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Interview: Auto-Papst Dudenhöffer zur Daimler-Renault-Allianz

Daimler und Renault-Nissan haben ihre Kooperation bekanntgegeben. 3,1 Prozent erwerben die künftigen Partner am jeweils anderen Konzern. Neben einer engen Zusammenarbeit beim neuen Smart, soll auch bei der Entwicklung von kleinen Motoren und leichten Nutzfahrzeugen zusamengearbeitet werden. autonet hat dazu mit dem deutschen Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer gesprochen.

Der renommierte deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer im Gespräch mit autonet.at zur Allianz zwischen Daimler und Renault. 
autonet: Herr Prof. Dudenhöffer, wie bewerten Sie generellt die neu gegründete Allianz zwischen Daimler und Renault-Nissan?

Ferdinand Dudenhöffer: Ich halte das für eine sehr gute Geschichte. Die Chancen auf Erfolg dieser Kooperation stehen sehr gut. Die Themenfelder der Zusammenarbeit sind sehr gut ausgewählt. Etwa in Bezug auf die Entwicklung eines gemeinsamen Smart, die gemeinsame Entwicklung kleinerer Motoren oder im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge. Sehr positiv ist auch der Aspekt, dass Daimler der Nissan-Nobelmarke Infinity hochwertige Dieselmotoren zur Verfügung stellt.

autonet: Die Kooperation von Daimler mit Chrysler ist in Bausch und Bogen gescheitert. Warum soll das nun funktionieren?

Dudenhöffer:
Weil das eine komplett anders gelagerte Kooperation ist. Hier findet keine Verschmelzung zweier Großkonzerne statt. Anders als in der Vergangenheit muss nicht der gesamte Produktiosablauf bis hin zur kleinsten Schraube in einem gewaltigen Kraftakt aufeinander abgestimmt werden. Die beiden Konzerne beteiligen sich zwar zu jeweils 3,1 Prozent aneinander, bleiben aber eigenständig. 

autonet: Wie genau profitiert Daimler von der Kooperation?

Dudenhöffer:
Der Smart ist seit jeher ein Verlustgeschäft für Daimler. Mit dieser Kooperation gibt es nun durch die Nutzung gemeinsamer Synergien, die Chance, den Smart endlich profitabel zu machen. Daimler kann sich dabei aus einem größeren Konzernregal bedienen, was die Produktionkosten des Smart reduziert. Außerdem sieht die Kooperation vor, dass Renault die Daimler AG mit kleinen 2- und 3-Zylinder-Motoren beliefert, die im Smart, aber auch in der neuen A- und B-Klasse zu Einsatz kommen. Außerdem hat Daimler mit der Nutzung der Twingo-Plattform nun die Möglichkeit, einen neuen, erfolgversprechenderen Anlauf für den Bau eines viersitzigen Smart zu starten. Und der ist enorm wichtig für Daimler.

autonet: Wo sehen Sie die Vorteile für Renault-Nissan?

Dudenhöffer:
Einerseits freilich in der Imageaufwertung für den französischen Konzern. Andererseits stellt Daimler bei der Motorenentwicklung sein technisches Knowhow zur Verfügung. Auch dass Mercedes Dieselmotoren für den Infinity bereitstellt, ist für die Etablierung der Marke vor allem in Europa enorm wichtig.

autonet: Ist nicht damit zu rechnen, dass Kunden der Marke Mercedes oder Smart Anstoß daran finden werden, dass nun Renault-Motoren verbaut werden?

Dudenhöffer:
Das sehe ich keinesfalls. Es findet auch keiner Anstoß daran, dass der Audi A3 und der Skoda Octavia nahezu idente Modelle sind. Auch dass Peugeot-Motoren im Mini verbaut werden, hat bislang noch niemanden gestört. Und ein Extrembeispiel: Im Aston Martin etwa arbeitet ein Ford-Motor.

autonet: Allerdings haben Saab-Kunden sehrwohl moniert, dass sie nun eigentlich einen Opel fahren.

Dudenhöffer: Das stimmt. Aber Saab hat den Fehler gemacht, einem Opel ein Saab-Emblem aufzudrücken. Das passiert hier nicht. Sehrwohl Mercedes, als auch Renault bleiben komplett eigenständig. Kooperiert wird lediglich im Rahmen so genannter Scale Economies, also der Ausnutzung von Spezialisierungsvorteilen und Mengeneffekten.  

DruckenSenden07.04.2010 von Christian Zacharnik

 

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