Kia Venga: Eine Klasse für sich
Umfangreiche Ausstattung ist eine Sache, zum Fahren reicht das aber allein noch nicht. Wenn man neuer Star im Segment werden will, sollte man auch einen passenden Motorenmix mitbringen. Die Zeiten sind zum Glück vorbei, wo uns Ware aus Korea angeboten wurde mit dem Zusatz: „Entweder das, oder gar nichts.“ Der Kia Venga ist speziell für den europäischen Markt entwickelt worden und wird auch hier gebaut (im Kia-Werk in der Slowakei). Daher gibt es einerseits mehr Möglichkeiten zur Individualisierung, kürzere Lieferzeiten und eine gut bestückte Motorenpalette.
Fünf Motoren im Angebot
So gibt es zwei Benzinmotoren mit 90 und 125 PS und drei Common-Rail-Dieselaggregate mit 75, 90 und 115 PS. Die Benziner und der Einstiegsdiesel sind mit einem Fünfgang-Getriebe ausgerüstet. Die stärkeren Diesel haben eine manuelle Sechsgang-Box und den 125-PS-Benziner gibt es auch mit Vierstufen-Automatik. Für unseren Test haben wir den mehrheitsfähigen 90-PS-Dieselmotor ausgewählt. Eines muss dabei gleich erwähnt werden: für ein von geräuscharmen, modernen Common-Railern verwöhntes Ohr, erscheint der Dieselmotor im Venga doch recht rau und laut. Erst wenn er warmgelaufen ist und im Drehzahlbereich ab 2500 Touren gehen Geräusch und Vibrationen zurück. Das läuft allerdings dem Spritspargedanken zu wider. Denn die Schaltpunktanzeige im Kia Venga rät bereits zwischen 1500 und 2000 U/min den nächsthöheren Gang an.
Kia Venga schafft den Sprung unter die 120-Gramm-Marke beim CO2-Ausstoß
Beim Verbrauch wiederum zeigt sich der Venga von der braven Sorte. Serienmäßig hat das kleine Raumwunder Leichtlaufreifen und in Verbindung mit dem manuellen Getriebe ein Start-Stopp-System, bei Kia ISG abgekürzt. Beides zusammen fällt unter die Bezeichnung EcoDynamics und verspricht beim 90-PS-Dieselmotor einen Durchschnittsverbrauch von 4,5 Litern Diesel pro 100 km und einen CO2-Ausstoß von 117 g/km. In der Realität hat sich bei uns im besten Fall ein Wert von 5,3 Litern pro 100 km erreichen lassen, was den Kia Venga aber immer noch recht günstig im Unterhalt erscheinen lässt.
Alle Handschalter serienmäßig mit Start-Stopp-System
Nicht wundern sollte man sich, wenn sich der Motor bei stehendem Fahrzeug von selbst abstellt. Vielmehr sollte man sich wundern, wenn er es nicht tut. Das Start-Stopp-System stellt den Motor automatisch ab, wenn das Fahrzeug zum Stillstand kommt und der Leerlauf eingelegt wird. Tritt man die Kupplung erneut und legt einen Gang ein, springt der Motor von selbst an. Das hilft zusätzlich Sprit sparen, der sonst unnötigerweise beim Warten vor der roten Ampel verpufft. In manchen Situationen kann es sein, dass sich der Motor nicht abstellt, vor allem dann wenn Nebenaggregate betrieben werden wollen. Ist der Motor noch nicht auf Betriebstemperatur oder hat man die Klimaautomatik aktiviert, verweigert das ISG-System seine Arbeit. Mit diesem Problem haben allerdings auch praktisch alle anderen Anbieter eines Start-Stopp-Systems zu kämpfen. Als komfortverwöhnter Mensch ist man daher bei kalten Außentemperaturen ebenso wie bei einer Hitzewelle in der Zwickmühle: angenehme Raumtemperatur oder ein kleiner Beitrag zum Klimaschutz?
Guter Fahrkomfort
Was lässt sich noch zu Motor- und Fahrwerkscharakteristik sagen? Der 90-PS-Common-Rail-Motor ist kein Sprintstar. 16,1 Sekunden vergehen zwischen Losfahren und dem Erreichen von Tempo 100. Also lädt der Venga zum geruhsamen Fahren ein, wiederum eine gute Voraussetzung für niedrige Verbrauchswerte. Die Lenkung ist präzise und ausreichend leichtgängig. Das Sechsgang-Getriebe ist gut zu schalten, einzig der Rückwärtsgang war bei unseren Testfahrten in vereinzelten Fällen etwas widerspenstig. Das Fahrwerk bietet einen guten Mix aus Komfort und guter Traktion. Durch die Höhe des Fahrzeug spürt man zwar gelegentlich leichte Wankbewegungen, dank langem Radstand und serienmäßigem Stabilitätsprogramm lässt sich der Kia Venga aber kaum aus der Ruhe bringen.
Kia Venga ab 15.990 Euro
So gilt es zum Schluss noch zu klären, wie der Kia Venga preislich einzuordnen ist. Los geht es beim 90-PS-Benziner bei 15.990 Euro. Den von uns getesteten 90-PS-Dieselmotor gibt es ab der Ausstattungsstufe Motion für 18.990 Euro. In der topausgestatteten Active-Pro-Linie kommt er auf 20.990 Euro. Ein Blick in die Preislisten der am ehesten vergleichbaren Modelle Renault Grand Modus, Citroen C3 Picasso und Nissan Note, zeigt, dass Kia seine Autos nicht mehr allein über dem Preis verkaufen will, sondern sich für das gebotene schon etwas verlangen traut. Die Vergleichsmodelle sind beim Preis betrachtet etwa auf demselben Niveau, oft aber mit deutlich weniger Serienausstattung. Eine etwas andere Konkurrenz für den Kia Venga könnte aber auch die klassisch starke Kompaktklasse sein. Viele Kunden greifen ja mittlerweile zu kleineren, sparsameren Modellen, und da kann der Venga mit seiner Flexibilität, dem Platzangebot, der Serienausstattung und dem Preis doch einiges in die Waage legen gegenüber Golf und Co.
Kia Venga: Kleiner ganz groß
Speziell für das europäische Publikum e...
Mit 4,07 Metern Länge ist der Kia Venga...
Mit 2,62 Metern Radstand übertrifft der...
DruckenSenden09.03.2010 von Thomas Weibold