Toyota Prius III: Lass´ sie hupen!
Eine Fahrt in der dritten Generation des Hybrid-Vorreiters Toyota Prius ist ein Wettbewerb mit sich selbst: Wie zart kann ich das Gaspedal streicheln um möglichst wenig zu verbrauchen, aber dennoch voran zu kommen. Mitunter wird man so zum Verkehrsärgernis. Empfehlung der Redaktion: Lasst sie hupen!

Der Toyota Prius III mit Solardach: die Photovoltaik übernimmt bei Sonneneinstrahlung einen Gutteil der Stromversorgung für diverse Verbraucher, wie etwa die Klimaanlage.
Eilig sollten Sie es am Steuer des Toyota Prius III nicht haben. Nicht, dass der Hybrid-Japaner die Übung des für unsere Breitengrade allemal ausreichenden beschleunigten Schritts nicht beherrschen würde. Aber: Den Prius mit Verve durchs Gasslwerk zu jagen ist in etwa genauso angebracht, wie mit Spatzen auf Kanonen zu schießen, oder umgekehrt.
Umdenkprozess
Will man die Vorzüge des Prius voll ausreizen, gilt es punkto Fahrweise einiges umzustellen. Nassforsche Tritte aufs Gaspedal sind ein für alle mal Tabu. Denken sie nicht einmal daran eine Lücken im Verkehr auszunützen oder mit Nachdruck einer grünen Phase hinterher zu jagen. Der Accelerator im Fußraum will äußerst behutsam bedient werden. Freilich, lustig im herkömmlichen Sinn ist das nicht. Der Spaß am Fahren erwächst im Prius III viel mehr aus dem ständigen Wettbewerb mit sich selbst, den Verbrauch konstant im möglichst niedrigen Bereich zu halten. Das kann, wie in unserem Fall, regelrecht zur Sucht ausarten. Jeder Zehntelliter mehr auf der Verbrauchsanzeige ist ein persönliches Waterloo.
Nicht kränken
Eine dicke Haut sollten Sie sich allerdings schon zulegen, wollen Sie den Prius mit höchster Effizienz vorantreiben. Wer nicht gleich wie von der Tarantel gebissen von der Ampel wegstartet, wer vorausschauend lange vor dem roten Licht ausrollt, wer die zulässige Höchstgeschwindigkeit nie überschreitet, wird angehupt, angeblickt, mit gestreckten Mittelfingern und anderen Unfreundlichkeiten bedacht. Schmähungen, die einem ob des hocheffizienten Vortriebs im Prius III „wurscht“ sein können: Ein Durchschnittstestverbrauch von 5,2 Litern, in der Stadt, mit Winterreifen und zahlreichen eingeschalteten Verbrauchern, spricht Bände. Und vergessen Sie nicht: Das Auto wiegt fast 1.400 Kilo und firmiert im Segment der Mittelklasse.
Mäusekino als Ehrgeizmultiplikator
Der Ehrgeiz, so effizient wie möglich unterwegs zu sein, wird von der digitalen Anzeige in der Mitte des Armaturenbretts kräftig angeheizt. Dort ist stets abzulesen, wie der Prius gerade performt: Ob er jetzt rein elektrisch unterwegs ist, wann sich der Benziner zuschaltet, ob die Batterie geladen wird, ob man sich im Sparmodus „Eco“ befindet oder im verbrauchsintensiven „Power“-Bereich.
EV-Modus
Die größten Erfolgserlebnisse erlebt der Prius-Fahrer, bewegt sich der Voll-Hybride rein elektrisch. Wird der EV-Knopf betätigt surrt der Japaner bis zu einem Tempo von 45 km/h geräusch- und emissionslos dahin. Vorausgesetzt die Batterie steht gut im Saft. Ist dem so, kann eine Distanz von bis zu 1,5 Kilometern ohne Verbrenner zurückgelegt werden. Neigt sich der Ladezustand dem Ende zu, schaltet sich der Benziner dazu.
Eco-Modus
Den Gutteil seiner Wege legt man im Prius III idealer Weise im Eco-Modus zurück. Verbrenner und E-Aggregat agieren so automatisch stets im idealen Wechselspiel und Wirkungsgrad. Zudem wird in dieser Einstellung die Leistung der Klimaanlage gedrosselt und die Motorelektronik verlangsamt. Bei Ampelstopps wird der Motor abgeschaltet. Beim Ausrollen und Bremsvorgängen wird die Batterie geladen. In Kombination mit der oben beschriebenen Fahrweise sind laut Werksangaben Verbräuche unter 4 Liter in der Stadt möglich. So sehr wir uns aber auch mühten und kasteiten, eine Drei Stand nie an erster Stelle der Verbrauchsanzeige. Unser Top-Wert lag bei 4,2 Liter.
Power-Modus
Wer es dennoch mal eiliger hat (soll ja vorkommen in unserer Hektomatik-Welt), kann den Power-Button betätigen. Dann spricht das Antriebssystem mit einer Systemleistung von 136 PS (1,8-l-Benziner mit 99 PS und 60 kw-E-Motor) spontaner an. Den Sprint von 0 auf 100 absolviert der Prius III dann in 10,4 Sekunden.
Innere Werte
Bleibt angesichts all dieser Hightech-Gimmicks Zeit, sich die Fahreigenschaften des Prius III zu vergegenwärtigen, kann der Öko-Ikone attestiert werden, sich sehr ausgeglichen auf Asphalt zu bewegen. Da gibt es an Federungskomfort, Abroll- und Lenkverhalten nichts zu bemängeln. Die Sitze sind bequem, wenngleich das Alcantara-Imitat der Sitzbezüge unseres Testers etwas billig anmutet. Leder wäre fein, gibt´s aber nur ab der Top-Ausstattung Premium als 1.700 Euro teure Option. Der Rest des Mobiliars wirkt hochwertig – trotz der harten Materialien. Besser als der etwas antiquiert wirkende Fußhebel würde eine elektronische Parkbremse in das moderne Interieur passen. Was wir auch vermissen: elektrisch anklappbare Rückspiegel.
Fazit
Wer 26.340 Euro in den Toyota Prius III investiert, darf nicht erwarten, sich damit automatisch ein reines Umweltgewissen zu erkaufen. Eine Adaption der eigenen Fahrweise gehört sehr wohl dazu, um den Verbrauch in die von Toyota beworbenen Niederungen zu bringen. Das bedarf einiger Übung. Hat man den Bogen aber raus, kann man sich der Gewissheit sicher sein, kaum in einem anderen Auto dieser Größenordnung sparsamer unterwegs zu sein.