Bentley Mulsanne: Der King of Queens
Volle Ladung
Auch in Sachen Hightech ist das Equipment reichhaltig, wie man das angesichts des Kauf-Sümmchens auch erwarten darf: Luftfederung, Leder bis zum Dachhimmel, 12-fach elektrisch verstellbare Vordersitze und immer noch 8-fach verstellbare Fauteuils im Fond. Das Entertainmentsystem stammt aus dem Audi A8, wurde aber optisch bentleysiert. Der Vorteil: Die Bedienung ist klar und rätselfrei. Der große 8-Zoll-Bildschirm verschwindet hinter einem Holz-Paneel, der iPod in einer Schublade, wo er die passende Schnittstelle findet. Ganz erstaunlicherweise hat die Serienausstattung dann doch ein paar weiße Flecken: Eine Rückfahrkamera (bei solch einem Schiff ein Must-Have) kostet genauso wie ein Tempomat mit Abstandsradar extra. Naja, das wird man sich auch noch gönnen, genauso wie die Seitenkameras, mit denen man beim Herausfahren aus einer Einfahrt nach links und rechts lugen kann. Und weil wir beim Kritteln sind: Ein 443 Liter kleiner Kofferraum ist bei dieser Autogröße geradezu lächerlich. Aber offenbar ist es unschicklich, großes Gepäck bei sich zu haben. Die Schrankkoffer werden vom Gesinde im eigenen Frachter transportiert.
Konzert bei 200 km/h
Auch ein weiteres Extra halten wir für verpflichtend, zumal rund 7750 Euro in diesem Umfeld ohnehin Peanuts sind: die 2200 Watt starke Premium-Soundanlage von Edelgerätehersteller Naim. Dann genießt man Musik aus 20 Lautsprechern, die aus ebenso vielen Kanälen angesteuert werden und ein Klangerlebnis, das einen aus den Seidensocken haut. Es ist kaum vorstellbar, dass man zuhause eine ähnliche Akustik zustande bringt, da werden wohl manche Musikfreaks für eine Symphonie oder ein rasches Oratorium in die Garage pilgern.
Reichtum in Fahrt
Ein Druck auf die Start-Taste erweckt den Motor zum Leben. Freilich hört man fast nichts davon. Auch beim Anfahren wirkt der Bentley wie die ersten Elektromobile, die wir heuer schon gefahren sind. Schwebend und majestätisch fährt man, ach was, überwindet man Distanzen. Auch beim Cruisen benötigt man Zeit, um sich an die Dimensionen der Limousine zu gewöhnen – und an das Gewicht, das stets spürbar bleibt. Knapp 2,6 Tonnen müssen bei dieser Größe zwar als guter Wert gelten, von Leichtfüßigkeit kann man trotzdem nicht reden. Es ist ein gravitätisches gepflegtes Fahren, das in diesem Auto wohl meist auch von einem Chauffeur zelebriert wird. Will man dann aber doch einmal zeigen, wer hier der König ist, genügt ein kleiner Tritt aufs Gaspedal. Ohne die Geduld seines Meisters mit einem Kickdown auf die Probe zu stellen, legt die Motoryacht ihr Gewicht ins Heck und schiebt sich mit einer Vehemenz nach vorne, die unerwartet und damit umso spektakulärer ist. Fahrwerte, die sich darauf beziehen, werden jedoch nicht angegeben, jegliches Interesse daran bezeugt ohnehin plebejische Würdelosigkeit. Was genannt wird, ist der Spritverbrauch: jene 16,9 Liter im Schnitt wuchsen bei unserem Test auf rund 20 Liter; beim reinen Stadtverkehr auf gut 25. Zum Glück trifft’s keine Armen.
Das Resümee: Eine perfekte Welt
Mit normalen Maßstäben kann und darf man dieses Auto nicht messen. Der Mulsanne ist eine aberwitzig luxuriöse, bis ins feinste Detail perfektionierte Sänfte mit überraschender Fahrdynamik, die vor allem vom bullenstarken Motor herrührt. Eine Ausfahrt mit dem Mega-Liner ist ein exklusives Vergnügen, das niemals breitere Kreise ziehen wird. Nur zwei Mulsanne wurden heuer in Österreich zugelassen. Dieser hier ist einer davon.
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DruckenSenden27.12.2010 von Seine Lordschaft Peter Schönlaub