VW Golf Rrrrr – der Über-Golf
Österreichs beliebtestes Auto durchbricht alle Grenzen: Der VW Golf R leistet 270 PS, sprintet wie ein Porsche und kostet mit Extras über 50.000 Euro. Im autonet-Intensivtest muss das Topmodell Charakter zeigen: Böser Golf oder doch ein eleganter Gran Turismo?

Dieses Auto, den VW Golf gäbe es auch mit 80 PS - wir haben uns dann doch lieber für die Version mit dem "R" am Heck entschieden. Dort werden 270 PS freigesetzt.
Mit einem Golf kann man nichts falsch machen, sagen sich Herr und Frau Österreicher. Seit Jahrzehnten führt der VW-Klassiker Österreichs Verkaufshitparade an. Im Volksmund sagt man Golfklasse statt Kompaktklasse. Wovon die meisten Golf-Fahrer gar nichts mitkriegen: Ihr Auto spielt auch weit oben mit, noch eine Stufe über dem bekannten Golf GTI. Dort wartet eine bunte Fangemeinde, die vom schicken Porsche-Fahrer bis zum Tuningfan vom Wörthersee reicht. Sie hat sich um den exotischen, teuren Golf R32 versammelt, den es in der vierten und fünften Golf-Generation gab.
Verzicht auf zwei Zylinder, aber nicht auf Leistung
Aus dem Golf R32 wurde nun ein Golf R: Der Über-Golf macht eine heftigen Sprung nach unten, statt 3,2 Liter gibt es nur noch 2,0 Liter Hubraum. Aus dem V6-Motor ist in der neuen Generation ein Vierzylinder mir Turboaufladung geworden. Vordergründig ein Statusverlust, aber in vielfacher Hinsicht eine Chance: Das aus dem Audi S3 bekannte Aggregat ist leichter und sparsamer als der Vorgänger. Zudem hat VW das Potenzial des Turbos ausgeschöpft und 270 PS rausgeholt. Der stärkste Serien-Golf aller Zeiten hat aber auch mehr Drehmoment, 350 Newtonmeter sind ein Plus von 20. Nur der Motorsound ist nicht mehr so sonor wie beim V6, trotz bemühtem Klang-Engineering kann VW die Physik nicht außer Kraft setzen.
Das Lenkrad reißt Dir gleich keine
Der Golf R ist sportlicher geworden: Es lastet weniger Gewicht auf der Vorderachse, aber die neue Dynamik geht besonders vom 4Motion-Allradantrieb aus. Wo bisher unterschiedliche Raddrehzahlen die Haldex-Kupplung aktivierten und so die Kraft zu den Achsen verteilten, regelt VW jetzt über eine elektronische Hochdruckpumpe. Das passiert im Millisekundenbereich und pusht die Fahrdynamik spürbar: Lenkeinflüsse sind nicht spürbar, lästiges Untersteuern wird klar reduziert. Wie auf Schienen durchzieht der Golf R die Kurven, er scheint sich beim Herausbeschleunigen in den Asphalt zu krallen. Das Auto hat Spaßpotenzial, ohne wirklich ein böser Golf zu sein: Statt einen zugespitzen Sportwagen-Schreck zu entwickeln, wurde der Golf eindeutig als entspannter Gran Turismo ausgelegt.
Wert gelegt auf Langstreckenkomfort
Die Fahrwerksabstimmung ist straff, verzichtet aber auf das letzte Quäntchen Sportlichkeit. Stattdessen legt der Golf R Wert auf ordentlichen Langstreckenkomfort, erst recht mit dem adaptiven Fahrwerk samt Sport- und Komfort-Taste. Ein Cruiser mit spektakulären Fahrleistungen: Mit einem 5,5-Sekunden-Sprint auf Hundert liegt der Golf R im Bereich eines Porsche Cayman, auch der Topspeed von 250 km/h ist Sportwagen-Stil. Der Motor ist stark, aber nicht nervös: Er hat schon in tiefen Drehzahlen Kraft und steigert diese schön gleichmäßig nach oben hinaus – was nicht heißt, dass ein beherzter Tritt auf das Gaspedal keine Leistungsexplosion hervorrufen würde. Ideale Ergänzung ist das aufpreispflichtige Doppelkupplungsgetriebe: automatisch oder über die Wippen am Lenkrad wechseln die Gänge im Wimpernschlag. Der Autobahn-Verbrauch liegt bei neun Litern, ein ausgezeichneter Wert. Auch der Gesamt-Testverbrauch von rund 11,5 Litern ist nicht schlecht.
Erwachsener Edel-Sportler
Das Interieur wird dem Charakter des erwachsenen Edel-Sportlers gerecht. Der Golf hat derzeit grundsätzlich die beste Interieur-Materialqualität in der Kompaktklasse, der Golf R ist mit Aluminium-Dekoration und tollen Sportsitzen wirklich top: Schlicht, stilvoll und eine Benchmark selbst für die Premium-Konkurrenz.
Fazit
Und die Publikumswirkung? Speziell das Heck ist böse und mit den richtigen Felgen und Außenfarben kann Wörthersee-Feeling aufkommen. Aber mit einer dezenten Lackierung wendet sich das Blatt, unauffällig gleitet der Golf R durch die schicke City und zwinkert nur dem Kenner mit seinem LED-Licht zu.
VW Golf R: Vier Zylinder, Halleluja!
Wer damit heuer am Wörthersee auftrumpf...
Da wäre einmal der böse Blick. Woran er...
Den sportlich-bösen Auftritt den der VW...
DruckenSenden06.05.2010 von Fabian Steiner