Smart Fortwo Brabus: Mindestmaß an Speed
Die Idee des Ultrakompakten schaltet in den Overdive: Wir fahren eine silberne Kugel, die aus dem freien Lauf gelassen wurde.
Die kompromisslose und gekonnte Ausreizung aller Möglichkeiten machen den Smart Fortwo Brabus zum kleinen Supercar.
Es fällt einem fast schwer, an ein serienmäßiges Auto zu glauben. Noch dazu an eines, das aus dem Haus Mercedes kommt, wo man eher sittliche Reife und gemäßigte Breiten erwartet. Doch es ist tatsächlich so: All die Schweller und Spoiler, die Verbreiterung und die Tieferlegung sind an diesem Modell serienmäßig.
Doch der Brabus ist noch mehr als die Summe vieler Anbauteile: Die kompromisslose und gekonnte Ausreizung aller Möglichkeiten, die sich auf beschränkter Grundfläche ergeben, machen ihn zum kleinen Supercar. Inbegriffen sind die von Aluminium geprägte Ästhetik und, nicht zu vergessen, das schlaue Cabriodach.
Dabei gelingt dem kleinen Heizgerät, was größeren Sportwagen oft verwehrt bleibt: Obwohl er die gleichen Stilmittel verwendet, wirkt das Ergebnis auf schnucklige Art aggressiv. Oder anders gesagt: Er gewinnt auch die Herzen von Passanten und Passagieren, die sonst eher unempfänglich für den Reiz eines, sagen wir, Doppelauspuffs sind.
Feinste Sportwagen-Zutaten
Freilich: Mit Show allein kann man es bei dieser Ansage nicht bewenden lassen. Also kriegt der Brabus den stärksten Motor, der jemals einem Smart Beine gemacht hat. 98 PS sind angesichts von 810 Kilo eine rescher Wert, und die Umwandlung in Fahrfreude gelingt ohne Umwege. Die kleine Kugel wird mit Vehemenz nach vorne gepeitscht, nur unterbrochen von den Schaltpausen, die ein wenig kürzer sein könnten.
Und bald erinnert man sich mit Freude, dass man eigentlich mit den besten Sportwagen-Zutaten unterwegs ist: Heckmotor, Heckantrieb, Turbolader – wo ist eigentlich die nächste Rennstrecke, Herrschaften?
Handicap und Schattenseiten
Die Grenzen des Konzepts setzt das Fahrwerk mit seinem kurzen Radstand. Für dieses – konzeptgemäße – Handicap schlägt es sich aber wacker, und im Zusammenspiel mit dem serienmäßigen ESP ist man auch bei forcierter Fahrweise und trotz manchen Fahrfehlers, der sich aus der Euphorie ergibt, stets sicher unterwegs.
Das gestiegene Potenzial des Fahrwerks kennt allerdings auch eine Schattenseite: Die Federung wurde praktisch ausgebaut. Was in der Stadt noch halbwegs durchgeht und auf Kurvenstrecken richtig Freude macht, wird auf welligen Autobahnen zum Nagelbrett für Fakire der Fortbewegung. Das sollten Sie wissen, bevor sie glauben, Brabus-Fahrer nicken immer höflich.
DruckenSenden30.06.2009 von Peter Schönlaub