Jaguar XF: Die geölte Katze
Mit satten 275 Diesel-PS stellt der komfortable Jaguar XF auch sportliche Qualitäten unter Beweis.

Diese Katze sollte man nicht reizen. 275 PS und 600 Nm Drehmoment im neuen 3-Liter-Dieselmotor können ordentlich andrücken.
Die alten Zöpfe abschneiden und sich von lieb gewordenen Traditionen verabschieden – das ist seit einigen Jahren Programm bei Jaguar. Zuerst war es die für konservative Gemüter unsägliche Vorstellung, dass Jaguar auch Dieselmotoren anbietet. Dann mussten sich dieselben Mitmenschen auch vom barocken Design eines S-Type verabschieden. Und mittlerweile sind wir soweit, dass das keinem mehr auffällt und sich kaum jemand an die „guten“ alten Zeiten zurückerinnern will. Das liegt vor allem daran, dass es Jaguar einfach besser gemacht hat – und zwar in allen Punkten.
Neuer Dieselmotor mit ordentlichem Punch
Die finale Rolle spielt dabei der neue 3-Liter-V6-Common-Rail-Diesel, der eigens für Jaguar entwickelt wurde. Zwar ist Jaguar seit geraumer Zeit in indischem Besitz, für die Selbstzünder-Entwicklung haben sie sich aber noch einmal mit den Spezialisten vom Ford-Motorenwerk in Dagenham zusammengesetzt. Dieses Mal brachten sie auch ihren Wunsch nach drei Litern Hubraum durch. Das ist aber nur ein Detail am Rande. Viel interessanter sind die Leistungsausbeute und die unglaubliche Laufruhe. Das neue V6-Aggregat ist in zwei Leistungsstufen erhältlich: mit 240 PS und als Diesel S mit 275 PS. Die von uns getestete stärkere Version stellt bei der Kraftentfaltung den alten 2,7-Liter-Motor in den Schatten. Gemeinsam mit dem fein abgestimmten Sechsgang-Automatikgetriebe wird die Kraft spontan und kraftvoll auf die Straße gebracht ohne hohen Fahrkomfort vermissen zu lassen. Der Motor wird von zwei sequentiell angeordneten Turboladern beatmet. Daher steht schon in niedrigen Drehzahlbereichen ausreichend Kraft zur Verfügung. Und maximal liegen bis zu 600 Nm an Drehmoment an. Beim Verbrauch gibt Jaguar einen Durchschnitt von 6,8 Litern pro 100 km an. Im Alltag wird man sich aber eher an der Marke knapp unter neun Litern orientieren können.
Vom genussvollen Dahingleiten bis zur Kurvenhatz
Mit dem neuen Dieselmotor ist der Jaguar XF eine hoch komfortable Reiselimousine mit ordentlichen Kraftreserven. Genussfahrer öffnen die Tür, drücken auf den Startknopf – der Schlüssel kann dabei in der Tasche bleiben – genießen das Schauspiel der herausschwenkenden Lüftungsdüsen und des sich erhebenden Jaguar Drive Selectors (sprich Drehknopf für die Automatik) und lassen sich vom ruhigen Dahingleiten in der Limousine verwöhnen. Sportlich angehauchte Naturen können sich ein wenig mit der Elektronik spielen. Die Automatik bietet einen Sportmodus, bei dem die Schaltstufen angepasst werden und die Drehzahlen mehr ausgereizt werden. Zudem können über die Schaltwippen am Lenkrad die Gänge selbst gewählt werden. Mit den Drive-Control-Tasten in der Mittelkonsole lassen sich die Fahrassistenzsysteme anpassen. Im Dynamik-Modus und mit aktivierten Trac DSC (einer speziellen Abstimmung des Stabilitätsprogramms) verwandelt sich der XF Diesel S zu einem echten Sportler. Das Stabilitätsprogramm wacht aber weiterhin im Hintergrund und wenn es eingreifen muss, dann tut es das so sanft, dass man es kaum merkt.
Üppige Serienausstattung
Trotz dieser beeindruckenden Fahrleistungen tut sich Jaguar schwer, die Stammklientel von Audi A6, BMW 5er oder Mercedes E-Klasse in den XF zu bekommen. Dabei bemühen sich die Briten redlich. Im Gegensatz zu den deutschen Premiumherstellern muss man sich bei Jaguar nicht durch seitenlange Optionenlisten quälen. Die Serienausstattung ist üppig und die Liste der Extras ist überschaubar. Schon ab dem Basismodell Luxury nimmt man auf feinen Ledersitzen Platz, die sich elektrisch verstellen lassen. Ebenso wird das Lederlenkrad elektrisch in Weite und Höhe an den Fahrer angepasst. Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Einparkhilfe, Tempomat, Audiosystem mit Sechsfach-CD-Wechsler und eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung sind ebenso serienmäßig. Aufpreis wird unter anderem verlangt für die adaptive Geschwindigkeitsregelung, die den Abstand zum Vorausfahrenden beibehält, für das DVD-Navigationssystem mit Touch Screen oder für ein beheizbares Lenkrad.
Fazit
Wer sich für eine Neuanschaffung in dieser Preisklasse interessiert – wir sprechen hier von 60.000 bis 70.000 Euro und einen Jaguar-Händler in seiner Nähe hat, sollte durchaus einmal einen Abstecher dorthin machen. Der Jaguar XF ist eine gediegene Reiselimousine mit hohem Komfort und überzeugenden Fahrleistungen sowie praktischen Details für den Alltagsgebrauch. Das Kofferraumvolumen fasst 540 Liter und reicht weit nach vorn. Die Rücksitzlehnen lassen sich geteilt umlegen. Trotz des geräumigen Ladeabteils müssen sich die Passagiere im Fond nicht beengt fühlen. Die feinen Ledersitze leisten ihren übrigen Beitrag zum hohen Komfort. In der Preisliste steht der Jaguar XF Diesel S Luxury mit 59.900 Euro. Für die Version Premium Luxury stehen 65.650 Euro zu Buche und 68.650 Euro kostet das Modell Portfolio.
Jaguar XF: Die Katze mag Diesel
Mit modernem Design und dem stärksten D...
Der Jaguar XF hat 2008 den klassisch ge...
Das 3-Liter-Aggregat wird mit einer Lei...
DruckenSenden07.10.2009 von Thomas Weibold