Die Bestie brüllt
Ein Druck auf den Startknopf, und schon brüllt Godzillas Baby auf. Dann die ersten lockeren Runden am Dubai Autodrom, wo soeben das 24-Stunden-Rennen für Sportwagen zu Ende gegangen ist. Dicke schwarze Striche zeigen auf freundliche Weise, wo sich die Ideallinie befindet – und wo man besser mit dem Bremsen beginnen sollte. Schön langsam nehmen auch wir Fahrt auf – und wagen uns immer weiter in Richtung Grenzbereich vor. Offizielle Fahrdaten: In 3,7 Sekunden sprintet man auf 100, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 257 km/h.
Irre Power, mächtige Bremsen
Erste Erkenntnis: Der Juke-R liefert eine irre Power ab, die wir in diesem kompakten Umfeld noch nicht erlebt haben. Praktisch in jedem Drehzahlbereich marschiert der kleine Fünftürer wie verrückt nach vorne, deswegen ist es auch gar nicht notwendig, die Gänge bis zum Anschlag auszudrehen. Das Schalten funktioniert so hart und präzise, wie man es vom GT-R gewöhnt ist; es geht nicht besser. Fulminant ist letztlich auch die Bremse; sie ist eine Mischung aus Komponenten des 2011er und 12er Jahrgangs des GT-R und beißen so mächtig zu, dass man anfangs immer viel zu früh schon mit dem Verzögern fertig ist. Das gefällt den Nissan-Leuten, die begreiflicherweise ein scharfes Auge auf ihre einzigen zwei Exponate haben.
Agiler, aber anspruchsvoller
Zweite Erkenntnis: Der Juke-R lässt sich dank des kürzeren Radstands agiler bewegen als der GT-R. Allerdings muss man dafür mehr Unruhe beim scharfen Anbremsen in Kauf nehmen. Steht das Auto beim ernsthaften Verzögern nicht ganz gerade, dann hat man einiges zu tun, um das Heck zu bändigen. Das kann der GT-R besser. Auch in der Kurve neigt der Juke-R eher zum Schieben über die Vorderräder, weswegen die Experten empfehlen, einzulenken noch während man auf der Bremse steht. Damit bekommt man noch mehr Gewicht nach vorne und damit eine bessere Traktion bis zum Scheitelpunkt. Danach kann man dank ESP, Traktionskontrolle und allen anderen Wächtern wieder ungeniert aufs Gas treten und sich erneut an der phänomenalen Performance erfreuen.
Resümee: Warum nur zwei?
Okay, als Sportwagen braucht man den Juke-R eigentlich nicht: Wir haben ja ohnehin den GT-R als unseren Liebling für die schnellen Tage des Lebens. Er zeigt nach wie vor mehr Finessen, eine bessere Sitzposition und ist in der Ausbaustufe für den
2012er Jahrgang noch schneller, noch besser, noch geiler geworden. Und er ist mit Sicherheit viel schneller als der Juke-R. Aber in Sachen Design und Undercover-Brachialität stellt der kleine Juke-R doch einen neuen Maßstab auf – so ist es eigentlich viel zu schade, diesen entzückenden Wahnsinn auf zwei Autos zu beschränken. Der Juke-R ist irr und witzig, verrückt und zum Verlieben. Letzteres ist schon passiert.