Abgefahren: Unfallrisiko steigt!
Ein Sommerreifen-Spezial-Test des ÖAMTC zeigt, dass unterschiedlich abgefahrene Reifen die Unfallgefahr deutlich erhöhen.
Der ÖAMTC hat die Auswirkungen von Reifen mit unterschiedlichen Profiltiefen auf die Sicherheitseigenschafteten getestet.
Haben Sie sich schon einmal darüber Gedanken gemacht, ob Ihre Reifen gleichmäßig abgefahren werden? Nein? Das sollten Sie schnell ändern. Denn ein kontrollierender Blick beim bevorstehenden Wechsel von Winter- auf Sommerreifen macht es deutlich: Reifen an der Antriebsachse werden immer stärker abgenutzt!
Ist das nicht vollkommen egal, werden Sie sich jetzt denken. Nein, ist es nicht. Reifen mit mehr Profil sollten an der Hinterachse montiert werden. Der Grund: "Schlechtere Reifen an der Hinterachse erhöhen die Schleudergefahr und damit das Risiko schwerer Unfälle. Das gilt auch bei Vorderradantrieb", erklärt ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel. Die Lösung: Durch regelmäßigen Tausch von Vorder- und Hinterachsreifen können die Unterschiede möglichst gering gehalten werden. Aber kommen dann nicht beim Frontantriebsfahrzeug die besseren Reifen an die Vorderachse?
Sommerreifen Spezial-Test
Der ÖAMTC hat getestet, wie sich die Positionierung der besseren Reifen auf Vorder- oder Hinterachse auf die Fahreigenschaften eines Autos mit Vorderradantrieb auswirkt und wie viel ESP dabei ausgleichen kann. "Der Test zeigt, dass ein Reifentausch zwischen Vorder- und Hinterachse nur bei geringen Unterschieden zu empfehlen ist. Außerdem zeigt sich, dass die Kombination stark unterschiedlicher Reifen die Unfallgefahr drastisch erhöht und daher auf jeden Fall vermieden werden sollte", lautet die klare und unmissverständliche Antwort des ÖAMTC-Experten.
Wie der österreichische Automobilklub bei seinem Spezial-Sommerreifentest festgestellt hat, bringen bessere Reifen an der Vorderachse klare Vorteile beim Bremsen und bei Aquaplaning. Bessere Reifen an der Hinterachse bedeuten allerdings mehr Stabilität in Not- und Ausweichsituationen, besonders bei nasser Fahrbahn.
ESP kann helfen, aber nicht immer
Bei Reifen mit geringen Profiltiefenunterschieden (ca. ein Milimeter) sind die Sicherheitsunterschiede allerdings gering und können zudem dank ESP korrigiert werden. "Daher kann man vor allem bei Autos mit ESP die Reifen regelmäßig tauschen, wenn der Profiltiefenunterschied gering ist", erklärt Eppel.
Ganz anders sieht es hingegen bei großen Unterschieden der Profiltiefe aus. Die erheblichen Verschlechterungen der Sicherheitseigenschaften können nicht einmal durch elektronische Fahrhilfen ausgeglichen werden. "Alte Reifen an der Hinterachse führen zu einem gefährlichen, inakzeptablen Ausbrechen in Notsituationen. Das kann auch ESP nicht verhindern. Die Übersteuer-Reaktion wird zwar anfangs korrigiert, wirkt aber dann, wenn die Grenzen der Physik erreicht sind, umso heftiger", warnt der Reifen-Experte des ÖAMTC.
Das Fazit:
"Aus diesem Grund empfiehlt der ÖAMTC, die Kombination deutlich unterschiedlicher Reifen an Vorder- und Hinterachse aus Sicherheitsgründen zu vermeiden. Sind die Reifen stark unterschiedlich abgenutzt, so ist es besser, gleich vier neue Reifen zu kaufen", rät Eppel dazu, nicht am falschen Ende zu sparen.
"Ist man zu solch einem ungleichen Reifenmix allerdings gezwungen, so sollten die besseren Reifen auf jeden Fall an der Hinterachse montiert werden."
Drucken24.03.2010 von Raphael Pikisch