Drei Viertel der getesteten Winterreifen sind sehr gut und gut. Drei Billigprodukte aus China fallen durch.
Gerade noch die vielleicht letzten warmen und sonnigen Tage in diesem Jahr genossen, will man noch gar nicht daran denken, dass sich in Bälde wieder die kalte Jahreszeit ankündigt. Die gefüllten Lebkuchen-Regale in den Supermärkten sind aber wohl ein untrügliches Zeichen dafür. Und alle Jahre wieder wird sich dasselbe Spiel wiederholen. Die ersten Schneeflocken überraschen uns morgens vor dem zeitlich knapp kalkulierten Weg von zu Hause zur Arbeit und das Chaos ist perfekt. Bei den Reifenhändlern spielen sich kleine Dramen ab, weil es keine freien Termine für den anstehenden Wechsel auf Winterreifen gibt. Abhilfe lässt sich schaffen, wenn man sich schon früh Gedanken über den Reifenwechsel macht. Gesetzestreu um den 1. November herum die Winterreifen aufzuziehen kann vielleicht schon zu spät sein. Wie alle Jahre bietet rechtzeitig vor der Wintersaison der Automobilklub ÖAMTC eine kleine Entscheidungshilfe mit dem Winterreifentest.
Erfreuliche Ergebnisse, Vorsicht bei Billigprodukten
Im heurigen Jahr wurden insgesamt 28 Reifen in zwei unterschiedlichen Dimensionen (185/65 R15 T und 225/45 R17 H) auf ihre speziellen Eigenschaften bei Schnee, Eis, Nässe und trockener Fahrbahn getestet. Das zunächst erfreuliche Ergebnis: sechs Reifen erhielten die Note „sehr empfehlenswert“ und weiter 16 Fabrikate wurden mit „empfehlenswert“ eingestuft. Drei Modelle gingen mit der Beurteilung „bedingt empfehlenswert“ aus dem Test hervor und für drei Reifen sprachen die Reifenexperten das vernichtende Urteil „nicht empfehlenswert“ aus. Drei Viertel aller getesteten Modelle sind als sehr gut bis gut. Durchgefallen sind drei Billig-Fabrikate aus China. Das alarmierende Fazit bei diesen lautet: „Sie sind durch dramatische Schwächen bei Nässe als gefährlich einzustufen.“
Die Ergebnisse im Detail
In den beiden getesteten Dimensionen gibt es jeweils drei Reifen mit dem Prädikat „sehr empfehlenswert“.
Bei den 185ern sind es:
- Dunlop SP Winter Sport 3D MO
- Goodyear UltraGrip 7+
- Esa-Tecar Super Grip 7.
In der Dimension 225/45 R17 H:
- Michelin Alpin A4
- Continental ContiWinterContact TS830P
- Dunlop SP Winter Sport 3D
Neben dem Continental ContiWinterContact TS830, der sehr gute Eigenschaften auf Schnee, Nässe und beim Verschleiß hat, aber wegen leichter Schwächen auf trockener Straße nur ein „empfehlenswert“ bekommen hat, teilen sich in der Dimension 185/65 R15 T sieben weitere Fabrikate diese Beurteilung. Durchgefallen ist hier der chinesische Billigreifen Star Performer Winter. Der Hersteller reagiert aber auf das Testurteil und verspricht durch eine Verbesserung der Laufflächenmischung entsprechend bessere Ergebnisse vor allem bei nasser Fahrbahn. In der größeren Dimension bekamen neben den drei Siegern sieben Fabrikate das Prädikat „empfehlenswert“. Die beiden nicht empfehlenswerten Reifen kommen ebenfalls aus China und heißen Interstate Winter IWT-2 und Westlake SW 601.
Tipps zur richtigen Reifenwahl
Im Reigen der Testkandidaten finden sich im heurigen Jahr auch zwei Ganzjahresreifen. Diese stellen immer einen Kompromiss zwischen Sommer- und Winterreifen dar und sollten zumindest mittelmäßige Wintereigenschaften haben. Im Vergleich zu Sommerreifen schneiden sie aber meist auf nasser oder trockener Straße schlechter ab. Entsprechend kommen der Goodyear Vector 4Seasons beim aktuellen Winterreifentest auf ein „empfehlenswert“ und der Vredestein Quatrac 3 auf ein „bedingt empfehlenswert“. Eine oft gestellte Frage bezieht sich auch auf die Wahl zwischen breiteren oder schmäleren Reifen. Vorgaben zur passenden Dimension von Winterreifen ergeben sich aus dem Typenschein des Fahrzeuges. Dort ist ausgeführt, welche Dimensionen verwendet werden dürfen. Ein klares Kriterium sind auch Schneeketten. Sind die Reifen zu groß dimensioniert, sodass sich keine Schneeketten mehr anlegen lassen, muss man das Auto bei Kettenpflicht stehen lassen. Breitere Reifen bieten meist auf hartem Schnee, trockener Fahrbahn und auch bei Nässe Vorteile. Schmälere Reifen sind dafür oft auf frisch gefallenem Schnee oder Schneematsch besser.
Gesetzliche Vorgaben
Seit dem Jahr 2008 gibt es in Österreich eine so genannte Winterausrüstungspflicht. Diese bezieht sich auf den Betrieb von Fahrzeugen bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen. Abhängig von der Witterung ist man daher im Zeitraum vom 1. November bis 15. April verpflichtet an allen Rädern Winterreifen zu verwenden. Darin enthalten ist auch die Möglichkeit bei durchgehender Schneefahrbahn Sommerreifen mit Schneeketten an den Antriebsrädern zu verwenden. Was nun echte Winterreifen sind, ist dagegen schon schwieriger festzustellen. Der Gesetzgeber anerkennt solche Reifen mit der Kennzeichnung „M+S“, „M.S.“ oder „M&S“. Eine ausreichende Definition, welche Eigenschaften die so gekennzeichneten Reifen aufweisen müssen, fehlt allerdings. Zusätzlich gibt es noch das auf amerikanischen Testverfahren beruhende „Schneeflocken-Symbol“ als Kennzeichnung für Winterreifen.
Strafen bis zu 5000 Euro
Unumstößlich ist dagegen die vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von vier Millimetern für Winterreifen. Wird diese unterschritten, gelten die Winterreifen als Sommerreifen und man würde sich im Zeitraum der Winterausrüstungspflicht beim Betrieb des Fahrzeuges strafbar machen. Die Strafen für einen Verstoß gegen die gesetzliche Regelung liegen in Form einer Organmandatsstrafe bei 35 Euro. Wer allerdings mit einem falsch ausgerüsteten Fahrzeug auf einer Schneefahrbahn hängen bleibt und ein Verkehrschaos verursacht muss mit Strafen in der Höhe von bis zu 5000 Euro rechnen. Der frühzeitige Wechsel auf Winterreifen – schon bei niedrigen Plusgraden – ist daher anzuraten. So erspart man sich Unannehmlichkeiten und böse Überraschungen.