Noch vor der offiziellen Fahrvorstellung Ende Oktober durften wir am Rande der Pariser Motorshow eine erste Runde durch Frankreichs Hauptstadt drehen. Hier lesen Sie unsere exklusiven Fahreindrücke.
Der Nissan Leaf ist in vieler Hinsicht ein Paukenschlag. Er ist das erste ausschließlich für Elektroantrieb entwickelte Großserienauto – und er ist serienreif. Schon im Dezember beginnen die Auslieferungen an Endkunden in den USA und Japan, ab Anfang 2011 sind die ersten Märkte in Europa dran. Weil sich Österreich noch zu keiner einheitlichen Förderungspolitik entschlossen hat, müssen wir – wie übrigens auch die Deutschen und die Schweizer – noch bis Ende 2011 auf die Markteinführung warten.
Die Eckpunkte: Ein richtiges Auto
Im Schnelldurchlauf die wichtigsten Eckpunkte: Der Leaf ist mit rund 4,45 Meter Außenlänge ein ausgewachsenes, fünftüriges Kompaktauto; länger sogar als ein VW Golf. Er verfügt über Lithium-Ionen-Batterien, die flach im Wagenboden integriert sind und einen Elektromotor, der 109 PS und ein souveränes Drehmoment von 280 Newtonmeter vom ersten Meter an leistet. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 140 km/h, die Reichweite bei braver Fahrweise bis zu 160 Kilometer. Und der Preis? Der soll in allen Märkten einheitlich rund 30.000 Euro kosten – allfällige Förderungen bereits abgezogen.
Der erste Kontakt: Sympathisch
Schon beim Einsteigen und Hineinsetzen nimmt man erfreut wahr, dass es sich beim Leaf um ein vollwertiges, komfortables Auto handelt; das ist ja in der aktuellen Elektro-Szene eines Think! oder Mitsubishi i-MIEV keineswegs selbstverständlich. Beim Leaf sitzt man vorne und im Fond ohne jede räumliche Beengung, die Sitze sind eher auf der soften Seite angesiedelt und die Inneneinrichtung ist schlicht, aber modern. Zunächst drückt man auf den Startknopf, worauf es naturgemäß ruhig bleibt, aber ein Haufen Lichtlein zur Begrüßung aufflackern. Blau, das soll wohl entspannen. Danach bewegt man den kurzen Joystick in der Mittelkonsole auf „D“ oder „R“ und fährt überraschend geschmeidig los. Tatsächlich kann man das Strompedal perfekt dosieren, das haben wir bei E-Autos schon anders erlebt.
Guter Antritt
Ein festerer Tritt aufs Pedal beweist nachdrücklich, dass E-Autos keineswegs mit der Einnahme von Schlaftabletten gleichzusetzen sind: Der Leaf beschleunigt krisp, vom Charakter eher ein Diesel als ein im unteren Drehzahlbereich lahmer Benziner. Allerdings wird man mit diesem Fahrstil keine kleinen Tannenbäumchen sammeln, die sich bei ökonomischer Fahrweise am digitalen Armaturenbrett gruppieren. Dort prangt auch als eine der wichtigsten Anzeigen: die Reichweite. Sie ändert sich ständig, passt sich dem jeweiligen Strecken- und Fahrerprofilen an. Das stachelt auch den Ehrgeiz an; wird’s knapp, kann man außerdem den Eco-Modus aktivieren, der die maximale Beschleunigung limitiert und damit die Reichweite per Knopfdruck um rund zehn Prozent verlängert. Keine Gewöhnung verlangen das Fahrverhalten, die Lenkung und die Bremse. Obwohl durch Rekuperation bei jeder Verzögerung Bremsenergie zurück gewonnen wird, sind das Pedalgefühl und die Dosierbarkeit auch hier souverän.
Dass man für sein Geld überraschend viel Auto geboten bekommt und unser erstes Fazit lesen Sie auf Seite 2.