Ende November tritt der neue Nissan Micra aufs Kleinwagenparkett. Wer den optischen Pfiff des Vorgängers sucht, wird enttäuscht. Dafür punktet der Neue mit einem sparsamen Benziner, mehr Platz, günstigerem Preis – und, so das ein Bewertungskriterium ist, lässt männliche Kundschaft nicht mehr gänzlich außen vor. autonet.at ist den Japaner mit dem klingenden Namen testgefahren.
Die Globalisierungswelle rollt: Regionale Eigenheiten werden geschleift, Diversitäten gleichgerichtet, Individualität abgeschafft. Kaum eine Einkaufsstraße auf der Welt, die sich punkto Shopauswahl noch von der anderen unterscheidet. Sushi, Kebap, Falaffel und Beck´s sind in aller Munde, vom Südostkaukasus bis nach Feuerland. Der globale Markt ist längst keine neoliberale Vision mehr. Wir sind Welt! Das kann man mögen oder nicht. Einen Vorteil jedenfalls hat der regierende Mainstream: „Wurscht“ wo auf der Welt man sich befindet, man kann davon ausgehen, Konsumgüter zu erwerben, die dem internationalen Standard genügen, den Geschmack der breiten Masse treffen und punkto Qualität keine bösen Überraschungen bereithalten. Dass darunter freilich die Originalität leidet, versteht sich von selbst, wird im Hinblick auf größtmögliche Breitenwirksamkeit aber gerne in Kauf genommen. Bestes Beispiel dafür ist etwa der neue Nissan Micra. Das Nippon-Zwutschkerl soll immerhin in 160 Ländern dieser Erde gleich gut funktionieren.
Kein ausgesprochener Frauenliebling mehr
Vom glubschäugigen, herzigen, etwas verschrobenen aber durch und durch sympathischen Charakter des Vorgängers ist nicht mehr viel übrig. Der Micra der vierten Generation wurde optisch geglättet und mit allgemeingültigem Design versehen. Der neue Japan-Zwerg soll nicht mehr polarisieren – vor allem zwischen den Geschlechtern. War es in der Vergangenheit doch vor allem die weibliche Kundschaft, die auf den Micra reflektierte, ist Nissan nun bestrebt, etwas mehr Testosteron ins Cockpit des Cityvehikels zu transferieren. Nicht, dass der ab November erhältliche Micra eine betont maskuline Attitüde an den Tag legen würde. Allerdings werden die Herren der Schöpfung nicht mehr komplett ihrer Virilität beraubt, so sie im Micra Platz nehmen. Wer in einem Nissan heutzutage noch auffallen will, der kann auf den Juke oder den Cube zurückgreifen.
Weniger Gewicht
Aufgebaut wurde der Micra auf einer komplett neuen Plattform, auf der hinkünftig sämtliche Kleinwagenmodelle der Marke basieren sollen. Darauf aufgesetzt wurde eine klar gezeichnete Karosserie mit großen, ovalen Scheinwerfern, geteiltem Kühlergrill und planer Seitenlinie. Am ehesten erinnert noch das Heck an die guten (?), alten Zeiten. Die individuellste Note versprüht vielleicht noch die Dachlinie, die zwecks Optimierung der Aerodynamik mit einer charakteristischen Abrisskante versehen wurde. Wer genau schaut, entdeckt, so das Fahrzeug nicht mit dem großem Panoramadach ausgestattet ist, seltsame Einbuchtungen in Form eines Doppelwinkels a la Citroen-Emblem. Dadurch konnte behufs einer Gewichtsreduktion auf die Querverstrebung im Bereich der B-Säule verzichtet werden, ohne dass das Blech bei höheren Geschwindigkeiten zu flattern beginnt. Diese und weitere massereduzierende Maßnahmen führen dazu, dass der Micra der neuesten Generation im Schnitt um 35 Kilo leichter ist, als der Vorgänger.
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