Nissan GT-R: Flucht-Charakter
Vorgriff auf ein kommendes Supercar, das ein ganzes Weltbild auf den Kopf stellt und dich gegen Instant-Begehrlichkeit wehrlos macht: Der vielleicht letzte Actionheld einer goldenen Ära!
Der Nissan GT-R ist eines der bemerkenswertesten Superautos unserer Tage.
Anbremsen, wippschalten, einlenken, dann aufs Gas. Nicht zart wie man ein mundgeblasenes Weinglas schwenkt, zart wie man einer Ukulele ihre klagenden Töne entlockt. Sondern so hart, als würde man im Fußraum die haarigste Spinne zertreten, die man jemals gesehen hat.
Zuchtbulle
Der Motor reagiert sofort, ansatzlos, mit präziser Brutalität. Es ist wie der Schub eines großen Airbus beim Start, und man ist sofort verzückt, verliebt, verloren und verfallen – denn der Bursche klingt hart und tief und lässt nicht den geringsten Zweifel daran aufkommen, dass er zu äußersten Leistungen entschlossen ist, dass er lieber die Ventile durch den Zylinderkopfdeckel schießen würde als den Fahrer zu enttäuschen. Was für ein Prachtkerl, denken wir, derweil drängt das Auto wie ein frisch gebrandmarkter Zuchtbulle aus der Kurve.
Normalerweise würde, nachdem wir an dieser Stelle angelangt sind, jetzt folgen: Und so drehten wir uns anmutig ein, doppelter Rittberger, Abgang, Einschlag, hässliche Szene. Oder wir würden ins ESP rasseln und an der langen Leine der Elektronik verhungern. In diesem Auto passiert hingegen nichts von beidem. Denn hier regiert ein Allradantrieb der schlaueren Sorte. Er verschiebt die Kraft in Sekundenbruchteilen und ermöglicht es gemeinsam mit dem ausgefuchsten Fahrwerk, eine Kurve zu verlassen, wie selten zuvor eine Kurve verlassen wurde. Man wird des Staunens nicht müde. Was geschieht hier eigentlich?
Prominenter Vorgänger
Es geschieht, dass wir in einem der bemerkenswertesten Superautos unserer Tage sitzen. Der Nissan GT-R ist der Nachfolger des Skyline GT-R, der bei uns offiziell nie zu haben war. Wohl aber kennt jeder gelernte PlayStation-Spieler dieses Auto, weil es einer der Protagonisten des Bestseller-Games „Gran Turismo“ war. Der Skyline GT-R errang über die Jahre Legendenstatus, nicht nur in der virtuellen Welt, auch auf der Straße. Klar, dass der Nachfolger ein Paukenschlag sein müsste. Und er ist es.
Das Aussehen macht lange Zähne, aber erst der Motor lässt die Haare bergwärts stehen: Ein völlig neuer 3,8-Liter-V6 mit zwei Turbos liefert 480 PS und – noch wichtiger – ein immenses Drehmoment von 588 Newtonmeter. Damit erreicht er 314 Stundenkilometer und orgelt in 3,5 Sekunden auf 100 – Werte, mit denen man bei jedem Autoquartett die Mitspieler auszieht.
Welche „Stückerln“ der Nissan GT-R noch spielt, wie ein überraschend alltagstaugliches Auto einen Ferrari in den Schatten stellt. Die Antworten gibt es auf der nächsten Seite.
DruckenSenden30.06.2009 von Peter Schönlaub