JaguarXKR: Die Reichen werden erfreut sein
Galant beim Gasgeben: Der einzig denkbare Sportwagen für all jene, die sich von ihrem eigenen Champagner-Winzer beliefern lassen – und die bei fünf Sternen nicht an Crashtests, sondern an die letzte Nacht im Hôtel de Paris denken.
Unterwegs mit 400 PS und ohne pubertäre Einschlüsse. Mit dem Jaguar XKR Cabrio kein Problem.
Reichtum kann viele Folgen haben: Hässliche wie das Pseudo-Schloss Hearst Castle des gleichnamigen legendären Medien-Tycoons. Oder wunderliche wie die Nase von Michael Jackson. Am schlimmsten aber ist überraschender Reichtum, man merkt’s vor allem an den jungen Hollywood-Schauspielern und Popstars. Soeben wurde noch das Cola aus dem Pappbecher geschlürft, und jetzt glänzt das Kristall und perlt der Prosecco. Die Häuser sehen aus, als hätte Stevie Wonder die zweite Karriere des Innenarchitekten gestartet, und in der Garage steht Zeugs, das hauptsächlich glänzend, schwarz und mit großen Chromfelgen versehen ist.
Verfassten wir einen Ratgeber für versehentlich reich gewordene, die erste Regel würde lauten: Halte dich an Altbewährtes! Womit Legionen an Gentlemen durch die Zeitgeschichte pflügten, das sollte auch in der Gegenwart kleidsam und schick sein und vor allem: angemessen unpeinlich.
Krallenlose Raubkatze
Und so kommt man halt zum Jaguar XKR. Dieses Auto ist tatsächlich eine der sehr wenigen Möglichkeiten, ohne pubertäre Einschlüsse mit über 400 PS unterwegs zu sein. Das gelingt in keinem Ferrari, in keinem Lotus. Grund ist die Souveränität und natürlich auch die Tatsache, dass der Jaguar ganz offensichtlich eine reifere, oder sagen wir lieber, gereifte Klientel anspricht. Wer sich gerne von brettharten Sportsitzen zum Hobby-Shaolin-Mönch schlagen oder vom Fahrwerk malträtieren lassen will, der soll sich ruhig in einen Koenigsegg oder Pagani Zonda setzen.
Der Jaguar zeigt keine Krallen, um das beliebte Bild der Raubkatze auch einzubauen. Ganz im Gegenteil: Das Fahrwerk ist dank elektronisch gesteuerter Dämpfung sanft, die Sitze sind formidabel, der Geräuschpegel bleibt bei geschlossenem Verdeck auf dem Niveau einer Limousine. So weich wie geschlagener Eischnee tauscht die Sechsgang-Automatik ein Zahnrad gegen das andere, man könnte zerspringen vor lauter Freude über die technische Eleganz.
Der Motor: 560 Newtonmeter, starker Sound und Powerboost
Dazu gehört aber auch, dass der Motor ausnehmend direkt und präzise reagiert, und damit landen wir beim Kompressor. Mehr noch als die Spitzenleistung fasziniert das Drehmoment von 560 Newtonmetern. Dadurch kann der Motor Befehle unmittelbarer umsetzen, und zwar auch solche, die mit leichter Sohle gegeben wurden – der wichtigste Vorteil gegenüber dem normalen V8. Der zweite ist natürlich der Sound: Im niederen Drehzahlbereich artikuliert sich der Motor etwas rauer und schärfer als in seiner Saugversion, im höheren Bereich weit explosiver. Hier kommt das von alten US-Cars bekannte V8-Schnattern durch, es perlt auf wie zu heftig eingeschenkter Schaumwein, sehr charmant.
Dritter Vorteil: der Power-Boost. Dabei muss man zugeben, dass sich die Leistung nicht ganz so spektakulär abrufen lässt, wie nach den reinen Zahlen zu vermuten wäre. Dafür baut sich die Kraft einfach zu homogen auf, aber wer sollte darin einen Nachteil erkennen? Die gleichmäßige Entfaltung ist schließlich für die stolze Grandezza des Briten verantwortlich, schreiende, Nacken peitschende Spitzen würden wohl kaum in die Welt des XKR passen.
Welche Vorteile die neue Aluminum-Monocoque-Bauweise hat, warum auf das ESP viel Arbeitet wartet und wieso man nur zwei Kisten Champagner im Kofferraum mitführen kann. Alle Antworten auf Seite Zwei!