Auto-Experte: "Magna fällt Stein vom Herzen"
Der Autoexperte und Vorstand des Instituts für Managementwissenschaften der TU Wien, Wilfried Sihn, im Autonet-Interview zum geplatzen GM-Opel-Magna-Deal und wie es nun weitergeht.
Der renommierte Auto-Experte der TU Wien im Autonet-Interview: "Das Platzen des Deals war sehr überraschend".
Paukenschlag im Tauziehen um die Automarke Opel: Nun-doch-wieder-Mutter General Motors hat den Verkauf an Magna-Sberbank abgesagt. Der US-Konzern will Opel selbst restrukturieren und sanieren. autonet.at hat mit dem renommierten Experten Wilfried Sihn über den geplatzen Deal und die Folgen gesprochen.
autonet.at: Herr Sihn, Sie haben sich in der Vergangenheit mehrfach kritisch zum Verkauf von Opel an Magna geäußert. Kam das nunmehrige Aus für den Deal für Sie überraschend?
Wilfried Sihn: "Ja, das kann man wohl behaupten. Ich habe letzten Mitwoch noch GM-Europa-Chef Carl Peter Boss Forster und Magna-CEO Siegfried Wolf bei einem Symposium getroffen. Ich habe beide auf ein mögliches Scheitern des Deals angesprochen. Beide haben dieses Möglichkeit sehr glaubhaft vehement von sich gewiesen. Ich gehen davon aus, dass die neue Situation auch für Forster und Wolf überraschend gekommen ist."
GM führt nun als Grund für die Absage den sich erholenden europäischen Automarkt und die damit verbundene Chance, die Sanierung selber zu Hebeln ins Treffen. Ist das glaubhaft?
Sihn: "Das denke ich nicht. Dieser Grund wird nur vorgeschoben. Als Hauptgrund sehe ich vielmehr, dass Angela Merkel (dt. Bundeskanzlerin) vor dem Hintergrund eines EU-Entscheides bekannt gegeben hat, dass die Subvention der deutschen Regierung von 5 Milliarden Euro jedem Investor zur Verfügung stehe und nicht auschließlich Magna-Sberbank. Ich gehe davon aus, dass nun GM erwartet, selbst in den Genuss dieser finanziellen Spritze zu kommen. Ich halte das aber für fragwürdig. Als weiteren Grund für den Meinungsumschwung sehe ich, dass GM dem Einstieg der russischen Sberbank äußerst kritisch gegenüber gestanden ist. Die GM-Tochter Chevrolet funktioniert in Russland sehr gut, und dieses Geschäft will man sich nicht kaputt machen lassen. GM will Opel aus Russland fernhalten."
Für wie aussichtsreich halten Sie es, dass GM Opel mit, wie behauptet wird, 3 Milliarden Euro restrukturiert?
Sihn: "GM hat bislang keinen detaillierten Restrukturierungsplan vorgelegt. Es wird abzuwarten sein, was da kommt. Jedenfalls steht dabei eines von drei deutschen Werken auf der Abschussliste des US-Konzerns."
Wie ist es nun um das Opel-Motorenwerk in Wien-Aspern bestellt? Besteht hier eine Gefahr?
Sihn: "Das denke ich nicht. Aspern ist sehr gut aufgestellt und wird weiter bestehen. Im Gegenteil: Ich gehe davon aus, dass sogar zusätzlich in das Motorenwerk investiert wird."
Magna hat sehr verhalten auf den geplatzen Deal reagiert. Fast macht es den Anschein, dass Magna erleichtert ist.
Sihn: "Ich habe immer gesagt, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass eine Sanierung von Opel unter Magna funktioniert. Für mein Dafürhalten ist das nun die ideale Gelegenheit für Magna den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und ohne Gesichtsverlust auszusteigen. Herrn Wolf (Anm.: Magna-CEO) fällt mit Sicherheit ein Stein vom Herzen."
Wie geht es nun mit Opel weiter? Besteht die Gefahr, dass die Marke alsbald von der Bildfläche verschwindet?
Sihn: "Nein, diese Gefahr besteht nicht. Die Marke ist überlebensfähig. Allerdings müssen nun die richtigen Restrukturierungsmaßnamhem gesetzt werden."
DruckenSenden04.11.2009 von Christian Zacharnik