Seat Ibiza Cupra: Spanisch im Schnellkurs
Kurvenspeed und Hobby-Racing
Einen perfekten Kompromiss bietet das Fahrwerk. Die ganze Schärfe, die durch das Design des Cupra suggeriert wird, schlägt nämlich auf der Straße nicht durch. Und das ist gut, auch wenn es bedeutet, dass man auf der Rennstrecke gegen ausgereizte Hooligans wie den Clio Renault Sport keine Chance hat. Im Gegenzug muss man im Alltag nicht jene Leidensfähigkeit mitbringen wie im Franzosen. Das Fahrwerk ist zwar hart, aber nicht so schmerzbringend steif, dass man nach 100 Kilometer auf der Autobahn zu fluchen beginnt. Auch die Geräuschkulisse bleibt durch die weite Spreizung des Siebengang-Getriebes erträglich. Und keine Sorge, Freunde: Das Fahrwerk ist alleweil sportlich genug, um auf öffentlichen Kurven weit über das erlaubte Maß hinaus Spaß zu haben. Dafür sorgt übrigens auch eine weitere Hightech-Premiere: das serienmäßige XDS. Dahinter versteckt sich ein elektronisches System, das wie ein Sperrdifferenzial wirkt, also die Traktion in schnellen Kurven verbessert.
Es werde Sport
Der Mitte 2008 präsentierte Seat Ibiza ist ja schon in der Grundform ein sehr sportlich geschnittenes Auto, zumal in der dreitürigen Version, die sogar „SportCoupé“ genannt wird. Der Cupra als extremster Ausleger des Portfolios muss naturgemäß noch ein Schäuferl drauflegen: Der Grill zeigt eine Wabenstruktur, die Halogenschweinwerfer wurden schwarz eingefasst (unser Testauto war mit den aufpreispflichtigen Bi-Xenons samt dynamischem Kurvenlicht ausgestattet – sehr empfehlenswert!), am Heck gibt’s einen angedeuteten Diffusor mit zentralem Auspuff und einen Dachkantenspoiler. Im Gegensatz zu den zivilen Versionen wurde der Cupra um zehn Millimeter tiefer gelegt, was in Verbund mit den hübschen 17-Zoll-Felgen einen stolzen, sprintbereiten Eindruck macht.
In der Sportkapsel
Auch am Interieur erkennt man den Sonderstatus des schnellen Spaniers. Die schwarzen Sportsitze besitzen einen rautenförmig abgesteppten Bezug und bieten bei hinreichendem Komfort ordentlichen Seitenhalt. Das unten abgeflachte Lederlenkrad im Cupra-Design zählt zu den schönsten und griffbesten in diesem Segment und die Ausstattung ist weitgehend komplett: Ein gutes Soundsystem samt Aux-Eingang, die Klimaautomatik und ein Bordcomputer sind serienmäßig. Der höhenverstellbare Fahrersitz und die großzügig verstellbare Lenksäule sind weitere wichtige Bausteine zum schnellen Wohlfühlen. Die Sicherheitsausstattung bietet serienmäßig unter anderem eine nützliche Reifendruck-Kontrolle, während Kopf- & Seitenairbags für beide Sitzreihen extra kosten. Großes Hoppala: Die extra für den Cupra gezeichneten Zifferblätter der Instrumente in dunklem Grau erschweren die Ablesbarkeit enorm. Erst bei eingeschalteten Scheinwerfern – und beleuchteten Armaturen – ist man wieder im Bilde.
Apropos Fond: Dort sitzt man aufgrund der kleinen Seitenscheiben zwar wie in einer Bärenhöhle, aber mit akzeptablem Beinraum. Ab einer Größe von 1,80 Metern wird’s jedoch mit dem Kopfraum eng. Der Kofferraum liegt mit 284 Liter Fassungsvermögen im Klassenschnitt, einzig bei dessen Erweiterung ist den Seat-Konstrukteuren noch ein Lapsus passiert: Um eine halbwegs ebene Ladefläche zu erzeugen, muss man die Sitzflächen der Fondsitze nach vorne klappen. Das ist aber nur möglich, wenn man mit den Vordersitzen so weit nach vorne rutscht, dass dort nur mehr Zwerglein sitzen können.
Das Resümee
Der Seat Ibiza Cupra zählt zu den ganz wenigen kleinen Boliden, die trotz ihres sportlichen Potenzials im Alltag nicht nerven – Motor, Getriebe und Fahrwerk schlagen einen perfekten Spagat zwischen Spieltrieb und Dienstbarkeit. Vor allem das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe will man in diesem Umfeld nicht mehr vermissen. Dazu kommt ein stimmiges Design, saubere Verarbeitungsqualität und – mit kleinen Ausnahme – hohe Funktionalität für die Alltagspflichten. Die vielen Talente und das Hightech-Paket haben allerdings ihren Preis: Der Seat Ibiza Cupra erklimmt mit 25.890 Euro die preisliche Spitze unter den kleinen Spaß-Raketen.
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