment hat so rosige Wachstumsprognosen wie das der ebenso sportlichen und luxuriösen Geländewagen, so dass neben Range Rover & Co auch noch Platz für eine Wildkatze im Wüstentrimm bleiben sollte. Zumal bei Jaguar ohnehin niemand von einem Geländewagen spricht: „Nicht Offroad, sondern Allroad lautet die Devise“, sagt Designchef Ian Callum, der die ersten Skizzen für den C-X17 schon vor zwei Jahren gemacht hat.
Das Ergebnis seiner Arbeit sollte die Kritiker gnädig stimmen: Der C-X17 ist schließlich kein grober Klotz, sondern eine drahtige Wuchtbrumme, die Cayenne & Co mit ihrem flachen, muskulösen Design locker die Schau stiehlt: Mittlerweile nicht mehr blau, sondern silbern lackiert, rollt er wie eine Fata Morgana durch den Wüstensand und wirkt aus der richtigen Perspektive fast wie ein F-Type auf Stelzen. Dass er natürlich mehr Bodenfreiheit hat als jeder Jaguar vor ihm, einem der mächtige Kühlergrill fast bis zur Hüfte geht und die Endrohre direkt auf die Kniescheiben zielen, hat man da fast schon wieder vergessen.
Auch innen ist er einem Sportwagen näher als einem Range Rover. Klar, die weißen Schalensitze aus Sattelleder sind genauso eine Spielerei wie die fast hypnotisierenden Instrumente und die Mittelkonsole Marke „Raumschiff Enterprise“: Doch wo man sich im Range Rover wie auf dem Feldherrenhügel wähnt, sitzt man im C-X17 mittendrin im Geschehen, will die Sache buchstäblich selbst in die Hand nehmen und wartet förmlich auf das erlösende Kommando: „Gentleman, start your engines!“
Das wird allerdings noch ein bisschen dauern. Denn offiziell soll der C-X17 nur aufzeigen, welche weitreichenden Möglichkeiten die neue Plattform eröffnet, die Jaguar gerade mit Land Rover zusammen entwickelt: 1,8 Milliarden Euro teurer und komplett aus Aluminium gefertigt, soll sie in Zukunft die gesamte Modellplatte tragen und riesige Schritte bei Gewicht, Dynamik und Effizienz ermöglichen. Bis zu 300 Kilo wollen die Engländer pro Baureihe einsparen und eine kompakte Limousine, mit der die Offensive im nächsten Herbst losgeht, wird zusammen mit den neuen Vierzylinder-Motoren wahlweise auf einen CO2-Ausstoß von 99 g/km oder ein Spitzentempo von über 300 km/h kommen.
„Radstand, Spurweite, Sitzposition – alles in diesem Baukasten ist so variabel, dass wir damit künftig nicht nur unsere komplette Modellpalette abdecken können, sondern dass auch Erweiterungen wie so ein CrossOver denkbar werden“, sagt Projektleiter Graham Wilikins: „Schließlich haben wir in Zukunft noch viel vor.“ Dass zu dieser Zukunft ab Ende 2015/Anfang 2016 auch ein Geländewagen zählt, wäre zwar keine große Überraschung. Doch bestätigen wollen die Briten das nicht. Doch man muss hier in Dubai nur einmal kurz über den C-X17 hinweg zur Skyline schauen um zu sehen, wie schnell Visionen manchmal wahr werden können.













