Gehegt und gepflegt
Die Frage hat ihre Berechtigung, schließlich wurzeln ja alle SUV-Modelle bei Geländewagen, die zum Zweck entwickelt wurden, abseits befestigter Straßen zu fahren, um dort spezielle Aufgaben zu erledigen. Vom ursprünglichen Einsatzzweck haben sich die Sports Utility Vehicle weit weg entwickelt. Nicht zuletzt wegen der optischen Aufmachung und des Preises hüten sich SUV-Besitzer davor, ihr geliebtes Fahrzeug im Gelände zu bewegen. Der Auftritt hat etwas für sich, die Kunden wollen das und die Kunden kaufen das und da wir in einer freien Gesellschaft leben, dürfen sie das auch.
Der Charaktertyp
Das Wesen des Mercedes GLK liegt in einem recht kantigen Erscheinungsbild – keine rund ausgestellten Radläufe, keine Motorhaube im Kaugummiblasen-Stil, keine abfallende Dachlinie, kein Rubens-Hinterteil. Die Kante ist Programm, alles im Kasten. In noch deutlich stärker ausgeprägter Form kennt man das vom Urahn, dem Mercedes G (für Patrioten auch gerne immer noch Puch G). Dem GLK sieht man seine Offroadtalente besser an, als so manchem Konkurrenten, wirklich ins Gelände fahren werden aber trotzdem nur die wenigsten wollen. Dafür kann man sich lieber der optischen Auffettung bedienen und Eindruck schinden, beispielsweise mit dem AMG-Sportpaket. Das kostet 4529,52 Euro Aufpreis und beschränkt sich auf folgende Exterieur-Änderungen: AMG-Front- und Heckschürze mit optischem Unterschutz in Chrom, AMG-Leichtmetallräder, Kühlergrill mit zwei glatten Chromlamellen, Seitenschweller in Wagenfarbe lackiert, Sportfahrwerk mit 20-mm-Tieferlegung, Chrom-Rammschutzleiste und Chrompaket. Will man auch im Innenraum etwas sportliche Zier haben, sind weitere 1146,96 Euro einzukalkulieren. Im Sportpaket Interieur sind dann Leder-Schaltknauf, Dreispeichen-Lederlenkrad mit Schaltpaddels, Sitzbezüge in der Kombination Stoff und Ledernachbildung, ein silberfarbenes Kombiinstrument, Edelstahl-Sportpedale, Innenraumlichtpaket und Fußmatten (!) enthalten. Hat man das alles nicht, geht die Welt auch nicht unter, aber schön aussehen tut es allemal.
Entscheidender als die Optik ist mit Sicherheit die Wahl des Antriebs. Gab es anfänglich nur Sechszylinder-Motorisierungen, hat Mercedes das GLK-Portfolio mittlerweile auch um Vierzylinder-Aggregate auf insgesamt sechs Varianten erweitert. Außerdem ist das Einstiegsmodell 200 CDI ausschließlich und der nächststärkere 220 CDI wahlweise mit Heckantrieb erhältlich, alle anderen mit 4Matic-Allradantrieb. Seit letztem Jahr gibt es in der Vierzylinder-Common-Rail-Riege zusätzlich den 250 CDI mit 204 PS als effiziente Alternative für sportlich ambitionierte Fahrer, wie man es in der Marketing-Abteilung von Mercedes sieht. Effizienz drückt sich bei Mercedes in Form von BlueEfficiency aus. Im Fall des GLK wird dabei aber nicht mit Mild-Hybrid-Technologie oder zumindest einem Start-Stopp-System operiert. Die Spritsparmaßnahmen beschränken sich auf innermotorische Maßnahmen, einem reibleistungsreduzierten Antriebsstrang, Gewichtseinsparung, strömungsgünstig gestaltete Außenspiegel und eine bedarfsgeregelte Kraftstoffpumpe. Unter dem Strich steht ein Durchschnittsverbrauch von 6,7 Litern Diesel auf 100 Kilometer. Wie so oft, darf man in der Realität rund einen Liter mehr einkalkulieren.
Das Sahnehäubchen unter den Vierzylindern
Diese Verbrauchswerte hätte man auch mit dem GLK 220 CDI, aber da ist ja noch das Kapitel „sportliche Ambition“. Also dürfen es im Fall des 250 CDI 204 statt 170 PS, 7,9 statt 8,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und 210 statt 205 km/h Spitzengeschwindigkeit sein. Ein sonorer Motorenklang animiert zum Tritt auf das Gaspedal. Die serienmäßige 7G-Tronic-Automatik mahnt ein sekundenbruchteillanges Innehalten ein und bringt dann forsch die Kraft auf alle vier Räder. Dank eines kleinen Turboladers wird schon im niedrigen Drehzahlbereich ein hohes Drehzahlniveau erreicht. Bei steigender Drehzahl übernimmt ein größerer Turbolader die Zwangsbeatmung. Einer ambitionierten Fahrt steht also nichts mehr im Wege. Dank der Fahrwerks-Tieferlegung liegt der GLK sehr satt auf der Straße. Vermutete Seitenneigungen wegen des hohen Aufbaus bleiben aus. Die Agility Control-Lenkung gibt ausreichend straffe Rückmeldungen.
Gerne auch die ruhige Gangart
Sportliche Ambition ist aber nicht alles. Und so präsentiert sich der GLK 250 CDI in allen Lebenslagen, als angenehm ruhig zu steuerndes SUV-Modell mit ausreichenden Reserven. Das kantige Styling der Karosserie spiegelt sich auch im Innenraum wider. Dezentes Schwarz wird von gebürstetem Aluminium-Dekor ergänzt. Die Anzeigen und Bedienelemente sind auf den Fahrer ausgerichtet. Die Höhen- und Lehnenverstellung der Vordersitze erfolgt elektrisch. Das Platzangebot vorne ist reichlich. Im Fond wird man auch mit langen Beinen nicht all zu unglücklich. Der Kofferraum lässt sich durch eine nicht all zu hohe flache Ladekante befüllen. Das Ladevolumen beträgt 450 Liter und lässt sich durch Umlegen der Rücksitzlehnen auf 1550 Liter erweitern – immerhin 50 Liter mehr als in einem C-Klasse T-Modell.
In finanziellen Belangen
Für den Einstieg in die GLK-Klasse verlangt Mercedes 36.900 Euro. Dafür gibt es den GLK 200 CDI mit 143 PS und Heckantrieb. Der GLK 250 CDI 4Matic schlägt mit mindestens 47.760 Euro zu Buche. Durch Extras wie das AMG-Sportpaket Exterieur, das Sportpaket Interieur, Einparkhilfe, Navigationssystem, Intelligent Light System und die automatische Heckklappe lässt sich der Preis wie im Fall unseres Testwagens auf 64.396 Euro steigern. Wer nach einer geräumigen Kombialternative mit ausreichend Leistung und optischen Effekt sucht, dürfte hier fündig werden. Wem dagegen eine bessere Geländegängigkeit am Herzen liegt, der kann sich das teure Styling-Paket sparen und zum Offroad-Technikpaket (797 Euro) greifen und bekommt dann eine Bergabfahrhilfe und das Offroad-Fahrprogramm, das auf Knopfdruck Getriebeschaltpunkte, Gaspedal-Kennlinie und das Offroad-ESP anpasst. <p><img id="FLEX36192eb5" style="background-color: #EEEEEE" title="InlineDiashow (36192eb5)" src="../../images/inline/inline_inlinediashow.gif" alt="InlineDiashow (36192eb5)" width="385" height="100" /></p>





