Mercedes-Benz E 250 CDI: DÖF reloaded
"Es brummt net": Business-Benz mit neuem 4-Zylinder Diesel.

Der Klassiker unter den Taxi-Limousinen in neuer Form.
„Deutsch-Österreichisches Feingefühl“ war eine Band aus den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Den meisten Lesern wird hoffentlich Joesi Prokopetz noch ein Begriff sein, der im Lied „Taxi“ sang: „I wart auf das Brummen eines Mercedes-Diesels, aber es brummt ned.“ Damals im Zusammenhang gemeint, weil das bestellte Taxi einfach nicht kommen wollte, kann man diesen Satz auch auf die neue Mercedes E-Klasse umlegen. Aber nur, weil einfach keine Spur von einem Brummen zu hören ist, bei der neuen Vierzylinder-Dieselgeneration im Stuttgarter Oberklassemodell. Moment, Vierzylinder? In eine E-Klasse gehört doch ein sonorer V6? Au contraire, das ist schon richtig so. Bei der neuen Motorengeneration haben die Techniker – verkürzt gesagt – zwei Zylinder weg gestrichen, dafür die Leistung um 25 Prozent erhöht und den Verbrauch um fast den selben Anteil gedrosselt. Und da kommt auch wieder das deutsch-österreichische Feingefühl ins Spiel. Der verantwortliche Motorenchef bei Mercedes-Benz heißt Leopold Mikulic und ist Österreicher.
Vier-Augen-Gesicht in neuer Form
Als beliebte Taxi-Limousine kennt die E-Klasse jeder. Und wenn man schon nicht selbst am Steuer gesessen ist, so hat man wenigstens Eindrücke vom komfortablen Innenraum sammeln können. Seit 1995 trägt die E-Klasse das viel diskutierte Vier-Augen-Gesicht. Das hat sie sich auch in der aktuellen Form bewahrt. Statt runden Scheinwerfern gibt es aber nun eckige. Die klassischen Limousinen-Proportionen wurden beibehalten. Markante LED-Tagfahrlichter und eine straff gezogene Linie am Heckkotflügel unterstreichen den kraftvollen Charakter der Limousine.
Eleganter Innenraum
Im Innenraum geht es – wie wäre es anders zu erwarten gewesen – gediegen zu. Das Interieur präsentiert sich nüchtern ohne dem Anspruch, die Passagiere mit Opulenz erschlagen zu müssen. Die verwendeten Materialien sind fein verarbeitet und wirken edel, obwohl es sich großteils um Kunststoffe handelt. Statt Holzeinlagen rät der Modeberater zu gebürstetem Aluminium im Armaturenbrett. Keinesfalls überladen wirkt die Instrumentenlandschaft. Alle Bedienelemente sind leicht erreichbar. Mercedes behält auch sein Alleinstellung mit dem einen Wählstockhebel für Blinker und Scheibenwischer hinter dem Lenkrad bei.
Hort der Stille
Beim Kapitel Reisekomfort muss sich Mercedes-Benz ebenfalls keine Kritik anhören. Auf keinem der fünf Sitzplätze wird man sich beengt fühlen oder eine verkrampfte Sitzposition einnehmen müssen. Damit eine längere Autofahrt entspannt abläuft, leistet das Direct-Control-Fahrwerk gute Dienste. Es ist durchaus straffer als in der Vorgängergeneration. Trotzdem scheint man über die Straße zu schweben. Der eingangs erwähnte Vierzylinder-Common-Rail-Dieselmotor tut sein übriges, indem er sich von der ausgesprochen leisen Seite zeigt. Das niedrige Geräuschniveau ist selbst in dieser Klasse herausragend.
Welche feinen Technik-Features die neue E-Klasse zu bieten hat und wie viel Geld man sich auf die Seite legen sollte, erfahren Sie auf Seite Zwei.
Leise muss aber auf keinen Fall schwachbrüstig heißen. Die Techniker haben wieder eine Meisterleistung vollbracht, indem sie dem 2,2-Liter-Aggregat eine satte Leistung von 204 PS herauslocken konnten. Denselben Motor gibt es auch in zwei schwächeren PS-Stufen mit 136 und 170 PS. Alle drei tragen das Blue Efficiency-Label, das für niedrige Verbrauchwerte steht. Der kombinierte Durchschnittsverbrauch liegt bei 5,3 Litern Diesel pro 100 Kilometer. In der von uns getesteten Variante rückte die feine Fünfgang-Automatik diesen Wert zwar in weite Ferne. Mit knapp über sechs Litern bzw. bei hohem Autobahnanteil maximal 7,5 Litern pro 100 Kilometer ist die E-Klasse sicher kein Schluckspecht. Zu den guten Verbrauchwerten tragen die strömungsgünstige Karosserieform, Reifen mit reduziertem Rollwiderstand sowie eine energiesparende Regelung von Generator, Kraftstoffpumpe und Klimakompressor bei.
Eine Reihe von Assistenten unterstützt den Fahrer
Mercedes wäre nicht Mercedes, wenn die E-Klasse nicht eine Reihe von interessanten Technik-Features zu bieten hätte. Der Attention Assist ist serienmäßig an Bord. Sensoren überwachen dabei verschiedene Dinge, vor allem das Lenkverhalten. Gibt es Anzeichen, dass der Fahrer ermüdet ist, ermuntert eine angezeigte Kaffeetasse im Display dazu, eine Pause einzulegen. Ausgeschlafene Bürschchen wie wir sind, können wir ihnen Gott sei Dank nicht sagen, wie zuverlässig das System ist. Genauere Aussagen können wir dagegen zum Totwinkel-Assistenten und zum Spurhalte-Assistenten treffen. Bei Systeme arbeiten zuverlässig. Ab 30 km/h werden Fahrzeuge, die sich im seitlich eingeschränkten Sichtfeld befinden, erkannt. Ein rotes Dreieck im Außenspiegel weißt den Fahrer darauf hin. Will dieser trotzdem die Fahrspur wechseln und blinkt, ertönt ein Warnsignal. Sanft agiert der Spurhalte-Assitent. Wird die Fahrspur ohne zu blinken verlassen, vibriert das Lenkrad. Zu empfehlen ist auch der Fernlicht-Assistent. Er blendet automatisch auf oder ab, ohne den Gegenverkehr oder Vorausfahrende zu stören. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Sicherheitssysteme wie einen Abstandsregel-Tempomat mit automatischer Vollbremsung, einen Geschwindigkeitslimit-Assistenten oder die Nachtsichtfunktion, die bereits aus der S-Klasse bekannt ist.
Feine Serienausstattung und eine Vielzahl an Optionen
Zum Grundpreis von 48.560,88 Euro hat der Mercedes-Benz E 250 CDI Blue Efficiency eine umfangreiche Serienausstattung zu bieten, unter anderem sieben Airbags, Pre Safe-Insassenschutz, Attention Assist, eine aktive Motorhaube, die sich bei einem Fußgängerunfall automatisch anhebt, ESP, Direct Control-Fahrwerk mit adaptiver Stoßdämpferregelung, Klimaautomatik, Multifunktions-Lederlenkrad, Tempomat, etc. Die weiteren Ausstattungslinien Avantgarde, Elegance und Sport-Paket AMG sowie eine umfangreiche Optionenliste lassen Raum zur Individualisierung. So wird dann wohl so mancher wieder ganz gern auf ein Taxi mit dem Stern auf der Kühlerhaube warten wollen.
Drucken12.08.2009 von Thomas Weibold