Was bleibt, wenn alle negativen Seiten des Offenfahrens eliminiert werden? Antwort: Das neue Mercedes E-Klasse Cabrio. autonet.at hat den edlen Freiluft-Stuttgarter in der 250 CGI-Version mit 204 PS starkem Direkteinspritzer intensivgetestet. Warum wir am Schluß doch noch weinen mussten, lesen Sie hier
Cabriofahren. Das ist so eine Sache. Im Prinzip gibt es ja nichts Verzichtbareres. Ist´s kalt, gibt´s nichts Feineres als ein kuscheliges Dach über dem Kopf. Ist´s heiß, gibt´s nichts Feineres als einen Schatten spendenden Schattenspender. Hat man es eilig, wird man den Teufel tun, die Zeit zu erübrigen, das Dach zurückzuklappen - so man nicht in einem Mazda MX5 sitzt, wo das im Bruchteil einer Sekunde erledigt ist. Hat man Zeit und eine lange Reise vor sich, sind zum einen die witterungsbedingten Unwägbarkeiten zu groß, sodass man das Dach prophylaktisch zu lässt. Zum anderen ist bei ausgedehnten Fahrten in der Regel einem vermehrten Gepäcksaufkommen zu rechnen, dem ein in den Kofferraum versenktes Dach nur im Weg steht. Dazu kommt auch noch, dass die Zugluftkompatibilität mit fortschreitendem Alter sukzessive abnimmt. Das nicht nur, weil man sich rasch ein steifes G´nack einfängt, sondern auch, weil graumelierte Endvierziger oder auftoupierte Fiftysomethings in einem Cabrio, verzeihen Sie bitte, einen etwas affigen Eindruck machen. Aber auch jüngere Verkehrsteilnehmer wirken in einem Cabrio oftmals so, als ob sie es eher darauf anlägen, das Umfeld zu beeindrucken, denn mit allen Sinnen dem Freiluftspaß zugewandt zu sein.
Reich und schön, aber nicht vulgär
So, und nun sind wir das neue E-Klasse Cabrio gefahren, infolge dessen es einige der obigen, zugegebener Maßen, mieselsüchtigen Punkte zu revidieren gilt. Rollen wir das Feld von hinten auf: Die E-Klasse ist ein Cabriolet bar jeglicher pubertärer Anwandlungen. Am Steuer dieses Fahrzeugs kommt man nie in den Geruch des schnöden "Posertums" - da sei die überaus distinguierte Eleganz des "Convertible" davor. Erwachsener und seriöser lässt es sich nicht offen fahren. Die Gefahr, der Berufsjugendlichkeit bezichtig zu werden, ist hier eine denkbar geringe. Klar, dieses Auto richtet schon einen Spotlight auf die pekuniäre Potenz seines Eigners. Aber was soll´s: nicht überall auf dieser Welt wird offensichtlichem Wohlstand mit einer derartigen von Neid genährten Missgunst begegnet wie in Österreich.
Vom Winde verschont
Zerzauster, durch den Windwolf gedrehter Menschen wird man im E-Cabriolet selten ansichtig werden. Der gesteigerten Zugkluftempfindlichkeit gesetzterer Klientel wurde mit Feinheiten, wie etwa dem Aircap (924 Euro Aufpreis) im Rahmen der Windschutzscheibe Rechnung getragen. Per Knopfdruck entfährt der Querverstrebung des Windschutzscheibenrahmens ein kleiner Spoiler, der den Luftzug elegant über die Fahrgastzelle hinwegleitet und vom Windschott zwischen den Fondkopfstützen am verwirbeln gehindert wird. Sind dann auch noch alle vier Seitenfenster hochgefahren, herrscht – zumindest in der ersten Sitzreihe - fast schon gespenstische Flaute. Hinten ist´s dann naturgemäß schon etwas zugiger.
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