Überschaubares Angebot an Kleinwagenkombis
Kleinwagen und Kombi klingt so wie kleiner Frisiersalon als multinationaler Konzern. Das passt irgendwie nicht und doch schaffen es einige wenige Hersteller ein schönes Fahrzeug in dieses Segment zu pflanzen, das ausgesprochen vernünftig und preisgünstig ist. Klassische Kleinwagenkombis werden aktuell nur von Peugeot (207 SW), Skoda (Fabia Combi) und Renault (Clio Grandtour) angeboten. Das macht dem interessierten Kunden die Auswahl und den Vergleich leichter.
Verlängerte Version des Renault Clio
In diesem Test beschäftigen wir uns mit dem Renault Clio Grandtour. Von vorne betrachtet kommt die Verwandtschaft zum Drei- und Fünftürer deutlich heraus. In Höhe und Breite unterscheidet sich der Kombi nicht von seinen Schwestermodellen. Nur in der Länge klarerweise schon. Der hintere Überhang wuchs um mehr als 21 Zentimeter. Das bedeutet aber nicht, dass der Clio einfach nur einen Rucksack umgehängt bekommen hat. Die Designer haben eine schöne Linie gefunden, die ins Gesamtbild passt und die Praxistauglichkeit nicht einschränkt.
Kofferraum reicht für einen kleinen Wohungsumzug
Die wichtigste Frage: Wie viel passt rein? Schnell und knackig beantwortet: 439 Liter hinter den Sitzen und 1277 Liter bei dachhoher Beladung. Das ist deutlich mehr als ein fünftüriger Mégane. Im knapp ein Meter breiten Kofferraum findet also der Großeinkauf spielend Platz. Zur Raumerweiterung können die Rücksitzlehnen umgelegt werden, dann hat man eine leichte Schräge. Mit aufgestellten Sitzflächen wird der Laderaum eben. Zusätzlicher Stauraum befindet sich unter dem Kofferraumboden. Dort findet auch praktisch die Laderaumabdeckung Platz. Und mit diesem Kofferraumvolumen lässt sich auch ein kleiner Wohnungsumzug über die Bühne bringen.
Günstiges Navigationssystem auf Wunsch
Das Platzangebot für die Passagiere ist passabel. Durch die aufrechte Sitzposition fühlt man sich auch hinten nicht all zu beengt. Auf längeren Strecken leidet der Reisekomfort etwas durch die Sitze. Vorne könnte die Schenkelauflage etwas länger sein und die Polsterung ist auch noch nicht auf deutschem Niveau. Übersichtlich und aufgeräumt präsentiert sich das Armaturenbrett. Die Stümmelchen hinter dem Lenkrad für Blinker und Scheibenwischer sind besser zu bedienen als in früheren Renault-Modellen. Als interessante Option stellt sich das Carminat TomTom-Navigationssystem dar. Erstmals integriert ein Hersteller in vollem Umfang das Navisystem einer Zubehörfirma. Die Kunden dürfen sich über eine günstige Variante (491 Euro Aufpreis) ohne Kabelsalat und störender Saugnapf-Verankerung freuen. Das System hat eine einfache Bedienführung mittels Fernbedienung, 3D-Kartendarstellung, Alternativroutenberechnung bei Verkehrsstörungen und einen Warner vor Radarboxen zu bieten.
Wie der Renault Clio bei Motorisierung und Ausstattung zu überzeugen weiß, erfahren Sie auf Seite Zwei.
Die zur Wahl stehenden Motoren sind auf der Vernunftseite angesiedelt. Für die individuellen Ansprüche ist sicher das Passende dabei. Eine extreme Sportvariante für den Kleinwagenkombi – wieder so ein Widerspruch – sucht man vergeblich. Dafür gönnen sich die vier Benzin- und drei Dieselmotorisierungen (68 bis 110 PS) im Schnitt nur 4,4 bis 7,5 Liter pro 100 Kilometer. In unserem Fall stand das stärkste Common-Rail-Aggregat (103 PS) zur Verfügung. Ausgezeichnet mit dem Renaulteigenen „eco2“-Label steht es für Nachhaltigkeit in der Produktion und im Betrieb. Und so waren wir erfreut vom Durchschnittsverbrauch, der je nach Fahrweise zwischen 4,5 und 6,5 Litern Diesel auf 100 Kilometer gelegen ist (Dieselpartikelfilter serienmäßig). Mit der spürbaren Anfahrschwäche hatten wir nur zu Beginn zu kämpfen. Auf der Autobahn erwies sich der Clio Grantour als flotter Renner mit überzeugend niedrigem Lärmpegel und ausreichend Durchzugskraft. Gut steht ihm dabei auch die manuelle Sechsgangschaltung.
In der Stadt sehr wendig
Dank der kompakten Abmessungen erweist sich der Clio Grandtour als sehr wendig. In der Stadt ist man für die leichtgängige elektrische Lenkung dankbar. Bei höherem Tempo würde man sich allerdings eine etwas präzisere Version wünschen. Kaum Beschwerden gibt es über das Fahrwerk. Typisch französisch, ist es auf Komfort ausgelegt. Gröbere Unebenheiten der Straße werden stark abgefedert. Eine leichte Untersteuerungstendenz ist bei diesem Konzept zu erwarten. Den Willen zur fahrerischen Übertreibung weiß das ESP abzufangen. Das gibt es allerdings nur in der höchsten Ausstattungsvariante Exception serienmäßig (sonst kostet es 378 Euro Aufpreis).
Klimaanlage und CD-Radio ab Basis serienmäßig
Damit wären wir auch schon bei der Ausstattung. Renault bietet drei Levels an: Expression, Dynamique und Exception. Ab der Basis sind Front- und Seitenairbags, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrische Fensterheber vorn, manuelle Klimaanlage, CD-Radio und die Dachreling serienmäßig. In der zweiten Ausstattungsstufe lassen sich die Fenster hinten ebenfalls elektrisch bedienen, das Klima wird elektronisch reguliert, Scheibenwischer und Licht arbeiten mit einem Sensor und die Geschwindigkeit lässt sich per Tempomat festlegen. Im Topmodell Exception kommen 16-Zoll-Alufelgen, höhenverstellbare Vordersitze, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Scheinwerfer mit integriertem Abbiegelicht hinzu.
Einstiegspreis liegt bei 14.890 Euro
Abschließend bleibt die Frage: Was kostet das alles? Das von uns getestete Topmodell mit zusätzlich Citypaket (einklappbare Außenspiegel und Einparkhilfe hinten), abgedunkelten Scheiben, Carminat TomTom-Navigationssystem und Metalliclackierung kommt auf stolze 22.601 Euro. Der Einstiegspreis für die 75-PS-Benzinversion liegt allerdings bei 14.890 Euro. Im 68-PS-Dieselmodell ist man ab 16.790 Euro unterwegs.
