Opel Insignia OPC: Im Schnee is´ schee
Wir bringen den stärksten Serien-Opel aller Zeiten an seine Grenzen: Bei einem exklusiven Wintertraining in der Eisarena Saalfelden.

Heiße Liebe: Autonet hat den himbeerroten, 325 PS starken Insignia OPC durch Eis und Schnee bugsiert. Fazit: der bärenstarke Allradler war in seinem Metier!
325 PS machen den Insignia OPC zum stärksten Serien-Opel aller Zeiten – aber ein Brutalo ist er deswegen noch lange nicht. Im Gegenteil: Unter seinen scharf geschnittenen Linien steckt ein Hightech-Paket. Ganz besonders stolz sind die Opel-Ingenieure dabei auf ihr neues 4WD-System, das sie „adaptiven Allradantrieb“ nennen. Dieses System soll mit einem relativ einfachen Aufbau extrem effizient arbeiten. Wir haben es unter die Lupe genommen.
Lamellen, Sensoren, Hydraulik.
Herzstück des Allradantriebs sind zwei elektronisch-hydraulische Lamellenkupplungen. Die erste verteilt die Kraft zwischen der Vorder- und der Hinterachse; die zweite ist für die Aufteilung zwischen den beiden Hinterrädern zuständig. Beide Kupplungen können erstaunlich hohe Kräfte übertragen, in der Praxis sind es bis zu 100 Prozent des Drehmoments. Im Extremfall kann daher die gesamte Motorleistung auf nur eines der beiden Hinterräder übertragen werden.
Der Clou des Systems besteht aber vornehmlich in der Geschwindigkeit der Regelsysteme und im effizienten Aufbau. So besitzt das Allradsystem keine eigenen Sensoren, sondern nützt vorhandene Bauteile – etwa die Sensoren des ESP, des ABS oder der Motorsteuerung. Erkennt das System nun eine kritische Situation, so werden die Kräfte in nur 80 Millisekunden auf die richtigen Räder geleitet.
Die große Flexibilität hilft auch in anderen Fällen. Bei ausgeschalteter Zündung ist die Kupplung völlig offen, man kann das Auto problemlos abschleppen. Bei gleichmäßiger Autobahnfahrt werden nur die Vorderräder angetrieben, was den Kraftstoffverbrauch senkt. Umgekehrt kann die intelligente Steuerung den Allradantrieb aktivieren, bevor der Traktionsverlust eintritt. So wird schon vor dem Anfahren dafür gesorgt, dass ein Teil der Kraft auf die Hinterachse geleitet wird.
Der Ritt durch die Eishölle.
Wie wirken sich nun all diese intelligenten Mechanismen in der Praxis aus? Autonet.at konnte den stärksten Opel aller Zeiten in der Eisarena von Saalfelden einem Härtetest unterziehen. Erster Eindruck: Das System arbeitet völlig frei von Verspannungen, was man von einem modernen Pkw-Allradantrieb allerdings erwarten darf. Zweiter Eindruck: Die Traktion ist sensationell. Selbst bei den auf der Eisarena herrschenden, eisglatten Verhältnissen beschleunigt der Insignia OPC mit Nachdruck und scheinbar mühelos. Lässt man sämtliche Fahrhilfen eingeschaltet – ESP und Traktionskontrolle –, dann genießt man auch unter diesen schwierigen Bedingungen ein hohes Maß an Sicherheit und Stabilität.
Spannender wird’s freilich, wenn man das Fangnetz einrollt und ohne fremde Hilfe ans Werk geht – denn der glatte Untergrund legt eine schlechte Abstimmung von Fahrwerk- und Antriebskomponenten schonungslos offen. Umso erstaunlicher ist es, wie präzise sich der Insignia OPC dirigieren lässt – immerhin muss er mit einem Leergewicht von deutlich über zwei Tonnen als schwerer Brocken gelten. Von Behäbigkeit fehlt aber jede Spur, selbst als Caravan fühlt sich das Auto kompakt und stets gut kontrollierbar an. Ein Highlight ist die Lenkung: Sie bleibt praktisch frei von Antriebseinflüssen, was das Fahren in Grenzsituationen nicht nur einfacher, sondern richtig lustig macht.
Solide Abstimmung und ein kleiner Trick ...
Warum sich das Auto auch auf Schnee und Eis so gut steuern lässt, ist einem kleinen Trick der Ingenieure zu verdanken. Geht man vom Gas, dann wird die Motorbremswirkung üblicherweise (auch) auf die Vorderräder übertragen. Auf einem so kritischen Untergrund wie Eis oder Schnee kann diese Bremswirkung aber schon ausreichen, damit die Achse keine Lenkkräfte mehr übertragen kann – das Fahrzeug rutscht über die Vorderräder geradeaus. Beim Insignia erkennt die Elektronik diese Ausnahmesituation und leitet die Motorbremswirkung auf die Hinterräder um. Der Effekt: Die Vorderräder können „frei lenken“, während die Hinterräder je nach Gang und Drehzahl leicht überbremsen und das Fahrzeug in die Kurve drehen – tritt man in diesem Moment aufs Gaspedal, lassen sich wunderbare Drifts realisieren, die vor allem mit dem Caravan für spektakuläre Bilder sorgen. Drückt man zudem die Sport- oder sogar die OPC-Taste im Cockpit, dann wird die Abstimmung des Allradantriebs generell hecklastiger, was am Kurvenausgang eitel Laune macht.
Das Resümee: Wintersport braucht keine Ski.
Am Insignia OPC merkt man, dass die Entwickler und Ingenieure von Opel mit viel Spaß und Engagement am Werk waren. Die Balance ist hervorragend, der Allradantrieb allein schon aufgrund der sensationellen Traktion ein echter Zugewinn für den Fahrspaß und die Sicherheit. Wer sich diesen Bonus zum kleineren Preis sichern will, bekommt den „adaptiven Allradantrieb“ übrigens auch mit anderen Motoren – ab 35.600 Euro.
Opel Insignia OPC: Härtetest auf Schnee
Blauer Himmel, weißer Schnee: Ein Tag ...
Erste Disziplin: Die Traktion des neuen...
Zweite Disziplin: Die Balance des Fahrw...
DruckenSenden25.01.2010 von Peter Schönlaub