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Fresh Lime Metallic heißt die prominente Farbe und die gibt es exklusiv für den Honda Jazz Hybrid.
 
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Honda Jazz Hybrid: Retten wir die Welt?

Man kann den Honda Jazz Hybrid wegen seines Antriebs kaufen, oder einfach weil er praktisch ist.

14.07.2011 | 00:00 | (autonet)

Kommt man in den Himmel, wenn man jeden Sonntag brav in die Kirche geht? Gibt es irgendwo da draußen noch intelligentes Leben? Kann man die Welt vorm Untergang retten, wenn man sich ein Hybridfahrzeug kauft? Drei Fragen, die hoch interessant sind und über die man lange diskutieren kann. Wollen wir hier aber nicht, maximal tangieren wir Frage Drei. Wir steigen in den Honda Jazz Hybrid ein und wollen ergründen, wie es sich mit dem aktuell günstigsten Hybridfahrzeug am Markt lebt.

Benziner mit Hilfsmotor
Man kann der allgemeinen Diskussion folgen und pragmatisch das technische Konzept erörtern. Der Jazz Hybrid setzt auf dieselbe Technik wie vor ihm schon der Civic IMA, der Insight und abgesehen vom Getriebe der CR-Z von Honda. Vereinfacht gesprochen: ein leistungsmäßig knapp dimensionierter, konventioneller Benzinmotor wird in seinem Tun und Werken, sofern erforderlich, von einem Elektromotor unterstützt, der zwischen Motor und Getriebe sitzt. Mehr Kraft benötigt man etwa beim Beschleunigen. Bei gleichmäßiger Fahrt mit höherer Geschwindigkeit arbeitet nur der Verbrennungsmotor. Nimmt man den Fuß vom Gas, im Schiebebetrieb und beim Bremsen wird der Energiefluss quasi umgedreht. Der Elektromotor dient als Generator und lädt die Nickel-Metallhydrid-Akkus, die sich im Kofferraumboden befinden. Auf kurze Strecken kann der Jazz Hybrid sogar rein elektrisch betrieben werden. Unterm Strich steht ein deutlicher Verbrauchsvorteil. Mit 4,5 Litern Benzin pro 100 Kilometer braucht die Hybridversion um 0,8 Liter weniger als der schwächere Jazz 1.2 mit 90 PS.

Ein Hauch am Gaspedal
In der Realität werden diese Aussagen aber zurechtgerückt. Der Jazz Hybrid kann rein elektrisch fahren, wie das Info-Display anzeigt, aber maximal rund zwei Kilometer. Der Elektromotor leistet 14 PS. Daher wird wohl niemand erwarten, dass dieser die 1234 Kilogramm Leergewicht des Jazz flott und weit bewegen kann. Ist man auf Geschwindigkeit und erlaubt sich das System in den E-Modus zu wechseln, kann man auf eine gewisse Strecke elektrisch mitsegeln. Sobald aber auch nur ein Hauch das Gaspedal streift, wechselt der Antrieb wieder in die Mischform oder in den reinen Benzinantrieb. Wobei der Wechsel fast ruckfrei von Statten geht – eine konventionelle Automatik gönnt sich mehr Unterbrechung. Der Verbrauch ist im Alltag auch fern der 4,5-Liter-Marke.

Sparpotenzial ist da
Im besten Fall waren es 4,9 Liter, bei einer längeren Fahrt auf der Autobahn kratzten wir an der Sechs-Liter-Marke, über den gesamten Testzeitraum waren es aber 5,3 Liter. Das entspricht den Werksangaben des 90-PS-Jazz oder jenen eines VW Polo mit 105-PS-Turbobenziner. Der schwächere 85-PS-Polo gönnt sich sogar 5,9 Liter im Normzyklus. Also genießt man mit dem Jazz Hybrid durchaus einen Verbrauchsvorteil, zumal vor allem in der Stadt die Anzeige nie mehr als 5,5 Liter anzeigen wollte. Auf der Autobahn dagegen hört sich der Spaß auf. Die 98 PS Systemleistung von Benzin- und Elektromotor mühen sich spürbar ab. Mit dem stufenlosen CVT-Getriebe ist man in drehmomentschwachen höheren Regionen unterwegs und wird von einem Motorgeräusch begleitet, das ungefähr so angenehm ist, wie ein Zahnarztbohrer. Das Ideal-Terrain für den Honda Jazz Hybrid sind also folglich mittellange Strecken zum Beispiel aus dem Umlandgemeinden mit gewissen Freilandstraßen-Anteilen in größere Städte. Da kann er seine technischen Vorteile gekonnt ausspielen.
Es geht aber auch praktisch
Das ganze technische Brimborium des Hybridantriebes inklusive aussagekräftigen Anzeigen im Info-Display, aufwendiger Einfärbung der Armaturen von Grün (= vorbildlich sparsame Fahrweise) bis Blau (= verbesserungswürdig) und der seltsamen Belohnung durch blühende Pflanzenanimationen kann einem aber auch herzlich egal sein. Mit den Verbrauchsdaten sind die Vorzüge des Jazz Hybrid nämlich noch lange nicht abgehakt. Waren seine Vorgänger konzeptbedingt durch das Batteriepaket oder die Karosserieform in ihrer Praktikabilität deutlich eingeschränkt, ist der Jazz Hybrid ein vollwertig nutzbares Fahrzeug im Kleinwagensegment, optisch ansprechend und wie erwähnt günstig in der Anschaffung.

Großer Raum auf kleiner Fläche
Schon der konventionell angetriebene Honda Jazz ist ein weitläufig unterschätztes ausgesprochen praktisches Fahrzeug. Bei der Hybridversion haben es die Techniker geschafft, diese Vorteile fast uneingeschränkt zu übernehmen. Durch den Alternativantrieb steigt das Gewicht um knapp über 100 Kilogramm. Beim Platzangebot gibt es nur marginale Einschränkungen. Wegen der Akkus fällt das Unterfach im Kofferraum flach und so liegt das Laderaumvolumen mit 303 Litern um rund 70 Liter unter dem der reinen Benziner. Durch simples Umlegen der Rücksitzlehnen steigt der Stauraum auf beachtliche 1320 Liter. Die geteilte Rücksitzbank hat aber noch einen besonderen Trick vorzuweisen, Honda nennt das Magic-Sitz. Die Sitzfläche lässt sich zur Rückenlehne hin hochklappen. So entsteht vor dem Kofferraum ein zusätzliches Ladeabteil. Die starre Rückenlehne hat damit eine Funktion zur Ladungssicherung. Man kann verschiedene kleinere Ladungsteile transportieren ohne dass diese gröber herumrutschen können.

Angenehme Sitzposition
Bei gerade einmal 3,90 Meter Länge und einem Radstand von 2,50 Meter bietet der Honda Jazz Hybrid ein großzügiges Platzangebot. Im Fünftürer sitzt es sich auch im Fond sehr angenehm. Obwohl es durch das großflächige Armaturenbrett vorne etwas beengt aussieht, muss man dank der aufrechten Sitzposition keine Platzangst fürchten. Außerdem hat man eine gute Rundumsicht. Die Sitze sind komfortabel, in der Topversion Exclusive sogar serienmäßig in Leder ausgeführt und beheizbar.

Umfassende Serienausstattung
Die Ausstattung insgesamt kann sich sehen lassen. Honda bietet den Jazz Hybrid in drei Ausstattungslevels an: Comfort, Elegance und Exclusive. Die Sicherheitsausstattung ist ab der Basis komplett mit Stabilitätsprogramm, sechs Airbags, aktiven Kopfstützen vorne und Alarmanlage. Einzig Nebelscheinwerfer gibt es erst ab Elegance. Elektrische Fensterheber, Klimaautomatik, CD-Radio und abgedunkelte Scheiben hinten sind ebenfalls teil der Comfort-Ausstattung. Ab Elegance gibt es zusätzlich USB-Anschluss, elektrisch anklappbare Außenspiegel, Multifunktions-Lederlenkrad, Panorama-Glasdach, Tempomat, Licht- und Regensensor und 15-Zoll-Leichtmetallfelgen. In der Exclusive-Version kommen noch Bluetooth-Freisprecheinrichtung und beheizte Ledersitze hinzu.

Gründe zum Kaufen
Man kann den Honda Jazz Hybrid kaufen, weil man über den Hybridantrieb ein Zeichen für den Umweltschutz setzen will, man kann ihn kaufen, weil er ein ausgesprochen praktischer Kleinwagen ist oder weil man ein kühler Rechner ist. Mit deutliche weniger Ausstattung und Leistung gibt es den Honda Jazz 1.2 S (90 PS) zwar bereits ab 13.300 Euro, ausstattungsgemäß eher vergleichbar ist aber der 100-PS-Benziner in Comfort-Ausführung. Den gibt es ab 17.600 Euro. Mit dem CVT-Getriebe kommt er auf exakt 19.000 Euro. Der günstigste Jazz Hybrid liegt sogar hauchdünn darunter, bei 18.990 Euro. In Elegance-Ausführung kommt er auf 20.990 Euro. Das von uns getestete Exclusive-Modell steht mit 22.650 Euro in der Preisliste.

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