Renault Megane Grandtour: Lob der Mitte
Ausgesprochen tugendhaft präsentiert sich der Renault Megane Grandtour in seiner 130-Diesel-PS-Ausführung im autonet.at-Intensivtest: Fesch, kommod, und sparsam.

Symphatischer Kompaktkombi-Franzose mit sehr großen Praxiswerten. Eine stark zu überlegende Alternative zum Golf Variant.
Ford Focus Traveller, Golf Variant, Astra Kombi, Octavia Combi, Renault Megane Grandtour: Das sind keine Autos, die man vorführt, die an einschlägigen Stammtischen leidenschaftlich besprochen werden, die ans Herz gehen. Das sind brave Nutztiere, gebaut für die vielfältigen Fährnisse des Alltags, mittelgroß, mittelstark, mittelschön. Durchschnittsmodelle. Die man hat, weil man sie braucht. Weil man zwei Kinder hat. Oder gern Fahrrad fährt aber nicht gleich von zuhause aus. Weil man den Wein beim Weinbauern kauft. Weil man einfach ein ganz normales Leben führt und für alle Gelegenheiten gewappnet sein möchte. Und sein Geld nicht beim Fenster hinausschmeißen möchte.
Fließende Formen
„Fad!“, schreit empört die PS-Fraktion, „da kann man sich ja gleich einmauern!“ Aber hört: Wo spielt ihr denn den Leistungsüberhang all eurer funkelnden Karossen aus? Wo zeigt man seinen echten oder vermeintlichen Reichtum in Form eines teuren, viel vermögenden Fahrzeugs her? Wen interessiert das denn noch überhaupt? In dieser unteren Mittelklasse sitzt man nämlich auch gut. Der Renault Megane Grandtour ist noch dazu sehr hübsch und fließend und überhaupt nicht malermeistermäßig geformt, wobei wir nichts gegen Malermeister sagen wollen.
Kommod und effizient
In den bequemen Sitzen hält man´s viele Stunden aus, der Motor schnurrt gedämpft, und der Fahrkomfort gleicht dem einer großen Limousine. Auch hinten lümmelt man zufrieden über ausreichend Bein- und Kopfraum, und ganz hinten türmt sich erstaunlich viel Gepäck. Klar kann man in anderen Autos höhere Kurvengeschwindigkeiten erzielen, aber wer braucht das, der mit Mann und Maus verreist und seinen Mitfahrern nicht in jeder Biegung das Fürchten lehren will. Die 130 PS des dCi-Dieselmotors spenden ausreichend sämige Kraft, die man früh (und laut Schaltempfehlung) in die nächsten Gänge schiebt, um - ohne Gefühl zu bummeln – auf einen großartigen Schnitt von nur 6,2 Liter zu kommen.
Mit Sachverstand gegen Kiddy-Contest
Und sonst? Fehlt noch was zum Glück? Nichts eigentlich. In der Ausstattung "Privilege" finden sich ESP, Sitzheizung, Tempomat, 2-Zonen Klimaanlage, Bordcomputer, Einparkhilfe, Regen- und Lichtsensor, ein ausgezeichnet klingendes Radio/CD/Aux-In-Modul, das...tja... ausgezeichnet klingt, aber mit enormem Sachverstand bedient werden will. Allein die Klangverteilung vorne-hinten (weil die Bälger Kiddy-Contest hören wollen, die Eltern aber nach der zehnten Wiederholung nicht mehr so unmittelbar) verlangt unzähliges Knopferldrücken, was die Aufmerksamkeit doch ein wenig arg strapaziert. Dafür muss man sich nicht um´s Auf- und Zusperren kümmern, das macht Handsfree Entry & Drive. Und warum andere immer noch einen extra Schraubdeckel unter der Tankklappe haben, fragt man sich angesichts der praktischen Lösung beim Megane.
Fazit
Einmal eingestiegen und das ausgesprochen tugendhafte Wesen des Renault Megane Grandtour am eigenen Leib erlebt, macht ein Aussteigen nicht mehr leicht. Warum sich mit zahlreichen Unzulänglichkeiten zugunsten einer (fragwürdigen) erotischeren Wirkung im Straßenverkehr herumschlagen. Der Megane Grandtour will benutzt werden, und das macht er mit einer Unzahl an praxisorientierten Ausstattungsmerkmalen klar. Schön, dass auch die Verpackung dem Auge schmeichelt und durchszugsstarke Commonrailer zusätzlich gute Mine zum guten Spiel macht. Der Einstiegspreis für den hilfsbereiten Franzosen beginnt bei 19.970 Euro. Ein Sümmchen, das mit einem Griff in die Vollen noch erheblich hinaufgeschraubt werden kann: Unser vollausgestattete Testwagen, der Megane Grandtour dCi 130 PDF "Privilege" ist mit 28.961 Euro angeschrieben.
Drucken25.02.2010 von Andreas Hochstöger