Mercedes SLS AMG Roadster: Sternzeit
Wir sind den 240.000 Euro teuren Luxus-Roadster testgefahren.

Elf Sekunden dauert es bis das Verdeck unten ist.
Zwei Jahre nach der Premiere des neuen Flügeltürers schickt Mercedes jetzt den SLS auch als Roadster ins Rennen. Der Zweisitzer büßt zwar dabei seinen wunderschönen Flügelschlag ein und bekommt dafür fast schon profane Klapptüren. Doch gibt es dafür eine kleine Stoffhaube, die auf Knopfdruck binnen elf Sekunden verschwindet und den Silberpfeil zum Sportwagen für Genießer macht. Allerdings ist das ein teures Vergnügen: Kostet der normale SLS schon stolze 220.000 Euro, klettert der Preis nun um knapp 20.000 auf mindestens 239.900 Euro. Und das ist nur der Anfang: Für sieben von neun Farben muss man genauso Aufpreis bezahlen wie zum Beispiel für den Totwinkelassistenten oder den Zigarettenanzünder. Aber, so lautet offenbar die Argumentation in Affalterbach, es trifft bei diesem Auto ja keine Armen.
Verweichlicht?
Obwohl radikale Roadsterfans die Verweichlichung des Sportlers beweinen werden, gibt es für den SLS nicht nur ein Windschott und natürlich eine Sitzheizung, sondern sogar das in den Kopfstützen integrierte Warmluftgebläse Airscarf ist im Angebot. Im Gegenzug schärfen die Schwaben allerdings auch das sportliche Profil des SLS und montieren auf Wunsch einen deutlich erweiterten Bordcomputer. Fast wie die Telemetrierechner in der Formel 1 zeigt er dann nicht nur Leistung und Drehmomentkurven in Echtzeit und stoppt die einzelnen Runden, sondern ermittelt auch Längs- und Querkräfte und misst die Temperatur sämtlicher Flüssigkeiten an Bord.
Soundcontrol to Major Tom
Der Fahrer profitiert vom Striptease im Sturm gleich mehrfach: Er genießt die Luft und die Sonne. Weil man ihn besser sehen kann, fällt ein wenig mehr Glanz des Autos auf ihn selbst ab. Und vor allem hört er jetzt noch besser den sinnlichen Sound des großen Sauger. Wenn vorn unter der Haube ein Orchester mit acht Stimmen spielt, kann man sich einige tausend Euro für das Soundsystem von Bang & Olufsen glatt sparen. Denn der 6,2 Liter große V8 beherrscht jede Tonlage perfekt. Er bollert und grummelt giftig, wenn man gelassen über die Corniche cruist. Er brüllt laut auf, wenn man auf dem Weg hinauf in die Seealpen ein wenig mehr Gas gibt. Und er kreischt wie ein Furie, wenn man ihn zum Beispiel auf der Rennstrecke mal richtig ausdreht und erst kurz vor dem Roten Bereich bei rund 7 000 Touren tatsächlich den Gang wechselt.
Schön stark
Aber der V8 hat nicht nur einen gewaltigen Klang, sondern auch jede Menge Kraft. Schon ein Schatten auf dem Gaspedal genügt, dann zeigt der Roadster sein zweites Gesicht: Eben noch der gelassene Cruiser auf den Prachtboulevards dieser Welt, wird der Flügeltürer dann vollends zum Überflieger, schießt in 3,8 Sekunden auf Tempo 100 und stürmt mit 317 km/h dem Horizont entgegen. Das ist zwar nicht schneller als beim Coupé. Doch im Auge des Sturms fühlt sich dieses Tempo noch viel dramatischer an.
Völlefrei
Dass der offene SLS dem geschlossenen in Sachen Fahrdynamik in nichts nachsteht, hat einen guten Grund: Das geringe Gewicht. Weil das Open-Air-Modell bereits von Anfang an geplant und deshalb auch bei der Konstruktion des Aluminium-Gerüsts berücksichtigt war, muss die Karosserie kaum mehr zusätzlich versteift werden. Deshalb wiegt der Roadster nur 40 Kilo mehr als das Coupé. Außerdem ist er ungeheuer steif und liegt mit dem tiefen Schwerpunkt wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße. Bodenwellen und Schlaglöcher auf abgelegen Alpenpässen können den Reiz des Rasens deshalb kaum trüben. Und dass man über den Verdeckbuckel kaum nach hinten sieht, wird in diesem Auto nun wirklich niemand stören: Wer in einem SLS sitzt, der schaut ohnehin nicht zurück.
Zwillingsstern
Mit dem Roadster zum Coupé spinnen die Schwaben den roten Faden der 300 SL-Geschichte weiter. Denn auch in den Fünfzigern hat Mercedes erst das geschlossene und danach das offene Modell auf den Markt gebracht. Allerdings machen sie diesmal einen kleinen aber feinen Unterschied: Anders als damals laufen heute beide Modelle parallel und die Premiere des Roadsters ist nicht automatisch das Ende des Flügeltürers.
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DruckenSenden20.09.2011 von Thomas Geiger
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