Peugeot RCZ: Franz aus Graz düst an
Das französische Sportcoupé aus Grazer Fertigung überzeugt bei Fahrdynamik und Preis.

Flach, breit und schön anzusehen. So emotional ist das neue Selbstverständnis der Marke Peugeot.
Flach streckt der Löwe seinen Körper am Boden, den Kopf nach vorne gerichtet, hält die Nase in den Wind und wartet auf die nächste Beute, die da an ihm vorbeiziehen will, bereit zum Sprung, die Muskeln angespannt. Wir befinden uns nicht in der afrikanischen Serengeti und das ist auch nicht der Eröffnungstext einer Universum-Dokumentation. Wie stehen vor einem unserer jüngsten Testfahrzeugen und lassen unseren Assoziationen freien Lauf. Wenn vom Löwen im Zusammenhang mit Autos die Rede ist, wird es den meisten rasch dämmern – dann kann es sich wohl nur um einen Peugeot handeln. Und was für einen, das Modell, dass wohl am ehesten das Wappentier verkörpert – der neue Peugeot RCZ.
Die emotionale Seite
Peugeot versteht es praktische Nutzfahrzeuge wie den Bipper, den Expert oder den Boxer zu bauen. Die Marke aus Frankreich kann aber auch Kleinwagen-Kunden und Familien mit nützlichen Modellen wie dem 107, 207, 308 oder 407 bedienen und Peugeot versteht es auch immer wieder die Sinne anzusprechen mit Freiluft-Klassikern wie dem 207 CC oder 308 CC. Selten zuvor haben sie es aber geschafft unsere emotionale Ebene so zu kitzeln wie mit dem RCZ (zuletzt vielleicht mit dem 406 Coupé aus der Feder von Pininfarina). Ganz ehrlich, so ein schnittiges Sportcoupé wie der RCZ hätte man den Franzosen nicht zugetraut. Gerade einmal zwei Jahre nach der Ankündigung aus einem Conceptcar ein serienreifes Fahrzeug auf die Beine zu stellen, steht nun der RCZ bei den Händlern und kann dabei auch noch die patriotische Karte ausspielen. Gebaut wird der RCZ nämlich von Magna Steyr in Graz. Da man sich hierzulande gerne mit den Porsche-Federn schmückt, nehmen wir diesen Umstand auch wohlwollend zur Kenntnis.
Sportlichkeit zum günstigen Preis
Welche Talente kann nun der Kernöl-Sportler für sich verbuchen? Der Look passt allemal, um ihn in einer Liga mit Audi TT, BMW Z4 und Nissan 370 Z mitspielen zu lassen. Einschränkend muss man hier sagen, dass sich der Peugeot RCZ in einer Leistungsklasse von 156 bis 200 PS bewegt, wo Z4 (204 bis 340 PS) und 370 Z (328 PS) deutlich darüber liegen. Dafür kann der Franzose ganz klar die Preisfrage für sich verbuchen. Der Einstiegspreis liegt bei 29.990 Euro, aufgefettet durch eine Reihe exklusiver Optionen bleibt er trotzdem unter der 40.000er-Marke. Für den genannten Basispreis bekommt man ein 2+2-sitziges Sportcoupé, das 4,29 Meter lang, 1,85 Meter breit und nur 1,36 Meter hoch ist. Das Styling spricht die sportlich-emotionale Schiene an. Ein großer Lufteinlass vorne, schmal geschnittene, nach hinten gezogenen Scheinwerfer, eine schön gewölbte Motorhaube mit spitz zusammenlaufender Nase, ein fein gezogener Dachbogen, dazu ein relativ lang gezogenes Heck und prächtig ausgestellte hintere Radläufe sind die Basiswerte des Designs. Absoluter Hingucker ist allerdings das Dach: Blech und Heckscheibe sind oberhalb der Passagiere gewölbt und vermitteln den Eindruck, dass die Silhouette des Fahrzeugs strömungsgünstig und möglichst knapp um die Passagiere herum gezimmert wurde.
Die komfortable und praktische Seite
Die doppelte Wölbung manifestiert sich natürlich auch im Innenraum sehr günstig. Selbst Personen über 1,90 Meter Körpergröße muss sich das Vergnügen Peugeot RCZ nicht verschließen. Nicht zuletzt ist das aber auch der tiefen Sitzposition geschuldet – so und nicht anders wünscht man es sich bei einem Sportcoupé. Apropos Sitze: Da der RCZ doch deutlich günstiger als die unmittelbare Konkurrenz ist, lohnt sich ein Blick in die Optionenliste. Wärmstens empfohlen sei das Vollleder-Paket Nappa Exclusive für schlappe 3500 Euro Aufpreis (exkl. MWSt. und NoVA). Hier bekommt man nicht nur die ausgezeichnet ausgeformten, elektrisch verstellbare Sitze in Nappaleder, sondern auch Sitzheizung sowie ein lederbezogenes Armaturenbrett und den oberen Teil der Türverkleidung ebenfalls in Leder ausgeführt. Das tröstet einen vielleicht darüber hinweg, dass der RCZ zwar offiziell auch zwei Sitze im Fond zu bieten hat, diese aber wegen mangelnder Kopf- und Beinfreiheit nicht wirklich für den Personentransport geeignet sind. Da nützt man sie schon lieber als zusätzliche Ablage, zumal die Rücksitzlehnen auch umgeklappt werden können. So ist das in Grundausführung mit 321 Liter schon nicht schmal bemessene Kofferraumvolumen auf stolze 639 Liter erweiterbar.
Sind 156 PS für ein Sportcoupé ausreichend und wie fährt es sich mit dem Peugeot RCZ? Antworten auf diese Fragen gibt es auf Seite 2.
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Dynamik und Vernunft
Rasant will man nun also zu zwei ins verlängerte Wochenende enteilen. Stellt sich die Frage, ob die 156 PS der Basisversion dafür auch ausreichend sind, um mit einem hohen Maß an Fahrspaß bedient zu werden? Der 1.6 THP 160 arbeitet mit Turbolader und Benzindirekteinspritzung und kann damit auf ein maximales Drehmoment von 240 Nm zwischen 1400 und 4500 U/min verweisen. Steuerlich günstiger als das eng verwandte Triebwerk mit 200 PS, kann es außerdem auf einen guten Verbrauchswert von 6,7 Litern im Schnitt aufwarten. Im Testzyklus waren es 7,9 Liter Benzin pro 100 Kilometer. Mit 8,3 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h darf man durchaus auch zufrieden sein. Dank des knackigen Sechsgang-Schaltgetriebes genießt man zusätzliches Vergnügen beim Sprintrennen.
Fahrmaschine für dynamische Zeitgenossen
Der wahre Spaß am Fahren fußt allerdings nicht im Antrieb alleine. Maßgeblich sind das Fahrverhalten und die Straßenlage. Erstens liegt der RCZ sehr tief und hat dementsprechend einen niedrigen Schwerpunkt. Zweitens ist das Fahrwerk unheimlich straff und verleitet zu sportlicher Fahrweise. Erstaunt wird man vernehmen, dass die technische Basis des Fahrwerks aus der 308 Limousine stammt. Der RCZ hat aber eine breitere Spur und entsprechend angepasste Achsen und Stoßdämpfer. Manchem mag der sportliche Franzose bei der Fahrt über Kanaldeckel etwas hart vorkommen, bei der dynamischen Kurvenfahrt weiß man diese Abstimmung aber zu schätzen. Die Lenkung ist sehr präzise, für wirklich sportliches Fahren würde man sich aber ein kleineres Lenkrad wünschen. Sollte man es übertreiben, greift das elektronische Stabilitätsprogramm forsch ein. Ein Faktor der die Fahrzeugstabilität ebenfalls unterstützt ist der ausfahrbare Heckspoiler. Ab 85 km/h fährt er in einem Winkel von 19 Grad automatisch aus, über 155 km/h stellt er sich mit 34 Grad in den Wind, unter 55 km/h geht er wieder in die Ausgangsstellung.
Gut investiert
Was bekommt man für den Einstiegspreis von 29.990 Euro? ESP, Front- und Seitenairbags sind auf der Sicherheitsseite dabei, ebenso wie das autonome Telematikmodul, das auf Knopfdruck oder bei einem Unfall automatisch einen Notruf senden kann. Zur Serienausstattung gehören des Weiteren: Einparkhilfe hinten, elektrische Fensterheber, Tempomat, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, CD-Radio, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Lederlenkrad und 18-Zoll-Alufelgen. Das schon erwähnte Vollleder-Paket Nappa Exclusive beinhaltet nicht nur die Lederausstattung, sondern auch Bi-Xenon-Scheinwerfer mit adaptivem Kurvenlicht, Einparkhilfe vorne, Reifendrucksensoren und den Regensensor. Im Telematikpaket gibt es ein Navigationssystem, eine 40-GB-Festplatte sowie einen USB-, SD-Card- und Videoanschluss.
Drucken08.11.2010 von Thomas Weibold