Autonet auf Streifendienst: Wir fahren das neue Topmodell der Clio-Baureihe – den schärfsten Vertreter seiner Art. Was man mit 201 PS auf vier Meter Länge aufführen kann, lesen Sie hier.

Zu übersehen ist nicht, zu überhören auch nicht: der blitzblaue, 201 PS starke Renault Clio Gordini R.S. macht Spaß - so lange man nicht die Tankanzeige taxiert.
Renault hat ein gutes Händchen, wenn es um das sportliche Veredeln von kleinen oder kompakten Autos geht. Man erinnert sich vielleicht an den Clio Williams, der seinerzeit mit 150 PS und goldenen Felgen für viele Boys attraktiver war als eine Nacht mit Samantha Fox. Oder an den Clio V6, der statt der Rückbank einen Motor eingepackt hatte. Oder man denkt einfach an den aktuellen Mégane R.S., der mit 250 PS und einem sensationellen Fahrwerk manchen Supercars das Fürchten lehrt. Insofern steht der neue Clio Gordini R.S. mit stolzen 201 PS auf einem festen geschichtlichen Fundament – und knistert uns verheißungsvoll in der Abendsonne zu.
Der blaue Reiter
Was den normalen Clio R.S. – auf dem das neue Modell basiert – zum Gordini macht, ist rasch erklärt: Zunächst das fantastische Blau-Metallic, verbrämt mit zwei weißen Streifen. Dazu kommen mächtige 17-Zoll-Felgen, die ebenfalls den blauen Grundton zitieren. Weiße Außenspiegel und eine weiße Strebe in der Frontschürze ergänzen das stimmige Bild. Die Doppelrohr-Auspuffanlage im angedeuteten Heckdiffusor und das neckische Gitterfenster an den vorderen Kotflügel gab’s bislang schon – aber sie verfehlen ihre Wirkung auch am Gordini keineswegs.
Praller Inhalt
Wichtigster Unterschied zwischen den Brüdern: Im Gordini ist fast alles, was bislang als Extra zu haben war, schon serienmäßig verbaut. Angesichts dieser Fülle ist der Aufpreis auf den Gordini – 2360 Euro – ein gut investierter Betrag. Damit bekommt man neben den Behübschungen außen bereits eine Lederpolsterung (mit blauen Zierstreifen), die Klimaautomatik, den Tempopiloten, Regen- und Lichtsensor, das schlüssellose Sperr- und Startsystem sowie das CD-Radio mit Bluetooth-Freisprech und Audiostreaming, mit der die Musik vom Handy drahtlos zum Soundsystem geschickt wird. Als einziges Extra verbleibt der „R.S. Monitor“, mit dem man unter anderem eigene Beschleunigungsmessungen durchführen kann.
Punch und Power
Technisch entspricht der Gordini dem schon bisher bekannten Clio Renault Sport (der in Kürze aus dem Programm verschwinden soll). Von ihm übernimmt er daher auch den Zweiliter-Vierzylinder mit 201 PS und 215 Nm Drehmoment. Damit ist Renault der letzte Hersteller, der in dieser Klasse an dem traditionellen motorischen Kochrezept festhält. Alle anderen schnellen Kleinen (Polo GTI, Abarth Punto Evo, Seat Ibiza Cupra, Mini Cooper S) haben schon auf kleinvolumige Motoren mit Aufladung umgestellt. Der Vorteil des Neuen: geringerer Verbrauch, weniger Emissionen und ein unterhaltsamer Turbo-Kick. Dagegen wirkt der Renault im ersten Moment ein wenig saurierhaft. Um an die Futtertröge der Kraft zu gelangen, muss man ihn ordentlich hochdrehen, dann belohnt er den Fahrer allerdings mit viel Druck; eine Beschleunigung von 6,9 s auf 100 km/h ist alleweil herzeigbar. Die gleichmäßige Kraftentfaltung unterstützt auch die Traktion, der Antrieb macht sich in der Lenkung viel weniger stark bemerkbar als bei den Turbo-Toys. CO2-Emissionen von 190 g/km und Praxis-Verbrauchswerte zwischen 9,5 und 11 l/100 km lassen aber vermuten, dass wir mit dem Zweiliter-Sauger wohl einer aussterbenden Art begegnen.
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