Alfa Giulietta: Das Hirn am richtigen Fleck
Souveräne Performance
Der vielleicht erstaunlichste Fortschritt zeigt sich dann beim Fahren. Obwohl die Auslegung des Fahrwerks recht straff ist – Alfa spricht von der geringsten Karosserieneigung bei Kurvenfahrten in der Klasse – bügelt die Giulietta auch bösartige Bodenwellen souverän aus und bleibt völlig frei von Poltergeräuschen. Damit ist Alfa nun auch in dieser Klasse in der Premiumliga angekommen, ist in manchen Disziplinen sogar besser als die drei deutschen Platzhirsche.
Etwa bei der Traktion: Trotz des vom Turbo angefütterten beachtlichen Drehmoments bei allen Motoren bringt die Giulietta die Kraft sauber auf den Asphalt – und ohne dabei an der Lenkung zu zerren; im Grenzbereich hilft ihr dabei die serienmäßige elektronische Differenzialsperre Q2. Ein Highlight ist das neue Sechsganggetriebe: präzise, knackig und doch extrem leichtgängig. Besser geht’s nicht.
Verbesserte D.N.A.
Wie schon beim kleinen Mito ist auch bei der Giulietta das D.N.A.-System serienmäßig. Dabei handelt es sich um einen Schalter, der drei Fahrmodi anwählen lässt und dabei bis zu sieben Parameter steuert. Unter anderem wird das maximale Drehmoment des Motors spürbar erhöht, die Lenkung direkter, das Ansprechverhalten des Gaspedals giftiger und die Kennlinie des Stabilitätsprogramms verändert.
Während sich das Auto in „All Weather“ fährt, als wäre es in Watte gepackt, wird im Dynamik-Modus das Alfatier geweckt. Dann hängen die Motoren so direkt am Gas, wie man es von den Mailänder Maschinen seit jeher gewohnt ist – leicht gereizt und giftig. Das Problem: Fährt man einmal im Dynamik-Modus, dann hat man in der normalen Schalterstellung das Gefühl, als würde man mit den Füßen einen Germteig kneten.
Übrigens hat Alfa die Fähigkeiten des D.N.A.-Systems in der Giulietta gegenüber dem Mito nochmals erweitert: Im Dynamik-Modus gibt’s nun auch eine Pre-Fill-Funktion für die Bremsen. Geht man abrupt vom Gas, wird schon der Druck in der Bremsanlage erhöht, der Pedalweg dadurch verkürzt.
Saubere Ausstattung und Kampfpreis
Wenn man vom Quadrifolglio Verde absieht, der als Topmodell in einer eigenen Liga spielt, dann bietet Alfa die neue Giulietta nur in zwei Ausstattungen an: „Progressive“ ist bereits sauber ausstaffiert, mit vollständigem Sicherheitspaket, Klimaanlage und Soundsystem – allerdings nur für die beiden Einstiegsmotoren verfügbar. „Distinctive“ legt unter anderem die Klimaautomatik, Leichtmetallfelgen, den Tempomaten, Fensterheber im Fond, Nebelscheinwerfer und Lenkrad-Tasten drauf. Diese Ausstattungen kann man mit attraktiv geschnürten Paketen (Sport, Premium) oder einzelnen Extras ergänzen. Angesichts der Ausstattung und des Premium-Appeals muss der Einstieg von 19.990 Euro für den 120-PS-Benziner als echter Kampfpreis gelten; der 105-PS-Diesel ist ab 21.990 Euro im Programm und selbst der Quadrifoglio Verde bleibt mit 29.990 Euro noch knapp unter der 30er Schwelle.
Das Resümee
Dass die Giulietta den Italienern besonders am Herzen liegt, merkt, spürt, fühlt man an jedem Detail. Der kompakte Fünftürer ist Alfas schlüssigste Neuerscheinung der letzten Jahre, vielleicht sogar das beste Auto in der heuer 100-jährigen Geschichte der Marke. Das fraglos hübsche Design wird mit der fortschrittlichsten Motorenpalette am Markt, einer modernen Plattform und einem solide ausgeführten Innenraum kombiniert. Komfort und Praktikabilität werden nicht mehr am Altar der Sportlichkeit geopfert, was der Giulietta aber nichts von ihren Reizen nimmt. Schließlich kann man sich ja per Druck auf den D.N.A.-Schalter die Schärfe der frühen Jahre zurückholen.
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DruckenSenden13.04.2010 von Peter Schönlaub