Alfa 8C Spider: Sei mein schöner Götterfunken!
Der Wahnsinn macht Mode
Zeit für die erste Ausfahrt: Die Sitzposition ist perfekt und keineswegs so altitalienisch wie in manchen Maseratis der letzten Jahre. Man ist schlüssig eingepasst in diese elitäre Welt aus Speed und Spaß; auch die Bedienung funktioniert ohne Rätsel. Die erste Sensation kommt aber aus den tiefen Eingeweiden des Autos: Es ist der Sound. Der Achtzylinder produziert einen kehligen, gutturalen Sound, den man eher in der Boxengasse einer Rennstrecke vermuten würde als auf der Straße. Und der Ton macht keine leeren Versprechungen: Mit fetter Beschleunigung zoomt sich das Alfatier nach vorne, dreht aggressiv hinauf bis zum roten Bereich bei 7500 Umdrehungen. Drückt man zudem die Sport-Taste, verschärft sich das Ansprechverhalten des Gaspedals, die Gangwechsel werden schneller und eine Klappe im Auspufftrakt erlaubt noch befreiteres Brüllen.
Schon bei den ersten Runden wird klar: Der Alfa ist kein Schönling, dessen Talente sich in ästhetischen Sperenzchen erschöpfen – sondern ein Sportwagen reinsten Wassers. Die Lenkung ist zwar etwas schwergängig, aber präzise und direkt; die Bremsen bieten fantastisches Feedback und beste Performance auch im härtesten Einsatz; das Fahrwerk ist wunderbar balanciert, sein Verhalten berechenbar. Schon nach wenigen Kurven gelingen anmutige Power-Drifts am Kurvenausgang, was das VDC (das ESP von Alfa) im Sport-Modus großzügig zulässt. Man kann es auch ganz deaktivieren, zuvor sollte man sich aber doch ein paar zusätzliche Übungsrunden gönnen. Es wär’ schad ums Auto. Immer, immer wieder Gänsehaut verursacht schließlich das Herunterschalten in der Anbremszone: Da brabbelt und keucht und spuckt der Achtzylinder, dass es nur so eine Freude ist.
Alfa im Alltag: Warum denn nicht?
Wir wollen nicht so weit gehen, im 8C Spider das perfekte Alltagsauto zu sehen, aber tatsächlich bietet sein Fahrwerk doch mehr Komfort als beispielsweise ein Ferrari Modena oder ein Lamborghini Gallardo. Von den Sitzen gibt es auch nur Bestes zu berichten, das Verdeck funktioniert unkompliziert und so bleibt als einzige Einschränkung ein wirklich winziger Kofferraum, der gerade ein Pilotenköfferchen schluckt. Wer dieses Auto besitzt, wird aber auf großes Reisegepäck verzichten können – das soll doch der Butler im Bentley nachbringen.
Teuer und rar: Das ganz persönliche Traumauto
Wie beim Coupé zieht Alfa auch beim Spider die Politik der kleinen Auflage durch. 500 Stück werden erzeugt, 15 davon kommen nach Österreich – und drei davon sind noch frei. Das Auto wird also von Haus aus eine rare Erscheinung bleiben, aber Alfa verspricht noch mehr Individualität: von den 500 Stück soll keines dem anderen gleichen. Käufer haben die Wahl zwischen fünf Lackfarben (oder eine ganz eigene Lösung), drei Verdeckfarben, außerdem kann man drei Töne der Lederpolsterung mit zwei unterschiedlichen Strukturen und drei verschiedenen Ziernähten kombinieren. Auch drei verschiedene Felgen-Formen sind verfügbar.
Fazit: Seid verschlungen, Millionen
Wer vor dem Kaufpreis von einer guten Viertelmillion Euro und den zu erwartenden hohen Folgekosten für Steuer/Versicherung und gut 20 Liter Praxisverbrauch nicht zurückschreckt, bekommt im Gegenzug ein rares Superauto für die Ewigkeit – komfortabler als die anderer Superitaliener, weitaus sportlicher als ein Mercedes SL und exklusiver als alle zusammen. Eigentlich müsste man diese programmierte Legende luftdicht verschweißen und in der Garage auf ein Podest stellen – aber wer einmal damit gefahren ist, wird das niemals übers pochende Herz bringen.
Alfa Romeo 8C Spider