Alfa 8C Spider: Sei mein schöner Götterfunken!
Unter freundlicher Mitwirkung von Maserati und Ferrari baut Alfa das ultimative Traumauto – eine Viertelmillion Euro teuer und auf 500 Stück limitiert. Wir fuhren mit einem der 15 Exemplare, die nach Österreich kommen.

Ein rares Superauto für die Ewigkeit: Der Alfa 8C Spider
Kurz zur Einordnung: Im 2008 baute Alfa Romeo den 8C Competizione – ein auf 500 Stück limitiertes Coupé der Supercar-Liga. Im gleichen Jahr wurde der davon abgeleitete Spider präsentiert, ein kompakter, bulliger Roadster, der sofort die Herzen der Alfisti in aller Welt eroberte. Bis zu seiner Fertigstellung sollte es allerdings dauern – nämlich genau bis heute, wo er fahrfertig und testbereit vor uns steht.
Der Antrieb basiert, wie schon beim Coupé, auf einem Maserati-Motor, dessen Wurzeln wiederum tief in die Werkshallen von Ferrari reichen. Der vorne längs eingebaute V8 leistet 450 PS aus 4,7 Liter Hubraum und ist serienmäßig an ein automatisiertes Sechsganggetriebe gekoppelt. Man schaltet also mit Paddles hinter dem Lenkrad oder überlässt die Gangwechsel ganz der Automatik.
Aus dem Coupé wird ein Cabrio
Für den Umbau zu einem Cabrio war beträchtlicher Aufwand notwendig. So musste zur Erhaltung der Steifigkeit eine Reihe von Querstreben eingebaut werden, die wiederum das Gewicht nach oben trieben. Um dagegen zu steuern, entschieden sich die Ingenieure für teure Komponenten: Der Windschutzscheibenrahmen besteht zur Gänze aus Karbon (wie übrigens auch fast alle Karosserieteile), die Bremsscheiben werden aus einer ultraleichtem Karbon-Keramik-Mischung gefertigt. So hält sich das Mehrgewicht mit 90 Kilo in Grenzen.
Aus Gewichtsgründen wurde auch das Dach bewusst schlicht gehalten. Das kleine Stoff-Mützchen muss per Hand entriegelt werden, dann klappt es automatisch in gestoppten sieben Sekunden nach hinten; der vordere Teil des Dachs schützt das Verdeck in zurückgeklappter Position. Damit das Bild fugenlos hübsch ist, sollte man aber noch zwei weitere seitliche Abdeckungen montieren – händisch und von außen. Hat man die Seitenscheiben geschlossen und das kleine Windschott zwischen den Überrollbügeln montiert, dann verspricht Alfa verwirbelungsfreies Fahren bis zum Topspeed – also bis 292 Stundenkilometer. Wir können es vorwegnehmen: bis 200 km/h herrscht tatsächlich Ruhe im Sturm.
Gut ist, was edel ist
Keine Grund zum Sparen sahen die Alfa-Leute offenbar auch bei den übrigen Details in und ums Auto: Es gibt mächtige 20-Zoll-Felgen, eine aus dem Block gefräste, von Hand polierte Mittelkonsole aus Aluminium, Ledersitze vom legendären Kürschner Poltrona Frau und viel echtes Karbon auch im Cockpit. Selbst die Sitze erzählen eine Geschichte: Sie wurden eigentlich für das Überauto schlechthin, den Ferrari Enzo, konstruiert.
Wieso der Alfa 8C Spider schon vor dem ersten Tritt aus Gaspedal zu überzeugen weiß und wieso jeder, der dieses Auto sein Eigen nennen will, schnell zuschlagen sollte. Die Antworten gibt's auf Seite zwei.
Der Wahnsinn macht Mode
Zeit für die erste Ausfahrt: Die Sitzposition ist perfekt und keineswegs so altitalienisch wie in manchen Maseratis der letzten Jahre. Man ist schlüssig eingepasst in diese elitäre Welt aus Speed und Spaß; auch die Bedienung funktioniert ohne Rätsel. Die erste Sensation kommt aber aus den tiefen Eingeweiden des Autos: Es ist der Sound. Der Achtzylinder produziert einen kehligen, gutturalen Sound, den man eher in der Boxengasse einer Rennstrecke vermuten würde als auf der Straße. Und der Ton macht keine leeren Versprechungen: Mit fetter Beschleunigung zoomt sich das Alfatier nach vorne, dreht aggressiv hinauf bis zum roten Bereich bei 7500 Umdrehungen. Drückt man zudem die Sport-Taste, verschärft sich das Ansprechverhalten des Gaspedals, die Gangwechsel werden schneller und eine Klappe im Auspufftrakt erlaubt noch befreiteres Brüllen.
Schon bei den ersten Runden wird klar: Der Alfa ist kein Schönling, dessen Talente sich in ästhetischen Sperenzchen erschöpfen – sondern ein Sportwagen reinsten Wassers. Die Lenkung ist zwar etwas schwergängig, aber präzise und direkt; die Bremsen bieten fantastisches Feedback und beste Performance auch im härtesten Einsatz; das Fahrwerk ist wunderbar balanciert, sein Verhalten berechenbar. Schon nach wenigen Kurven gelingen anmutige Power-Drifts am Kurvenausgang, was das VDC (das ESP von Alfa) im Sport-Modus großzügig zulässt. Man kann es auch ganz deaktivieren, zuvor sollte man sich aber doch ein paar zusätzliche Übungsrunden gönnen. Es wär’ schad ums Auto. Immer, immer wieder Gänsehaut verursacht schließlich das Herunterschalten in der Anbremszone: Da brabbelt und keucht und spuckt der Achtzylinder, dass es nur so eine Freude ist.
Alfa im Alltag: Warum denn nicht?
Wir wollen nicht so weit gehen, im 8C Spider das perfekte Alltagsauto zu sehen, aber tatsächlich bietet sein Fahrwerk doch mehr Komfort als beispielsweise ein Ferrari Modena oder ein Lamborghini Gallardo. Von den Sitzen gibt es auch nur Bestes zu berichten, das Verdeck funktioniert unkompliziert und so bleibt als einzige Einschränkung ein wirklich winziger Kofferraum, der gerade ein Pilotenköfferchen schluckt. Wer dieses Auto besitzt, wird aber auf großes Reisegepäck verzichten können – das soll doch der Butler im Bentley nachbringen.
Teuer und rar: Das ganz persönliche Traumauto
Wie beim Coupé zieht Alfa auch beim Spider die Politik der kleinen Auflage durch. 500 Stück werden erzeugt, 15 davon kommen nach Österreich – und drei davon sind noch frei. Das Auto wird also von Haus aus eine rare Erscheinung bleiben, aber Alfa verspricht noch mehr Individualität: von den 500 Stück soll keines dem anderen gleichen. Käufer haben die Wahl zwischen fünf Lackfarben (oder eine ganz eigene Lösung), drei Verdeckfarben, außerdem kann man drei Töne der Lederpolsterung mit zwei unterschiedlichen Strukturen und drei verschiedenen Ziernähten kombinieren. Auch drei verschiedene Felgen-Formen sind verfügbar.
Fazit: Seid verschlungen, Millionen
Wer vor dem Kaufpreis von einer guten Viertelmillion Euro und den zu erwartenden hohen Folgekosten für Steuer/Versicherung und gut 20 Liter Praxisverbrauch nicht zurückschreckt, bekommt im Gegenzug ein rares Superauto für die Ewigkeit – komfortabler als die anderer Superitaliener, weitaus sportlicher als ein Mercedes SL und exklusiver als alle zusammen. Eigentlich müsste man diese programmierte Legende luftdicht verschweißen und in der Garage auf ein Podest stellen – aber wer einmal damit gefahren ist, wird das niemals übers pochende Herz bringen.