Renault Latitude V6 dCi 240 Initiale
Gestatten, Latitude, das neue Flaggschiff bei Renault. Multikulturell und interessant, ein Mix mit Geschmack und Raffinesse, zumindest so der Gedanke der Renault-Ingenieure. Oder: der halbherzige Versuch eines Topmodells.

Für 46.000 Euro bleiben bei der neuen Franko-Koreaner-Limousine kaum noch Ausstattungswünsche offen
Der Latitude bereichert die Renault-Familie mit einem Modell, das sich als gehobene Mittel-, oder Oberklasse präsentieren will. Außen Asien, innen Frankreich – Multikulti eben. Der Mix des Latitude mag exotisch sein, doch wirkt die Limousine auf den ersten Blick ziemlich gewöhnlich. Sie basiert auf dem Samsung SM5 und wurde von Renault an den europäischen Geschmack angepasst, etwa mit dem 241 PS starken 3-Liter-V6-Dieselmotor der für passablen Durchzug sorgt und attraktiver Innenraumausstattung. Doch sind diese Attribute genug um hohen Ansprüchen zu genügen?
Ein Innenraum, der was hermacht
Das Auge isst mit, und auf dem ersten Blick sieht der Innenraum zum vernaschen aus. Leder soweit das Auge blickt. Klavierlack am Lenkrad und an der Mittelkonsole. Satiniertes Aluminium, 16:9 Bildschirm für Navigation sowie multimediale Spielereien. Massagesitz und duftende Innenraum-Atmosphäre auf Knopfdruck. Wird ein Automobil gewordener Traum wahr? Nicht ganz. Hinter dem Lenkrad Platz genommen, zeigen sich die ersten Schwächen. Den wunderbar verarbeiteten Sitzen mangelt es an Seitenhalt, aber der Latitude ist eine 4,90 Meter lange Limousine, kein Sportwagen, daran will man sich nicht stoßen. Die Kopffreiheit zum Dachhimmel könnte etwas großzügiger sein, selbst wenn der Fahrersitz schon ganz am Fahrzeugboden ansteht, bleibt gerade mal eine Handbreit Platz. Richtig gemütliches Feeling kommt trotz Massagefunktion leider nicht auf, daran kann auch das neue Air Quality Management System nichts ändern. Dieses System reinigt die Luft mittels Ozonator oder ionisiert, um ein relaxtes Umfeld zu schaffen. Zwei Duftspender reichern die Luft mit zusätzlicher Stimmung an, was bei Überdosierung schnell Kopfweh macht.
Strammer Antritt
Das etwas unspektakulär geratene Äußere verspricht Unauffälligkeit – ohne den staatsmännischen Auftritt, mit dem der Latitude nach dem Wunsch von Renault demnächst als Präsidentenlimousine vor dem Pariser Elysée Palast stehen soll. Denn traditionell werden die Spitzenmodelle aller drei französischen Marken als Staatskarossen eingesetzt. Nicht unspektakulär hingegen das Triebwerk. Das 241 PS starke Drei-Liter-Dieselaggregat legt sich mit der sanft, aber etwas langsam schaltenden Sechsgangautomatik ordentlich ins Zeug. Mit 450 Newtonmeter Drehmoment, die ab 1.500 Umdrehungen zur Verfügung stehen, wird der Kavalierstart bei jeder Ampelkreuzung zum Fingerspiel. Dem V6 werden mittels Turbolader mit variabler Turbinengeometrie und Ladeluftkühlung ordentlich Beine gemacht, die Flucht nach vorne endet bei 247 Stundenkilometer laut Tacho. Im Intensivtest gönnt sich das Triebwerk gut und gerne 7,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer, im innerstädtischen Stop&Go Verkehr laufen bis zu 9 Liter durch die Treibstoffleitung.
Sänftengleich
Der Franko-Koreaner kann mit seinem Fahrwerk eine gewisse Mittätigkeit französischer Ingenieure nicht verleugnen. Liegt die 1.730 Kilogramm schwere Karosse bei sanfter Gangart satt und sänftengleich auf der Straße, verraten zügige Spurwechsel über diverse Spurrinnen aber deren Manko. Teigiges Ansprechverhalten und Schaukeln sind die Regel, obwohl das Fahrwerk mit einer neuen Generation McPherson-Dreiecksquerlenkern und Querstabilisatoren ausgerüstet wurde – alleine schon um die 241 PS über das Vorderrad auf die Straße zu bringen.
Fazit
Der Mix aus Asien und Europa mag keinen spektakulären Eindruck machen, für 46.000 Euro in der Topausstattung ist er auch kein Schnäppchen, bekommt man dafür bereits einen A6 oder 5er BMW. Aber für diesen Preis gibt es allerhand Extras, denn im Latitude ist bereits alles drin: vom Bose-HiFi- über das Navigationssystem, Alu-Räder, Dreizonen-Klimaautomatik, Licht-/Regensensor, elektrischer Parkbremse, Bi-Xenon-Scheinwerfer inklusive Kurvenlicht, Einparkhilfe vorne und hinten inklusive Rückfahrkamera bis hin zur Lederausstattung - und bei dieser Preis/Leistung sieht die Konkurrenz im Innenraum noch recht nackt aus.
Renault Latitude: Franko-Koreaner
Auf den ersten Blick sieht der Innenrau...
Die Kopffreiheit zum Dachhimmel könnte ...
DruckenSenden07.07.2011 von Ronny Zieger