Rekordjahr 2010: Tops, Flops & Trends
Das erfolgreichste österreichische Autojahr aller Zeiten in der Autonet-Analyse: Alles über Gewinner, Verlierer und die neue Lust am Sparen.

Seit 33 Jahren die unangefochten Nummer Eins auf dem österreichischen Automarkt. Der VW Golf verbuchte 20.475 Neuzulassungen im Jahr 2010.
Schaut man auf die gerade veröffentlichten Zahlen, könnten sich die Autoverkäufer eigentlich die Hände reiben und die Importeure auf glänzende Bilanzen blicken: Exakt 328.563 Pkw wurden im vergangenen Jahr in Österreich neu zugelassen – so viele wie noch nie zuvor in unserem Land. Dass bei manchen Firmen dennoch kein Anlass zum Feiern besteht, kann man erst zwischen den Zahlenreihen lesen. Grund genug, um einen genaueren Blick auf die Statistik zu werfen und den Trends nachzuspüren.
Gewinner vs. Verlierer
Die größten Gewinner kommen kurioserweise aus Fernost: Mitsubishi legte um 42%, Hyundai um knapp 30%, Subaru um 26% zu. Von den Europäern konnte Opel mit rund 16% am stärksten wachsen, gefolgt von BMW/Mini mit 14%. Keinen Profit aus der guten Marktlage zogen Honda (–25%), Toyota (–22%), Mazda (–16%) und Ford (–10%). Auch bei den kleineren Anbietern gab es ein paar bemerkenswerte Verschiebungen: Saab brach um 56% ein, Chrysler um 40%, Lancia um 35%. Zu den Gewinnern bei den Kleinen zählten Porsche (+39%) und Cadillac (+113%).
Wo die Liebe hinfällt: Die Hitparade
Der Volkswagen Golf ist die Nummer 1 – eine gewohnte Größe seit 33 Jahren. Dahinter konnten sich der VW Polo und als Überraschungsgast der Hyundai i30 aufs Podest stellen. Auf den weiteren Plätzen: Renault Mégane, Seat Ibiza, Skoda Fabia, Opel Astra. In der Markenwertung liegt Volkswagen vor Opel, Renault/Dacia, Ford und Skoda.
Trend 1: Der Diesel schlägt zurück
Seit 2003 verlor der Diesel beständig an Terrain. Ausgehend vom Höchstwert von über 71% musste der Selbstzünder im Jahr 2009 das Szepter erstmals wieder an den Benziner zurückgeben. 2010 hat der Diesel nun zurückgeschlagen und sich mit hauchdünnem Vorsprung wieder den Titel des beliebtesten Antriebskonzepts zurückerobert.
Trend 2: Sparen mit Kurzzulassungen
Kurzzulassungen sind das Streitthema Nummer 1 unter den Importeuren. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge, die vom Händler oder den Importeuren oft nur einen Tag lang zugelassen und mit saftigen Rabatten verkauft oder manchmal auch ins Ausland exportiert werden. Spitzenreiter bei dieser Taktik ist Hyundai (wo rund ein Drittel aller Fahrzeuge mit Kurzzulassung verkauft wird!), gefolgt von Ford, Fiat und Renault. Dass dieses Marketing-Instrument immer häufiger genutzt wird, zeigt die Statistik: Rund 21% aller Neuwagen – das sind fast 70.000 Autos – wurden von Händlern weniger als 90 Tage zugelassen. Es waren um 40% mehr als im Jahr 2009. Für uns Autokäufer ist diese Taktik ein zweischneidiges Schwert. Kommt man auf diese Weise zu einem günstigeren Neuwagen, spricht nichts dagegen. Auf der anderen Seite werden durch die starke Rabattierung die Gebrauchtwagenpreise entwertet.
Trend 3: Sparen mit Öko-Autos
Ein erfreulicher Trend zeigt sich bei der CO2-Bilanz: Die Österreicher kaufen im verstärkten Maß saubere und damit gleichzeitig sparsamere Autos. Die Bravsten unter ihnen – mit Emissionswerten unter 119 g/km – haben von 15,5 auf 20,6% Marktanteil zugelegt. Umgekehrt haben die Allerbösesten – jene mit über 180 g/km – immer weniger Freunde gefunden: Sie verloren ein Viertel und halten nur mehr bei 9,1%. Klarerweise haben auch die Elektroautos zugelegt, sich sogar fast verdreifacht. Mit 112 Stück bleibt ihnen aber derzeit noch die Exotenrolle.
Drucken11.01.2011 von Peter Schönlaub