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KTM X-BOW GT: Heiss im Glas

Dass es einem auch in einem offenen Auto trotz moderater Außentemperaturen heiss werden kann, beweist der neue KTM X-Bow GT.

25.07.2013 | 00:00 | (autonet)

Gut erinnern wir uns noch an die Euphorie über das erste, österreichische Autos seit vielen vielen Jahren. Der X-Bow schlug damals 2008 ein wie eine Bombe, alle liebten das Auto aus Mattighofen. Supersport, ganz gemäß dem KTM-Motto „Ready to Race“ ward angesagt, die Clubsport-Szene beäugte das Fahrzeug mehr als kaufinteressiert und auch eine R- und eine RR-Version wurden bald in Aussicht gestellt. 


Dann kam die Krise pünktlich zum Produktionsstart und das Interesse der geldigen Kundschaft an einem dezidierten Siebt-Auto fiel ins Bodenlose. Man schraubte zurück auf Build-per-Order-Betrieb, siedelte die Fahrzeugherstellung immer mehr von externen Zulieferern zu firmenangehörigen Unternehmen ab, rief mit der X-Bow-Battle eine fast company-eigene Rennserie ins Leben und dass es die (bös gesagt) „Totgeburt“ KTM X-Bow heute, fünf Jahre später, überhaupt noch gibt, ist der Leidenschaft des Vorstandes für die Sache im weiteren und dem Durchhaltevermögen nebst Biss eines Stefan Pierer im speziellen zu verdanken. Ein von anonymen Protagonisten gesteuerter Autohersteller hätte das Projekt einfach abgedreht und im Ladl versenkt.

Nicht so KTM. Es modelte das Thema Auto nach einigen Abschreibungen in zumindest einen Achtungserfolg ab, entwickelte das tolle Ding weiter und stellt am vergangenen Salon in Genf schließlich sogar die langerwartete GT-Version des X-Bow vor.

Die auf den ersten Blick (von der Weite) für Verwunderung, auf den zweiten (aus der Nähe) für Bewunderung und auf den dritten Blick (von Innen) für Begeisterung sorgt. So wie das vermeintliche „Draufpappen“ einer Windschutzscheibenkonstruktion nebst Tür-Fenstern zunächst die Linie des X-Bow stört, so ist die Einbindung ins Gesamtdesign durch die Haus-Reißbrettakrobaten rund um Genius Gerald Kiska ein bravourös vollführter Drahtseilakt und wenn man erst mal im X-Bow drinnen sitzt und schneller als 30 km/h fährt, sind all die Mühseligkeiten eines Autos, das defacto ohne jeglichen Windschutz für seinen Piloten auftrat, schnell vergessen.


Es ist nun also nicht nur mehr toll, aufregend und extravagant, einen X-Bow von KTM zu pilotieren, es macht auch richtig Spaß, so ganz ohne Helm und Schutzbrille. Erstmals könnte man mit dem Ding zumindest theoretisch auch nur Semmeln holen fahren, trotzdem ist nach wie vor die Rundstrecke das ideale Lebensumfeld des orangen. 285PS und 420 Nm Drehmoment geschöpft aus einem Zweiliter TFSI-Audi Turbo-Vierzylinder (inklusive Sechsganggetriebe), verteilt auf bloß 847 Kilogramm reinrassigsten Sportwagen bedeuten uns kompromisslos wie unmissverständlich: Sport. Hier wird nichts, rein gar nichts an irgendwelche Komfort-Issues verschwendet, man hat Lenkrad (abnehmbar), Instrumente, Scheibenlüftung, verstellbare Pedale, aus. Die Recaro-Sitzschalen lassen sich austauschen, also an die Sitzhöhe anpassen, mitnehmen müssen sollte man die ausgetauschten allerdings auch nicht unbedingt müssen. So wie sonst auch nix, rein gar nix, nicht mal ein Schminktäschchen. Dieses würde allerdings ohnedies nur blöd durch die Gegend fliegen, wenn man dann mal richtig anraucht.

Und das tut man ohne jede Frage, wenn die erste Angst mal verflogen ist. Dann holt einen noch kurz die Schrecksekunde des durch kalte Reifen hervorgerufenen Untersteuerns in der ersten ambitioniert angegangenen Ecke zurück auf den Vernunftteppich, aber danach ist Schluss mit fad. Man tastet sich ans Vertrauen zum Auto Zentimeter für Zentimeter heran, lebt sich in dessen Intertialsystem ein, lernt schnell, auf jegliche Art von Fahrassistenz zu verzichten (weder irgendwelche Servos noch ABS oder ESP sind verbaut) und kommt bald ganz automatisch ins räubern, dass es eine Freude ist. Am schönsten fühlt sich derlei klarerweise an, wenn man eine Rennstrecke zum Ausleben seiner neuerworbenen Rennfahrerskills zur Verfügung an, aber auch das Dahinfloaten auf einer schönen, kurvigen Landstraße kann viel, viel Freude bereiten. Man muss dazu übrigens nicht zwingend mit dem Gasfuß im Kriminal stehen: auch im dritten oder vierten Gang macht X-Bow-Swingen ziemlich viel Freude.

Dass der KTM X-BOW auch als GT wohl kaum zum einzigen Auto der Familie reifen wird, liegt auf der Hand. Aber er rückt in der Hierarchie von Papis Spielsachen wohl vom Sechst- zum Zweitauto auf, so mit Glasscheibe. Es macht schon ungemein viel aus, wenn man nicht zwingend bei jeder Ausfahrt einen Helm brauch. Und auch das Sprit-Budget der Haushaltsausgaben belastet der Familien-Van vermutlich mehr als der X-BOW GT: ein Verbrauch von 8,3 Litern im MVEG-Zyklus ist nicht nur Wunschdenken des Herstellers, sondern realiter umsetzbar. Auch wenn man sich recht oft dazu hinreißen lässt, die veranschlagten 4,3 Sekunden für den Sprint auf die magische Hundert per Lenkrad-Stoppuhr (serienmäßig, mit Lap-Timer) nachzumessen.

Der KTM X-Bow GT ist ab 72.500 Euro netto zu haben, also zzgl aller Steuern und länderspezifischen Einfuhr-Abgaben wohlfeil, kostet er hierzulande also runde 100.000 Euro.

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