Porsche Panamera: Der Gentleman-Sportler
Über kein anderes Auto aus Deutschland ist zuletzt so viel gesprochen worden wie über den Porsche Panamera. Doch nach über zwei Jahren ist jetzt Schluss mit dem Gerede, die Theorie weicht der Praxis und der erste Porsche unter den Luxuslimousinen ist endlich zur Probefahrt bereit.
Das Warten hat ein Ende: Der Porsche Panamera wird auf unsere Straßen losgelassen.
Sieht man einmal vom weiten Raum und dem neuen Design ab, merkt der Fahrer kaum einen Unterschied zum Elfer – zumindest in der Längsdynamik ist der Panamera ein waschechter Sportwagen: Schon der vorläufige Basismotor, ein 4,8 Liter großer V8 mit 400 PS und 500 Nm beschleunigt den Zweitonner in 5,4 Sekunden auf Tempo 100, und der Turbo mit 500 PS und 700 NM schafft das sogar in 4,2 Sekunden. Wer dazu die Doppelkupplung bestellt, ist bei beiden Varianten noch zwei Zehntel schneller.
Freie Fahrt
Wo die meisten Konkurrenten ihre Dickschiffe bei 250 km/h abregeln, lässt Porsche dem Panamera freien Lauf. Schon der Panamera S kommt mit deutlich über 280 km/h locker über diese Schallgrenze, und der Panamera Turbo kratzt knapp über die 300er-Marke. Selbst der zur Preiskorrektur und CO2-Kosmetik für die nahe Zukunft versprochene V6 mit 300 PS dürfte einer S-Klasse oder einem Siebener deshalb mühelos davon fahren.
Aber der Panamera ist nicht nur auf der Geraden schnell. Zwar ist die Lenkung spürbar softer als in einem Elfer, doch lässt sich der Sportler im Smoking dennoch ausgesprochen präzise und scharf um die Kurven bewegen. Dabei helfen ihm beim Turbo eine Luftfederung mit adaptiver Regelung sowie natürlich der spurerhaltende Allradantrieb, der beim Saugmotor optional und beim Turbo serienmäßig eingebaut wird. Fast ganz egal, wie wild man es auf der Landstraße treibt: Nur mit grobem Vorsatz und zwangspausiertem Schutzengel lässt sich der Wagen in die Bredouille bringen.
Zu den faszinierenden Fahrleistungen und dem für einen Zweitonner ungemein präzisen Fahrverhalten gibt es ein Design, das aus zwei von drei Perspektiven Maßstäbe setzt: Mit den markanten Radhäusern und der langen Motorhaube entsteht vorn die typische Landschaft der 911-Front. Und auch die Silhouette ist so klassisch und elegant, dass die hinteren Türen unter der Coupélinie beinahe unsichtbar werden. Nur an die breite und verquollene Kehrseite wird man sich erst noch gewöhnen müssen.
Angriff in der Business-Klasse
Zugeschnitten ist der Panamera vor allem auf eilige Schöngeister in der Business-Klasse, denen ein Siebener, ein A8 oder eine S-Klasse zu barock und zu bieder ist. Deshalb haben die Schwaben das Auto zwar groß und geräumig konzipiert, beim Format aber dennoch Maß gehalten. Mit 4,97 Metern ist der Panamera rund zehn Zentimeter kürzer als die designierten Mitbewerber, und mit einer Breite von 1,93 Metern und vor allem der geringen Höhe von 1,43 Metern wirkt er deutlich zierlicher.
Dennoch ist der Viersitzer überraschend großzügig bemessen. Das war auch bitter nötig: Denn bislang galt Porsche nicht gerade als familienfreundlich. Zumindest wer gerne in Bodenhöhe unterwegs ist und nicht mit einem rasenden Hochsitz wie dem Cayenne über die Autobahn bollern wollte, musste sich zwischen Anhang oder Auto entscheiden. Nun jedoch werden die Schwaben zu Helden der Hinterbänkler und verwöhnen ihre Kunden nicht nur mit einer vornehmen Materialauswahl, sondern auch mit ungewöhnlich viel Kopf- und Kniefreiheit im Fond sowie einem Kofferraumvolumen von 432 bis 1250 Litern. Zugegeben: So fürstlich wie in einem Luxusliner sind die Platzverhältnisse nicht. Aber mit Sportlimousinen wie dem Maserati Quattroporte oder dem Mercedes CLS hält der Panamera locker mit.
Was Prosche Panamera fehlt und wie er den Sturm aufs Oberhaus gewinnen kann. Die Antworten gibt es auf der nächsten Seite.
DruckenSenden01.07.2009 von Thomas Geiger