Normalerweise schmückt sich Mercedes wann immer möglich mit dem Stern. Doch wer in der neuen C-Klasse künftig das Command-System startet, der kann auf dem großen Bildschirm im Cockpit womöglich bald auch einen Apfel sehen. Denn als einer der ersten Autohersteller haben sich die Schwaben für die neue Apple-Software „CarPlay" gerüstet und holen damit das Betriebssystem iOS ins Auto. Nachdem man bislang mit verschiedenen Apps, Kits und Kabelsätzen nur einzelne Funktionen des iPhones am Steuer nutzen konnte, verleiht Mercedes dem Kult-Handy nun tatsächlich Räder und räumt ihm einen prominenten Platz in seinem Infotainment-System ein: Alle Icons, die gesamte Menüführung und die wichtigsten Apps lassen sich dann im gewohnten Stil steuern.
Neues iOS 7
Möglich macht das ein neues Software-Release für das Betriebssystem iOS 7, das jetzt auf den Apple-Servern zum Download freigeschaltet wird. Sein wichtigstes Merkmal ist nämliches „CarPlay"-Modul, das dem iPhone im Auto Tür und Tor öffnet - allerdings nur, wenn auch der Fahrzeughersteller mitspielt und seine Modelle entsprechend vorbereitet hat. Einfach die Update herunterzuladen und das Telefon anzustöpseln wird deshalb nicht reichen.
Gut ein halbes Jahr nach der überraschenden Appel-Ankündigung von „iOS in the Car" und der Migration des iPhones ins Auto sind bislang noch nicht viele Heersteller im Boot: Nach aktuellem Kenntnisstand machen bis dato nur Volvo, Ferrari und eben Mercedes mit. Und nur von Mercedes gibt es schon eine halbwegs konkrete Aussage zum künftigen Angebot. Danach wird es die Zusatzsoftware für das Comman-System für „wenige hundert Euro" zunächst in der neuen C-Klasse und dann im Lauf des Jahres in möglichst vielen anderen Modellen geben. In Frage kommen dafür allerdings nur die Baureihen mit dem aktuellsten Command-Stand, also vor allem die Kompaktmodelle A- und B-Klasse, GLA und CLA sowie die neue S-Klasse. Und ob man die Funktion auch in bereits verkauften Fahrzeugen nachrüsten kann, ist noch nicht klar.Ohne Touchscreen
Außerdem müssen sich Apple-Fans bei aller Integrationstiefe wohl auf ein paar Einschränkungen einstellen: Weil sich Youtube genau sowenig mit der Verkehrssicherheit verträgt wie Angry Birds oder ein Blitzer-Warner, werden wohl nicht alle Apps im Auto laufen - zumindest nicht während der Fahrt. Und auch mit CarPlay wird der Mercedes-Monitor nicht zum Touchscreen und man muss weiter zum Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole greifen. Auch das ist ein Grund, weshalb die Schwaben das geniale Touchpad entwickelt haben und jetzt schnell über viele Baureihen ausrollen wollen.
Konkurrenz schläft nicht
Zwar ist Apple und Mercedes mit der CarPlay-Premiere zum Genfer Salon ein netter Coup gelungen. Doch die Kultmarke aus Kalifornien ist mit ihrem Vorstoß freilich nicht alleine. Schon vor ein paar Wochen hat Konkurrent Google ebenfalls eine Allianz geformt, die das Betriebssystem Android ins Auto bringen will. Partner ist dort neben Firmen wie Audi, GM oder Hyundai ebenfalls Mercedes. Denn die Schwaben wollen sich partout nicht auf ein Betriebssystem festlegen, sondern möglichst alle Handys im Auto integrieren können.
Die Annäherung von Autoherstellern und Elektronik-Riesen war keineswegs einfach und das Werben dauert jetzt schon viele Jahre. Doch ihre anfänglichen Wiederstände haben beide Seiten mittlerweile aufgegeben. Apple nimmt die Autobauer ernst und hält sie nicht für Giganten von Gestern, und die Fahrzeughersteller öffnen den fremden Programmieren ihre sonst so hermetisch abgeschirmte Schaltkreise. Denn wohl oder übel haben beide Seiten erkannt, dass sie nur gemeinsam weiterkommen. Nicht umsonst meldet Mercedes zur Car-Play-Premiere. „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört."






