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Schon gefahren

Nissan Juke: Machst du große Augen, Kleiner!

Mit dem Qashqai hat Nissan einen internationalen Bestseller gelandet. Der neue Juke soll den Erfolg ab Oktober mit einer Schuhnummer kleiner wiederholen. Autonet.at hat den sportlichen Crossover schon getestet.

zur FotoshowNissan
Die aktuell wohl schrägste Interpretation des Crossover-Gedankens: der neue Nissan Juke, ab Oktober in Österreich. 
Da steht er also, der kleine Alleskönner, an den Nissan große Zukunftshoffnungen knüpft. Schließlich ist die Liste seiner Talente lang: Er ist gleichzeitig Sportler und SUV, man bekommt Front- oder Allradantrieb, Power-Motoren bis zu 190 PS, fünf Türen und einen anständigen Kofferraum – das alles bei immer noch extrakompakten Dimensionen und vergleichsweise moderarten Preisen, die bei knapp 18.000 Euro (inklusive ESP, Klima, vier Fensterheber uvm.) beginnen. Im Mittelpunkt aber mag das Design stehen: eine originelle, auffällige Arbeit, die sich mit aller Kraft gegen den Mainstream stemmt; in dieser Klasse und überhaupt.  Man sieht schon, der Kleine besitzt viele Fähigkeiten, also beginnen wir bei der wichtigsten: dem Fahren.

Straff und sportlich
Für unsere erste Ausfahrt nehmen wir den einzigen angebotenen Dieselmotor, einen guten Bekannten: den 1,5 dCi mit 110 PS (ab 20.034 Euro). Schon auf den ersten Metern fällt auf, dass der Juke eine extrem steife Karosserie hat, was ihn solide und erwachsen wirken lässt. Da gibt’s auch auf schlechten Straßen kein Zittern und Schwingen, kein Klackern und Knarzen. Zweite Erkenntnis: Das Fahrwerk wurde bewusst auf der straffen Seite abgestimmt, das sorgt für ein präzises, dynamisches Fahrverhalten, allerdings mit leichten Einbussen im Komfort. Andererseits wurde die Dynamisierung des Crossovers bewusst durchgezogen: die Lenkung ist direkt, die Bremsen greifen giftig, die Schaltwege sind kurz & knackig, die Wankneigung in Kurven wurde möglichst gering gehalten. In Summe ergibt sich damit der sehr stimmige Eindruck eines kompakten, modernen Fahrzeugs, das mit Kleinwagen-Feeling nichts mehr am Hut hat.

Sanft und leise
Zu dem, ja, fahrerischen Premium-Auftritt trägt ganz maßgeblich die sensationelle Dämmung des Juke bei. Bei diesem Thema sind ja Kleinwagen generell eher empfindlich, hier wurde das Geräuschniveau aber sehr kompetent gesenkt. Wir dürfen nochmals erinnern: Wir sind im Diesel unterwegs, der sich lediglich im Stadtverkehr dezent zu Wort melden darf. Einmal auf der Autobahn, tritt die Motor-Akustik ganz in den Hintergrund. Mit zunehmendem Tempo sind es einzig ein paar Windgeräusche, aber selbst damit zählt der Juke zu den allerbesten seines Segments.
Der Diesel selbst geht sanft und geschmeidig zu Werke, immerhin wurde er bereits zigtausendfach gebaut und ist vom Qashqai über Note bis hin zu Clio & Co von Allianzpartner Renault in einer Vielzahl an Modellen zu finden. Seine 110 PS sorgen für munteres Weiterkommen bei einem Normverbrauch von 5,1 l/100 km – damit ist der 1,5 dCi eine durchaus empfehlenswerte Motorisierung für den Juke. Aber es geht auch sportlicher ...

Was hinter der Formel DiG-T steckt und warum man deswegen ein Funkeln in den Augen bekommen kann, was der neue Allradantrieb zu bieten hat und wie groß der kleine Juke tatsächlich ist, erfahren Sie auf Seite 2.

190 PS und Allrad
Leider nicht gezeigt hat Nissan den Einstiegsmotor für den Juke, einen überarbeiteten 1,6 16V mit 117 PS (ab 17.992 Euro). Stattdessen wurde der neue Highend-Vierzylinder präsentiert, der das Thema „Downsizing“ ganz konsequent umsetzt: der neue 1,6 DiG-T. Schon der Name deutet darauf hin: Di steht für Direkteinspritzung, zum allerersten Mal bei einem Benzinmotor von Nissan; das „G“ steht für Gasoline, also für Benzin, und das „T“ für Turbo. Nimmt man alles zusammen, dann erhält man saftige 190 PS, ein Drehmoment von 240 Newtonmeter bei einem Normverbrauch von 6,9 Liter je 100 Kilometer. Mit dem Motor beschleunigt der Juke in acht Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine Spitze von 215 km/h, also eine durchwegs sportliche Performance. Kostenpunkt: ab 22.621 Euro. Einziges Handicap: Wie bei allen anderen Motoren verzichtet Nissan auch bei dem neuen Topmotor auf ein Start-Stopp-System. Es sei aber in Entwicklung, hören wir, und werde in absehbarer Zeit nachgereicht.

Allrad nur mit Automatik
Wer will, kann diesen Motor auch mit dem neuen Allradgetriebe kombinieren: das bekannte elektronische ALL MODE 4x4-i System wurde für seinen Einsatz im Juke mit dem so genannten „Torque Vectoring“ ergänzt; die Kraft kann nicht nur zur Gänze an die Hinterachse, sondern dort auch flexibel zwischen den beiden Rädern aufgeteilt werden – das kommt der Traktion in schnellen Kurven zugute. Seltsamerweise ist die Option auf den Allrad nicht nur an den starken Motor, sondern auch an das stufenlose CVT-Automatikgetriebe gekoppelt. Dieses Gesamtpaket kostet dann auch stolze 27.874 Euro, macht aber viel Spaß und bietet dank der Automatik in der Stadt handfeste Vorteile (wo man aber die 190 PS eigentlich nicht braucht). Der Motor selbst ist ein quicker Dreher und wird, sobald der Turbo zu rotieren beginnt, sehr lebendig. Kleines Manko ist lediglich die bekannte Geräuschkulisse des CVT-Getriebes, die mehr nach einem Dyson-Staubsauger als nach Motorsport klingt.

Das Leben an Bord
Zu den Vorzügen des Juke zählt auch seine eigenwillige Sitzposition. Im Auto selbst fühlt man sich perfekt eingepasst, glaubt dank der hohen Gürtellinie auch recht tief zu sitzen, eine Grundvoraussetzung fürs sportliche Fahrgefühl. Fährt man dann neben einem traditionellen Kleinwagen – Polo, Corsa & Co –, dann erkennt man, wie hoch man in Wahrheit sitzt: deutlich höher als in jenen nämlich. Diese Rolle als Aufsteiger unterstützt die Übersicht und ganz generell auch jenes sichere, solide Fahrgefühl, das von den SUV-Fahrern gerne als Argument für ihre Fahrzeugwahl ins Treffen geführt wird.

Raum nach Maß
Abgesehen von der Fahrzeughöhe ist auch das Raumgefühl für die Ansprüche des Juke mehr als akkurat. Vorne genießt man auch als groß Gewachsener viel Kopf- und Ellenbogenfreiheit, hinten sind zwei Erwachsene gut aufgehoben. Keine Klassenrekorde kann der Kofferraum brechen, aber mit gut dimensionierten 251 Liter braucht man sich nicht zu verstecken. Unter dem Boden warten zwei weitere Fächer mit 44 Liter Fassungsvermögen (außer beim 4WD), das Umklappen der Fondsitze zu einer völlig ebenen Ladefläche funktioniert extraleicht. Dann kann man immerhin ein Volumen von 830 Liter befüllen.
Auch im Kleinen gibt sich der Juke dienstbar: Es gibt zwei Becherhalter im Mitteltunnel, große Fächer in den Türen und ein kleines (Handy-) Fach im unteren Bereich der Mittelkonsole.

Was der Taucher auf dem Motorrad macht, weiter witzige Detaillösungen und unser Resümee über den Nissan Juke lesen Sie auf Seite 3.

Ein Motorrad im Auto?
Nur ein praktisches, solides Interieur zu machen, war den Nissan-Entwicklern aber scheinbar zu wenig. Weil Marktforschungen ergeben haben, dass potenzielle Juke-Fahrer nicht nur ein spektakuläres Äußeres, sondern auch ein überraschendes Inneres wollen, wurde die Verkleidung des Mitteltunnels wie der Tank eines Motorrads gestaltet, die Armaturen entsprechen ebenfalls dem Zweirad-Stil und die Innenverkleidungen der Türen erinnern an die Flossen eines Tauchers. Klingt seltsam, ist aber in der Praxis recht witzig und zieht keine praktischen Nachteile nach sich.

Der Trieb zum Spielen
Gleiches gilt für das neue „Nissan Dynamic Control System“, das ab der mitteren Ausstattung acenta serienmäßig ist. Im Grunde geht es darum, dass man die Bedienung der Klimaautomatik per Knopfdruck verwandeln kann. Plötzlich befindet man sich im „Drive Mode“ und alle Knöpfe haben eine andere Bedeutung. So kann man in ein sportlicheres Setup schalten, wo Lenkung und Gaspedal (bei CVT auch die Schaltung) andere Kennlinien haben und aggressiver reagieren. In der Praxis waren die Unterschiede aber vernachlässigbar gering. Im „Drive Mode“ kann man jedoch auch andere Parameter abrufen: Verbrauchsstatistiken, Werte für die Quer- und Längsbeschleunigung, den Ladedruck des Turbos und vieles mehr. Ein Tastendruck verwandelt die Einheit völlig unkompliziert wieder in die Bedienung der Klimaautomatik. Ein netter Gag, immerhin.

Das Resümee
Nissan hat der Versuchung widerstanden, einfach einen verkleinerten Qashqai auf den Markt zu bringen. Stattdessen präsentieren die Japaner einen originellen, witzigen und vielseitigen Kleinen, der alles andere als langweilig ist. Mit modernen Motoren, solider Verarbeitung, einem umfassendem serienmäßigem Sicherheitspaket, Premium-Fahrgefühl und sportlichem Drive ist der Juke die logische Alternative für all jene, die von traditionellen Kleinwagen nicht mehr inspiriert werden – die aber weiterhin die wahre Größe im Kleinen suchen.

Drucken15.07.2010 von Peter Schönlaub

 

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