Rolls-Royce Ghost: Schon gefahren
Der neue, "kleine" Royce ist die perfekte Synthese zwischen hochpotentem Sportwagen und unvergleichlich luxuriöser Highend-Limousine. Autonet ist den Ghost testgefahren.

Ab sofort ist der neue "kleine" Rolls-Royce Ghost in österreich zu bestellen - zu einem Preis ab, für Royce direkt wohlfeile 250.000 Euro.
Das Immobilienimperium wertlos, das Depot ein Desaster und der Jahresbonus ist auch hin – Superreiche leben wirklich in schwierigen Zeiten. Gut, dass sie deshalb jetzt wenigstens beim Auto ein bisschen sparen können, ohne auf den gewohnten Luxus verzichten zu müssen. Denn als hätte Rolls Royce die weltweite Wirtschaftskrise kommen sehen, bringen die Briten mit dem bayerischen Pass nun ihren neuen Ghost an den Start. Zwar kann man bei einem Preis von rund 250.000 Euro, einer Länge von 5,40 Metern und einem Gewicht von knapp 2,5 Tonnen selbst mit viel Understatement kaum mehr von einem Einstiegsmodell sprechen. Doch ist der Luxusliner immerhin ein Drittel günstiger als der rund einen halben Meter längere Phantom. Und besser fahren lässt er sich obendrein.
Großes "Baby"
Wie sein großer Bruder Phantom basiert auch der fast schon blasphemisch als „Baby-Rolls“ bezeichnete Ghost auf der größten BMW-Plattform, die allerdings deutlich modifiziert wurde. So haben die Ingenieure in Goodwood und München nicht nur eine völlig neue Karosserie mit hohem Bug, einem überraschend rundlichen Rolls-Royce-Gesicht, bösen Schlitzaugen mit grellem LED-Tagfahrlicht und natürlich mit den gegenläufig angeschlagene Hecktüren entworfen. Sondern sie haben auch Radstand und Länge deutlich gestreckt. Jetzt kommt das auf gewaltige 20-Zöller gestellte Dickschiff auf einen Achsabstand von 3,30 Metern und eine imposante Länge von 5,40 Metern. Zum Vergleich: Selbst bei der Langversion des Siebeners ist der Radstand zehn und die Länge 20 Zentimeter kürzer.
Kultur und Kraft
Trotzdem sieht der Ghost neben einem Phantom vergleichsweise zierlich aus und findet jetzt seinen Weg durch den Stadtverkehr auch ohne, dass der Fahrer ein Kapitänspatent hat. Denn während der Besitzer beim Phantom in der Regel hinten rechts Platz nimmt, ist der Ghost vor allem ein Auto für Selbstfahrer. Die lockt er mit einer faszinierenden Mischung aus Kultur und Kraft. „Sportliche Luxuslimousinen gibt es schon genug“, erteilt Entwickler Mark Mühlhausen dem Wettrüsten mit Bentley Aston Martin, AMG & Co eine Absage. Ein Rolls-Royce will nicht der schnellste, sondern der sanfteste in dieser Klasse sein: Man steht nicht mitten im Leben, sondern über den Dingen und gleitet wie einer Wolke durch die Welt. Eine butterweiche Luftfederung, eine feinfühliger Wankausgleich, eine samtene Achtgangautomatik und ein kaum hörbarer Motor lassen den Ghost deshalb geistergleich dem Ziel entgegen schweben.
Leistung: "Ausreichend"
Dennoch schlägt unter dem Smoking das Herz eines Sportlers. Nicht umsonst hat der V12-Direkteinspritzer zwar weniger Hubraum aber mehr Leistung als im Phantom und kommt so auf 570 statt 460 PS. Das, und vor allem die bis zu 780 Nm Drehmoment, sind ein solides Fundament für eine feudale Fahrt, bei der man sich durch nichts und niemand aus der Ruhe bringen lässt und schnell versteht, warum Rolls-Royce die Motorleistung früher nur mit „ausreichend“ angegeben hat. Denn prunkvolle Zahlenspiele und prestigeträchtige Überholduelle hat ein Rolls-Royce nicht nötig. Wer hier am Steuer sitzt, der genießt die stille Reserve auf der „Power“-Skala, die anstelle des Drehzahlmessers im noblen Kombiinstrument prangt, und weiß, dass er sich den Luxus der Langsamkeit leisten kann. Doch keine Sorge: Für den Earl in Eile haben die Ingenieure vorgesorgt. Ein beherzter Tritt aufs tief im flauschigen Lammfellteppich verborgene Gaspedal genügt, schon braust der Brite ein wenig heftiger auf, lässt die Last von Lack und Leder abfallen und schnellt in 4,9 Sekunden auf Tempo 100. Allerdings ist mit Rücksicht auf die Ruhe und die Reifen spätestens bei 250 km/h Ende mit der Eile. Doch wer schneller fahren will unter den Rolls-Royce-Kunden, hat in seiner großen Garage für solche Gelegenheiten noch ein paar andere Spielzeuge stehen.
Luxus par Excellence
Adel verpflichtet: Deshalb wird auch in Zeiten der Krise nicht am Luxus gespart. Ebenso im Innenraum mit hellem Leder, feinen Hölzern, den dicken Polstern und den weichen Teppichen ebenso wie der komplett neuen Einrichtung, die an Standards wie der wunderbaren Leder-Chaiselonge im Fond genauso festhält wie im Regenschirm in den Türen oder den Picknick-Tischen an den Lehnen der Vordersitze. Natürlich stammt auch hier die Technik weitgehend vom Siebener. Doch weder an den Instrumenten, noch am Lenkrad und schon gar nicht im iDriveController auf der Mittelkonsole oder den wie aus Kristallglas geformten Schaltern kann man die Verwandtschaft erkennen. Eher geben an Technologien wie das Head-Up-Display, das Nachtsichtsystem oder die intelligente Navigation einen Hinweis auf die Nähe zwischen Goodwood und München. „Denn ohne einen großen Konzern im Rücken könnten wir uns solche Extras kaum leisten“, räumt Mühlhausen ein.
"Richtiges Auto zur richtigen Zeit"
Nachdem Rolls-Royce beim Phantom in diesem Jahr ein Minus von knapp einem Viertel verkraften musste und 2009 mit nur noch rund 1.000 Zulassungen abschließen konnte, ist der Ghost für die Briten schon zur Premiere ein echter Lichtblick: „Wir haben 1.500 sehr ernsthafte Interessenten, die bereits eine Anzahlung geleistet oder einen Vorvertrag abgeschlossen haben“, sagt der scheidende Rolls-Royce-Chef Tom Purves und nennt den Luxusliner das richtige Auto zur rechten Zeit: „In einer Liga, in der man mit Hubschraubern, Yachten oder Privatjets konkurriert, ist ein Auto für etwa 250.000 Euro ein höchst attraktives Angebot“, sagt Purves: Bescheidenheit auf höchstem Niveau.
Rolls-Royce Ghost: Schon gefahren
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DruckenSenden22.02.2010 von Thomas Geiger