VW Golf Blue-e-motion: Golf-Strom
Spagat zwischen Komfort und Reichweite
Im Fahrbetrieb ergibt sich ein sehr gelungenes Bild. Durch die tiefe Anordnung der Technik hat das Fahrzeug einen niedrigen Schwerpunkt und vermittelt dabei ein gutes Fahrgefühl. Die Fahrleistungen sind sehr ansprechend, im urbanen Bereich – dem vorrangigen Einsatzgebiet des Elektro-Golf – wird man nicht negativ auffallen. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 135 km/h begrenzt und auch nur durch Abrufen der Maximalleistung von 115 PS erreichbar. Das wiederum geht aber auf Kosten der Reichweite. Den Konflikt zwischen Komfort und Reichweite versucht Volkswagen mit drei abrufbaren Fahrprofilen zu begegnen. Im Comfort+-Modus, wählbar über einen Schalter in der Mittelkonsole wird die volle Leistung abgerufen und auch das volle Komfortprogramm hinsichtlich Klimatisierung zur Verfügung gestellt. Im Normalmodus werden nur 88 PS Leistung bereitgestellt, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 115 km/h limitiert. Im Range+-Modus kommen nur 69 PS an die Räder bei einer Maximalgeschwindigkeit von 105 km/h. In diesem Zusammenhang müssen die Passagiere auch auf die Dienste der Klimaanlage verzichten. Dafür kann auch die maximale Reichweite von 150 Kilometern ausgenutzt werden.
Wer bremst, gewinnt
Zur Optimierung der Reichweite verfügt der Golf Blue-e-motion über ein ausgeklügeltes Rekuperationssystem. Geht man vom Fahrpedal oder bremst, wird kinetische Energie in elektrische umgewandelt und in die Akkus eingespeist. Im Normalbetrieb ist der Golf auf möglichst wenig Rollwiderstand ausgelegt. Bei vorausschauender Fahrweise kann man so möglichst weit „segeln“ ohne Energie zu verbrauchen. Über Schaltwippen am Lenkrad kann man allerdings den Grad der Rekuperation in drei Stufen anpassen. In der Stufe D3 wird möglichst viel Energie im Schubbetrieb zurückgewonnen. Das merkt man durch eine stärkere Verzögerung des Fahrzeugs, vergleichbar mit einer starken Motorbremswirkung. Irgendwann wird man aber auch trotz Rekuperation vor einem leeren Akku stehen. Dann muss der Golf Blue-e-motion an die Steckdose. Am einfachsten geschieht das über eine haushaltsübliche 230-Volt-Steckdose. Der Ladeanschluss des Fahrzeuges versteckt sich unter dem VW-Logo. Über Nacht in der eigenen Garage oder untertags am Firmenparkplatz sollte das Laden weniger als acht Stunden dauern, so das Ziel der Entwickler. Eine andere Möglichkeit ist das Laden über eine so genannte Schnellladestation. Dafür müsste eine eigene Infrastruktur aufgebaut werden. Über den Drehstromanschluss könnte das Aufladen der Akkus in weniger als einer Stunde erledigt werden. Nachteil dabei: die Akkus werden stärker beansprucht, wodurch sich die Lebensdauer verkürzen kann. Daher eignen sich Schnellladevorgänge nur etwa einmal wöchentlich.
Volkswagen startet 2013 ins Elektrozeitalter
Neben den Lademöglichkeiten ist noch eine Vielzahl weiterer Fragen offen, die Volkswagen nun im Flottenversuch testen will. Noch nicht klar ist, wer der Zulieferer für die Batteriesysteme wird. Vor allem bei der Kostenfrage wird sich hier noch einiges tun. Zu klären gilt auch noch, welche Erwartungen der Kunde an die saubere Mobilität haben wird. Wie viel Leistung will er haben? Wie gestaltet sich das Fahrverhalten? Fühlen sich die Kunden in ihrer Mobilität beeinträchtigt? Welche Alternativen können die Fahrzeughersteller für längere Fahrstrecken bieten? Wie gestalten sich die Kosten für das Fahrzeug, die Batterien und das Laden der Akkus? Bis man den ersten Elektro-Golf käuflich erwerben kann, wird es daher noch eine Weile dauern. Als erstes Elektromobil wird Volkswagen 2013 eine spezielle Version des neuen Kleinwagen Up anbieten. 2014 folgt dann der Golf, dann schon im Kleid der siebten Generation des Erfolgsmodells.
Blue-e-motion: VW Golf auf Strom
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DruckenSenden16.11.2010 von Thomas Weibold
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