Seat Ibiza Cupra: Spanisch im Schnellkurs
Kleiner Motor, große Leistung: Der Autonet-Intensivtest klärt, wie gut der kleine Spanier Hightech, Sparwillen und Sport unter seine hübsche Haube bringt.

Satte 180 PS Leistung aus gerade einmal 1,4 Litern Hubraum stehen beim Seat Ibiza Cupra zu Buche.
Alles neu beim Cupra. Für die aktuelle Auflage des kleinen Wilden wirft Seat die bisherige Technik über Bord und setzt auf Hightech aus dem VW-Konzern. Was das konkret bedeutet? Der neue Cupra schließt sich dem Trend zu kleineren Hubräumen an und bekommt einen 1,4-Liter-Motor – allerdings mit doppelter Aufladung. Im unteren Drehzahlbereich sorgt ein Kompressor für Schub, weiter oben bläst der Turbolader Luftmassen in die Brennräume. Mit der doppelten Aufladung bei gleichzeitig kleinem Hubraum sollen Turbolöcher vermieden und die Verbrauchswerte gesenkt werden – und zwar deutlich: Verbrauch und Emissionen sanken gegenüber dem gleich starken Vorgänger um fast 20 Prozent. 6,4 Liter weist der Normverbrauch aus, ein spektakulärer Wert für diese sportliche Klasse. Das Knausern wurde auch durch eine weitere Premiere möglich: das im neuen Ibiza Cupra serienmäßige 7-Gang-DSG. Kuppeln war gestern.
Sport im Alltag
Doch wie gut kann sich der kleine Motor wirklich in Szene setzen? Zunächst fällt die dunkle, brummige, erdige Geräuschkulisse auf. Diese Klangfarbe des Technik-Orchesters lässt einen schnell vergessen, wie klein das Maschinchen unter der vorderen Haube tatsächlich ist. Völllig anders als er klingt, nämlich geschmeidig und angenehm, setzt er dann zur Arbeit an. Die Abstimmung mit dem Doppelkupplungsgetriebe ist perfekt gelungen, die Schaltvorgänge verlaufen weich und fast unmerklich. Im Gegensatz zu den anderen, meist überreizten kleinen Kraftzwergen fährt man im Ibiza Cupra wie mit einer Limousine durch den Alltag. Sich bei solchen Gelegenheiten durch manuelles Antippen der Schaltwippen einzubringen, kann man sich getrost ersparen: Man befindet sich immer im richtigen Gang und fühlt sich unter der Obhut der bequemen Automatik bestens zurecht.
Angriff ist der beste Zeitvertreib
Doch wie schaut’s aus, wenn man den Seat Ibiza Cupra artgerecht bewegen will? Auch dann ist das DSG der beste Freund. Man kann beide Hände am Lenkrad behalten, was bei schnellen Kurvenkombinationen ein unschätzbarer Vorteil ist – auch wenn der Ibiza die Antriebskräfte nicht ganz so arg in die Lenkung einleitet wie beispielsweise der Abarth Grande Punto. Die Gangwechsel vollziehen sich beim Höherschalten ansprechend quick, selbst unter Volllast bemerkt man nichts von der abwechselnden Arbeitsweise von Kompressor und Turbo. Ganz im Gegenteil: Der Schub reißt einfach nicht ab, konstatiert man erfreut. Andererseits fehlt durch diese homogene Kraftentfaltung auch ein wenig das Spektakuläre, die Sensation. Auf eine Turbopeitsche, wie sie etwa der Opel Corsa OPC auspackt, wartet man vergeblich. Einen kleinen Haken für Puristen und Freunde des Hardcore-Speedings besitzt auch das DSG: Es leistet sich etwas zu lange Nachdenkpausen beim hochtourigen Herunterschalten. Dennoch trauern wir dem Handschalter nicht nach, unterm Strich überwiegen die Vorteile des DSG klar. Noch ein Kommentar zum Verbrauch: Bekanntlich sind die Normwerte im echten Leben generell ein Holler, das zeigt sich auch hier. Die versprochenen 6,4 Liter sind völlig unrealistisch, selbst bei zurückhaltender Fahrweise kommt man nur wenig unter acht Liter, bei flottem Werken knapp drüber. Das ist zwar nicht sensationell, aber doch besser als bei den meisten, ähnlich starken Mitbewerbern.
Warum das Fahrwerk des Seat Ibiza Cupra keine Leidensfähigkeit abverlangt udn wie viel man für dieses sportliche Vergnügen hinblättern muss, erfahren Sie auf Seite 2.
Kurvenspeed und Hobby-Racing
Einen perfekten Kompromiss bietet das Fahrwerk. Die ganze Schärfe, die durch das Design des Cupra suggeriert wird, schlägt nämlich auf der Straße nicht durch. Und das ist gut, auch wenn es bedeutet, dass man auf der Rennstrecke gegen ausgereizte Hooligans wie den Clio Renault Sport keine Chance hat. Im Gegenzug muss man im Alltag nicht jene Leidensfähigkeit mitbringen wie im Franzosen. Das Fahrwerk ist zwar hart, aber nicht so schmerzbringend steif, dass man nach 100 Kilometer auf der Autobahn zu fluchen beginnt. Auch die Geräuschkulisse bleibt durch die weite Spreizung des Siebengang-Getriebes erträglich. Und keine Sorge, Freunde: Das Fahrwerk ist alleweil sportlich genug, um auf öffentlichen Kurven weit über das erlaubte Maß hinaus Spaß zu haben. Dafür sorgt übrigens auch eine weitere Hightech-Premiere: das serienmäßige XDS. Dahinter versteckt sich ein elektronisches System, das wie ein Sperrdifferenzial wirkt, also die Traktion in schnellen Kurven verbessert.
Es werde Sport
Der Mitte 2008 präsentierte Seat Ibiza ist ja schon in der Grundform ein sehr sportlich geschnittenes Auto, zumal in der dreitürigen Version, die sogar „SportCoupé“ genannt wird. Der Cupra als extremster Ausleger des Portfolios muss naturgemäß noch ein Schäuferl drauflegen: Der Grill zeigt eine Wabenstruktur, die Halogenschweinwerfer wurden schwarz eingefasst (unser Testauto war mit den aufpreispflichtigen Bi-Xenons samt dynamischem Kurvenlicht ausgestattet – sehr empfehlenswert!), am Heck gibt’s einen angedeuteten Diffusor mit zentralem Auspuff und einen Dachkantenspoiler. Im Gegensatz zu den zivilen Versionen wurde der Cupra um zehn Millimeter tiefer gelegt, was in Verbund mit den hübschen 17-Zoll-Felgen einen stolzen, sprintbereiten Eindruck macht.
In der Sportkapsel
Auch am Interieur erkennt man den Sonderstatus des schnellen Spaniers. Die schwarzen Sportsitze besitzen einen rautenförmig abgesteppten Bezug und bieten bei hinreichendem Komfort ordentlichen Seitenhalt. Das unten abgeflachte Lederlenkrad im Cupra-Design zählt zu den schönsten und griffbesten in diesem Segment und die Ausstattung ist weitgehend komplett: Ein gutes Soundsystem samt Aux-Eingang, die Klimaautomatik und ein Bordcomputer sind serienmäßig. Der höhenverstellbare Fahrersitz und die großzügig verstellbare Lenksäule sind weitere wichtige Bausteine zum schnellen Wohlfühlen. Die Sicherheitsausstattung bietet serienmäßig unter anderem eine nützliche Reifendruck-Kontrolle, während Kopf- & Seitenairbags für beide Sitzreihen extra kosten. Großes Hoppala: Die extra für den Cupra gezeichneten Zifferblätter der Instrumente in dunklem Grau erschweren die Ablesbarkeit enorm. Erst bei eingeschalteten Scheinwerfern – und beleuchteten Armaturen – ist man wieder im Bilde.
Apropos Fond: Dort sitzt man aufgrund der kleinen Seitenscheiben zwar wie in einer Bärenhöhle, aber mit akzeptablem Beinraum. Ab einer Größe von 1,80 Metern wird’s jedoch mit dem Kopfraum eng. Der Kofferraum liegt mit 284 Liter Fassungsvermögen im Klassenschnitt, einzig bei dessen Erweiterung ist den Seat-Konstrukteuren noch ein Lapsus passiert: Um eine halbwegs ebene Ladefläche zu erzeugen, muss man die Sitzflächen der Fondsitze nach vorne klappen. Das ist aber nur möglich, wenn man mit den Vordersitzen so weit nach vorne rutscht, dass dort nur mehr Zwerglein sitzen können.
Das Resümee
Der Seat Ibiza Cupra zählt zu den ganz wenigen kleinen Boliden, die trotz ihres sportlichen Potenzials im Alltag nicht nerven – Motor, Getriebe und Fahrwerk schlagen einen perfekten Spagat zwischen Spieltrieb und Dienstbarkeit. Vor allem das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe will man in diesem Umfeld nicht mehr vermissen. Dazu kommt ein stimmiges Design, saubere Verarbeitungsqualität und – mit kleinen Ausnahme – hohe Funktionalität für die Alltagspflichten. Die vielen Talente und das Hightech-Paket haben allerdings ihren Preis: Der Seat Ibiza Cupra erklimmt mit 25.890 Euro die preisliche Spitze unter den kleinen Spaß-Raketen.
21.12.09 von Peter Schönlaub