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05.11.09 von Thomas Geiger
 

Mercedes SLS AMG: Zu schön, um wahr zu sein

Die Stuttgarter haben den legendären 300 SL perfekt in die Neuzeit transferiert. Unter der ellenlangen Haube verrichten ein 571-PS-AMG-V8 seine treffliche Arbeit. Apropos Arbeit: Davon sollte man einiges leisten um die mehr als 200.000 Euro für den SLS AMG aufbringen zu können. Ein Fahrbericht.

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Schon geflogen . . . pardon . . . gefahren: Autonet ist den neuen Supersportfetisch mit 571 PS schon testgefahren. Seitdem leiden wir unter Entzugserscheinungen.  
Darauf mussten Mercedes-Fans lange warten. Aber jetzt hat die Geduldsprobe ein Ende: Mehr als 50 Jahre nach der Premiere des 300 SL feiert bei den Schwaben der Flügeltürer sein Comeback. Zwar gibt es außer der Alukarosse und den Pforten, die aufschwingen die wie Flügel einer Möwe, kaum eine Parallele zur PS-Ikone der Fünfziger. Doch eilt dem neuen SLS AMG ein Ruf voraus wie Donnerhall. Zu Recht, wie die erste Ausfahrt mit dem 212.500 Euro teuren Silberpfeil beweist, der im Frühjahr auf die Straße kommt. Denn anders als die bisherigen Sportwagen aus Stuttgart wird das erste eigene Auto von AMG nicht nur schön, stark und schnell. Sondern zum ersten Mal wollen die Schwaben auch bei der Fahrdynamik an vorderster Front mitfahren und sagen deshalb frech und vorlaut selbst Ferrari, Lamborghini & Co den Kampf an.

Nicht nur spektakulär, sondern auch dem Komfort zuträglich: Die Flügeltüren
Weil sie das ernst meinen und nicht nur als Marketingversprechen missverstanden sehen wollen, absolviert der SLS seine ersten Kilometer auf der ambitionierten Rennstrecke von Laguna Seca in den USA. Dabei erlebt man die erste Überraschung bereits in der Boxengasse: Während man ähnlich potente Sportwagen oft nur mit gymnastischen Übungen entern kann, nachdem man unter Türen wie Guillotinen hindurchgetaucht und über breite Schweller geklettert ist, nimmt einen der SLS ganz kommod unter die Fittiche: Aufrecht einsteigen, langsam in den tiefen Sitz gleiten lassen und danach einfach die Tür herunterziehen – leichter geht das nur bei einem Roadster, und ans Aussteigen will jetzt ohnehin keiner denken. Schließlich passt der SLS wie angegossen und wahrt genau den richtigen Kompromiss zwischen der bequemen Weite für eine entspannte Ausfahrt auf einer schönen Küstenstraße und der nötigen Enge für die konzentrierte Arbeit an der Ideallinie. Einzig die Sitze könnten etwas länger sein, und die Übernahme-Teile aus E- und C-Klasse für das vom Flugzeugbau inspirierte Interieur hätte man zwischen all dem Karbonzierrat ein bisschen besser verstecken können.

Macht und Rebell
Ein Druck auf den rot glühenden Startknopf erweckt den hauseigenen AMG-Achtzylinder zum Leben, der natürlich im SLS noch ein bisschen stärker ist als in E-Klasse oder SL: 571 PS und 650 Nm wollen zeigen, was in dem neuen Flügeltürer steckt, ducken sich ganz tief unter die schier endlose Motorhaube und treiben den Zweisitzer mit aller Macht über den Kurs. Auf der Berg- und Talbahn an der kalifornischen Küste macht der Tiefflieger seine Sache ausgesprochen gut: Schon in der Boxengasse schmeißt sich der SLS unter dem Donnergrollen von acht Zylindern druckvoll nach vorn, schellt in einer lang gezogenen Linkskurve auf die Strecke, taucht nach rechts Weg und schießt den ersten Hügel hinauf als hätte es dort nie eine Steigung gegeben. Danach schwingt er schnell und sicher wie früher Alberto Tomba in Albertville die legendäre Korkenzieherkurve hinunter, jagt präzise durch das Kurvenlabyrinth am Fahrerlager und rollt auf der Start-Ziel-Geraden neuen Rundenrekorden entgegen. Dabei zieht die Landschaft draußen Runde für Runde schneller vorbei, als hätte jemand beim Videorecorder auf Vorspulen gedrückt. Nicht umsonst beschleunigt der SLS in 3,8 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine elektronisch festgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 317 km/h, die noch ziemlich willkürlich wirken. Wer jenseits von 200 Sachen noch einmal aufs Gas steigt, würde dem SLS auch 330 km/h zutrauen.

Alu-Flunder
Das einzige, was man dem SLS vorwerfen könnte, ist sein stattliches Gewicht. Obwohl die Schwaben die Karosserie wie seinerzeit beim Original aus den Fünfzigern erstmals wieder komplett aus Aluminium formen, bringt das Auto fast 1620 Kilogramm auf die Waage und ist so zwei, drei Zentner schwerer als manche Konkurrenten. Aber immerhin hat er etwa gegenüber dem SL 63 rund 300 Kilo abgespeckt. Deshalb ist nicht nur der Verbrauch mit 13,2 Litern in diesem Segment eine ordentliche Ansage. Sondern deshalb wirkt der SLS auf den engen Abschnitten des Rennkurses auch wie ein Tornado und nicht wie ein Jumbo-Jet.

Leichtigkeit des Seins
So erlebt man im SLS nicht nur eine imponierende Längsbeschleunigung. Sondern mindestens genauso imposant ist die Querbeschleunigung, die mit dem silbernen Renner möglich ist: So präzise wie ein Koch sein Messer führt man den SLS durch die Andretti Hairpin und die Korkenzieher-Kurve, genießt das stramme Fahrwerk, die griffige Lenkung, die rasend schnelle Doppelkupplung und die ausgeglichene Balance des Boliden. Nicht umsonst hat er den Motor vorn und das Getriebe hinten - so leichfüßig und mühelos hat sich schon lange kein Mercedes mehr an der Ideallinie halten lassen. Die vielen hunderttausend Kilometer auf der Nordschleife waren also nicht umsonst. Steigern lässt sich der Rausch des Rasens noch mit einem Griff zur „AMG Drive Unit“ auf der Mittelkonsole. Wie auf einer Playstation für echte Männer sind dort ein paar Knöpfchen untergebracht, mit denen man den Charakter des Flügeltürers noch ein wenig schärfen kann. Spätestens wenn man die elektronischen Schutzengel vollends in die Pause schickt und die Gänge begleitet vom Blitzen und Flackern der LED-Schaltanzeige im Cockpit mit den Paddeln am Lenker von Hand wechselt, wird der Schöne zum Biest, der im Fahrer seinen Herrn und Meister sucht. Aber selbst ohne jede Elektronik, bei quietschenden Reifen und im dezenten Drift bleibt der SLS bis in den Grenzbereich beherrschbar und bewahrt einen vor bösen Überraschungen.

Gleitfähig
Natürlich sind ein paar flotte Runden auf den Spuren der American Le Mans Series für Mensch und Maschine eine Schinderei, und bei der Rückkehr in die Boxengasse ist dem Fahrer mindestens so heiß wie Motor und Reifen. Doch hat der SLS bei allen Muskeln nichts von einem Sportstudio: Die Sitze weich und bequem, für jeden Handgriff einen elektrischen Helfer und eine leistungsstarke Klimaautomatik, die den Schweiß schnell wieder trocknet – das ist Krafttraining mit fünf Sternen. Und weil der SLS nicht nur zum Fighter, sondern auch zum Gleiter taugt und sich wie ein Gran Tourismo entlang der Küsten oder durch die Berge schlängelt, macht nach der Hektik auch noch die Heimfahrt Spaß.

01 autonet.at | 19.11.2009 16:10:50 | Melden


hallo rfg0807!
Selbstverständlich hast du Recht. Die Aluminiumkarosserie wird von Magna in Graz hergestellt. Wir haben bereits Anfang Oktober davon berichtet, nur leider hat der Link den Weg in diese Storie nicht gefunden ;-)
https://autonet.at/de/news/wirtschaft/100713504/magna_baut_karosserie_des_mercedes_sls

Danke für dein Feedback!
lg,
die autonet.at-Redaktion

02 rfg0807 | 05.11.2009 20:08:05 | Melden


das der in österreich "gebaut/gefertigt" wird wird nicht erwähnt?!

 

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