Mächtig viel Platz bietet der Gran Turismo im Innenraum. Damit hält der dicke Bayer äußerlich auch nicht hinterm Berg. Ansonsten: Souveränes Handling mit erstaunlich kleinem Durst.

Eine Schnauze wie ein Bitbull: der 5er GT ist alles andere als ein bescheidenes Vehikel. Wer in Zeiten automobilen Downsizings mit nicht immer wohlwollenden Reaktionen auf dieses Auto leben kann, wird mit viel Komfort, Platz und souveränem Handling belohnt. Und außerdem: mit einem Testverbrauch von 8,4 Liter ist der 530d GT um einiges besser als es den Anschein macht.
Mit diesem Auto brauchen Sie gar nicht erst erwarten im Verkehr zuvorkommend behandelt zu werden. Sie wollen sich behände und flüssig im Fließverkehr einfädeln? Sie werden sehen: die Zahl derer, die versuchen, Ihnen dieses Vorhaben tunlichst zu verunmöglichen, ist keine geringe. Die schiere Größe und mächtige Ausstrahlung dieses Autotrumms aus Bayern ruft zwei verschieden Typen auf den Plan: einerseits die Neider und andererseits selbsternannte Öko-Sheriffs. Erstere kann vermutlich nur ein Psychologe zur Einsicht bringen. Zweiteren, in ihren alten, rußenden Diesel-Nußschalen sei eines vor Augen gehalten: der von uns getestete 530d GT knappte den Ressourcen lediglich 8,4 Liter auf 100 Kilometer ab - in der Stadt, ohne großartig an sich zu halten, mit 245 PS und zwei Tonnen Leergewicht. Das muss dem Dicken Bayern erst mal jemand nachmachen!
Mann ist der dick, Mann!
Wie gesagt, ansehen tut man dem Gran Turismo sein gezügeltes Trinkverhalten wahrlich nicht. Da bäumt sich schon ein ordentliches Blechmassiv vor den Augen des Betrachters auf. Die Front des fünf Meter langen und 1,90 Meter breiten Hünen flößt gehörigen Respekt ein. Wer aufgepasst hat, erkennt am Bug die Formensprache des im nächsten Jahr kommenden neuen 5er. Die Nieren sind groß wie Kaffeetische. Tyrannosaurus Rex wird keine kleineren gehabt haben. Einen detaillierten Blick verdienen die kunstvoll ausgestalteten Scheinwerfer mit Doppelcoronaringen und LED-Blinkern. Der Bereich zwischen Front und Heck besticht durch gestalterische Zurückhaltung, klare Linien und plane Flächen. Von der Seite mimt der Großmann den Eleganten. Schön gelungen auch der flüssige Übergang vom Dach über die C-Säule zur Heckklappe. Das Heck an sich nimmt die Wucht der Front wieder auf. Die Kante des Kofferaumdeckels reicht durchschnittlich Gewachsenen bis zum Solarplexus.
Klappen und Laden
Und wenn wir schon hinter dem GT stehen, wenden wir uns gleich einem besonderen Asset des bayuwarischen Mister Big zu: der doppelten Kofferraumklappe. Ähnlich, oder besser: genau wie beim Skoda Superb, kann der Deckel limousinenartig, oder kombimäßig samt Heckfenster geöffnet werden. Aber anders als beim Superb, kann das System nicht so recht überzeugen. Wird nur die kleine Klappe geöffnet, ist die Ladeluke etwas sehr mickrig geraten. Außerdem hat man, aufrecht stehend, keinen Einblick ins Innere des Gepäckraums. Das zu ladende Gut kann so auch nicht in den Kofferraum gelegt, sondern muss hinein geschoben werden. Riskiert der GT allerdings die große Klappe, offenbart sich ein überaus generöser Stauraum von bis zu 590 Litern. Werden Trennwand und Rücksitzlehnen umgelegt, stehen ganze 1.700 Liter zur Disposition. Etwas kompliziert gelöst ist der Umlegemechanismus: Die Rücksitzlehnen müssen von den hinteren Seitentüren aus geklappt werden und die Trennwand vom Kofferraum aus. Ein zentraler Hebel an einem zentralen Ort wäre da doch keine schlechte Idee gewesen.
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