Nissan 370Z Roadster: Sturmwarnung!
328 PS öffnen sich dem Himmel: Wir testen, ob eines der schönsten Cabrios dieses Sommers auch eines der besten ist.

Ein 3,7-l-V6 mit 328 PS und 363 Nm Drehmoment beschleunigen den 370Z Roadster in 5,5 Sekunden auf Tempo 100. Genug Fakten? Hier die Fotos zum Roadster.
Brachialer Schub, verführerisches Design, supersportliche Benimmregeln – so fährt der Nissan 370Z seit vergangenem Jahr in unsere Herzen. Nun folgt der zweite Streich: die offene Version des Sportwagens. Um knapp 3000 Euro Aufpreis auf das Coupé, also ab 49.455 Euro, bekommt man ein Stoffverdeck, wie es sich für einen puristischen Roadster gehört. Das Öffnen und Schließen passiert in rund 20 Sekunden, in der himmlischen Position verschwindet es unter der festen Abdeckung.
Wind? Sturm!
Ein traditionelles Stoffverdeck ist für die Zwecke des Roadstern völlig ausreichend. Im geschlossenen Zustand sorgt es für eine gute Geräuschdämmung weit über erlaubte Autobahnlimits hinaus; völlige Dichtheit in der Waschanlage darf man heute sowieso voraussetzen. Vorteil des guten Stoffs: Durch die schlanke Lösung bleibt ein äußerst passables Kofferraumvolumen erhalten. 140 Liter klingen am Papier zwar wenig eindrucksvoll, dank der praxisgerechten Dimensionen lässt sich aber eine ordentlche Reisetasche ohne Verrenkungen verstauen.
Ist das Dach offen, dann profitiert der Nissan von einer wirklich ausgezeichneten Führung der Luftströme. Da man tief sitzt, wird der Fahrtwind sauber über die Köpfe nach hinten geleitet; gegen Verwirbelungen im Nacken ist zwischen den Überrollbügeln serienmäßig ein gläsernes Windschott angebracht. Dermaßen gut eingepackt lassen sich auch lange Distanzen auf der Autobahn offen zurücklegen. Oder lange Tage auf kurvenreichen Bergstrecken, was naturgemäß weit lustiger ist.
Luxus im Detail
Der vielleicht größte Fortschritt zwischen 350Z und 370Z fand unserer Meinung nach nicht an Motor, Antrieb oder Karosserie, sondern im Innenraum statt. Der 370Z beweist nun endlich auch im Detail jene Raffinesse, die man sich von einem edlen Sportwagen erwartet. Dass dieser Fortschritt im Roadster besser zur Geltung kommt, ist klar: Bei einem offenen Auto ist ein herzeigbares Interieur fast so wichtig wie der Fahrspaß selbst.
Äußerst empfehlenswert ist in dieser Hinsicht die Investition in die bessere Ausstattungsversion „Pack“. Die Mehrkosten von exakt 3457 Euro machen sich unter anderem durch Teilledersitze, ein superbes Bose-Soundsystem mit sechs Lautsprechern und zwei Subwoofern sowie klimatisierten Sitzen bemerkbar. Per Drehregler lassen sich die Sitze nicht nur beheizen, sondern auch kühlen – kein unwichtiges Detail, wenn man vorhat, ohne durchgeschwitzte Rückseite vor dem Fünfsterne-Hotel einzuchecken.
Zwischengas
Teil der Ausstattung „Pack“ ist aber auch ein weiteres Goodie, auf das man nicht verzichten will: die „Synchro Rev Control“. Damit gibt die Elektronik bei gedrückter Sporttaste automatisch Zwischengas, wann immer man in den niedrigeren Gang schaltet – wie ein professioneller Rennfahrer. Diese rauen, kurzen Gasstöße sind im verschärft gefahrenen Winkelwerk nicht nur sinnvoll, sondern auch nach dem hundertsten Mal immer wieder aufs Neue ein Gänsehaut-Garant. Allein an diesem System erkennt man schon, wie ernst Nissan den Auftrag der Sportlichkeit meint. 328 PS aus einem 3,7-l-V6, ein knackiges Sechsganggetriebe und der Heckantrieb sind perfekte Zutaten für forciertes Fahren. In nur 5,5 Sekunden erreicht der Roadster 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wurde bei 250 km/h sinnvoll begrenzt. Und weil wir schon bei den amtlichen Verlautbarungen sind: In der Praxis rechne man mit einem Verbrauch um die Zwölf-Liter-Marke.
Welche Unterschiede zwischen dem Roadster und dem Coupe warnehmbar sind, lesen Sie auf Seite 2.
Sportwagen-Purismus
Die verschärfte Sportlichkeit wird in jeder Phase spürbar. Am Berg oder auf der Rennstrecke läuft der Nissan zur Hochform auf, lässt sich präzise dirigieren und dank des Heckantriebs ganz einfach zu einem gepflegten Drift verführen. Dabei besitzt die Vorderachse eine erfreulich gute Traktion, was in schnellen Kurven durchaus geschätzt wird. Standfeste Bremsen und ein straffes Fahrwerk, das sich auch bei Lastwechseln nicht aufschaukelt, sind weitere Bausteine zur guten Laune. Erstaunlich ist auch die geringe Neigung zu Verwindungen, die jedes Auto, in höherem Maß jedoch Cabrios besitzen. Der Nissan 370Z Roadster schließt in dieser Disziplin zu den klassenbesten offenen Sportwagen, vornehmlich deutscher Herkunft auf. Konkret bedeutet das: Unterschiede zum Coupé sind kaum wahrnehmbar.
Hart, aber herrlich
Die austrainierte Athletik des 370Z Roadster spürt man freilich nicht nur auf der Rennstrecke – auch im Alltag macht sich das dynamische Potenzial bemerkbar. Der Nissan zählt also nicht zu den komfortablen, weichgespülten Flanier-Roadstern, sondern teilt seinen Passagieren in seiner eigenen Sprache mit, aus welchem Flickwerk die Straßen bestehen. Dafür ist die straffe Verbindlichkeit des Fahrwerks verantwortlich, das sich zur Direktheit im Antriebsstrang reiht. Beim Kuppeln hat man ein wenig das Gefühl, den Motor vermittels der eigenen Beinkraft vom Getriebe zu trennen. Auch ruckelt es beim Stop-and-Go immer ein wenig, das Fahren von echten Sportautos ist eben nicht nur reizvoll, sondern auch immer ein wenig gereizt.
All diese kleinen Handicaps im Alltag sind freilich weit davon entfernt, einem die Freude am 370Z Roadster zu vergällen (dann würde ja auch niemand mehr einen Ferrari oder Lamborghini fahren). Es sind einfach dezente Hinweise auf ein Potenzial, das zum Bummeln und Cruisen viel zu schade ist. Wer sich für diese Disziplinen interessiert, kann immerhin eine Ausweichsstrecke wählen – sie führt über das optionale 7-Gang-Automatikgetriebe, das mit Paddles und quicken Schaltzeiten mehr als nur ein Kompromiss ist.
Das Resümee
Der Nissan 370Z Roadster ist in vielfacher Hinsicht ein faszinierendes Auto: scharf geschnitten, knackig proportioniert und mit Leistungs- sowie Fahrwerten, die ihn auch neben einem Neunelfer Cabrio bestehen lassen. Im Vergleich zum deutschen Klassiker kostet er aber deutlich weniger als die Hälfte, auch kein übles Argument. Dabei würde schon die reine Seele eines echten Sportwagens fürs Entzünden der Leidenschaft reichen, mit einem Potenzial, das man immer gerne ausschöpft – egal ob im Sommer oder Winter. Die Unterschiede werden zunehmend ohnehin kleiner.
Drucken30.06.2010 von Peter Schönlaub