Audi TT: Das böse Erwachen
Die Verwandlung vom stylischen Coupé zum kernigen Sportwagen vollzieht sich mit neuem Fahrwerk, Aluminium-Leichtbau und schnellem Schalter.
Der Audi TT hat einen spektakulären Wesenswandel hinter sich.
15 Sekunden. Das mag wenig sein, wenn man gerade im Windtunnel steht und 500-Euro-Scheine aus der Luft pflückt. Auf der Nordschleife des Nürburgrings sind 15 Sekunden jedoch eine kleine Ewigkeit – und sie unterscheiden den neuen TT von seinem Vorgänger.
Affenartige Geschwindigkeit
Man sieht daran: Die Sportlichkeit hat zugenommen wie Stefanie Werger nach ihrem Diät-Ratgeber, wir stehen vor einem ernstzunehmenden Sportwagen; das heißt, man kann gar nicht schnell genug schauen, und wir sitzen darin. Der Sechszylinder mit Direkteinspritzung und schlauen Ventilen röhrt bedrohlich, dann schnappt der erste Gang des Direktschaltgetriebes ein. Bei VW kennt man diese entwaffnend gute Technologie als DSG, bei Audi sagt man dazu: S tronic. Der Effekt bleibt derselbe: Die Gänge werden mit affenartiger Geschwindigkeit und ohne Zugkraftunterbrechung gewechselt – entweder automatisch oder nach Betätigung der Schaltwippen hinter dem unten abgeflachten Lenkrad.
Beim neuen TT wirkt dieses Getriebe noch eine Spur aggressiver abgestimmt, was gut zur Schmissigkeit des Autos passt. Der Motor dreht mit Verve nach oben, die Soundkulisse macht müde Ohren munter, und die Performance ist unterhaltsamer als ein abgedrehter Grand Prix der Volksmusik.
Umso erstaunlicher ist es, dass die Antriebseinheit keineswegs den größten Anteil am sportlichen Training hat. Weit wichtiger sind Karosserie und Fahrwerk. Erstere besteht nun aus dem Audi Space Frame, der die Steifigkeit um 50 Prozent erhöht und dank hohem Leichtmetall-Anteil das Gewicht senkt. Das Fahrwerk wiederum hat die teilweise unspektakulären Golf-Bauteile der ersten Generation gegen aufwändige Lösungen eingetauscht.
Spektakulärer Wesenswandel
Das Ergebnis ist ein geradezu spektakulärer Wesenswandel des TT, mit messerscharfem Handling, präzisem Lenkverhalten, quicker Lebendigkeit, Transparenz und Stabilität auch bei höherem Speed (ab 120 km/h fährt ein Spoilerchen aus). Eine massive Bremserei unter den serienmäßigen 17-Zoll-Schmiedefelgen dient als Versicherung gegen Vollgasitis.
Quasi als Beigabe zur hochgestochenen Dynamik bekam der TT auch ein paar Alltagstugenden: mehr Raum für die Passagiere, einen vernünftig nutzbaren Kofferraum (zwei Golfbags!) und, ganz Audi, einen Allradantrieb (Serie beim V6) für Schnee und Schnellsein.