Mercedes B-Klasse: Reife Erscheinung
Mercedes krempelt die B-Klasse um. Neue Plattform, neue Motoren und verbesserte Sicherheit.

Da rollt etwas Feines an. Ab November startet Mercedes-Benz mit der Auslieferung der neuen B-Klasse.
Den Anfang macht die B-Klasse. Mercedes stellt seine Kompaktklasse auf völlig neue Beine. Führte bisher am Sandwichboden kein Weg vorbei, verzichten die Schwaben nun auf den (einfach formuliert) mehrlagigen Unterboden. Das ist zum einem günstiger, schafft mehr Raum und wirkt sich positiv auf die Fahrdynamik aus. Die neue B-Klasse ist fast fünf Zentimeter niedriger als das Vorgängermodell, dennoch genießen die Passagiere mehr Kopffreiheit. Der Schwerpunkt des Fahrzeugs liegt tiefer, damit bietet die B-Klasse ein souveräneres Fahrverhalten mit deutlich dynamischerer Auslegung.
Klarer Kompaktvan-Charakter
Fast poetisch klingen die Worte der Marketing-Abteilung, wenn sie schreiben: „Charakterlich ist die B-Klasse gereift – und trotzdem deutlich jünger geworden.“ Was ist darunter zu verstehen? Die Designer haben einen Spagat versucht zwischen funktionellem Aussehen und sportlicher Erscheinung. Im Vordergrund scheint aber das Praktische zu stehen. Am ehesten kann man noch der Frontgestaltung und der ansteigenden Kante in der Seitenansicht eine sportliche Note zusprechen. Die nach hinten auslaufende Dachlinie und das breite Heck betonen aber die Alltagsqualitäten. So ist die B-Klasse ein geräumiger, 4,36 Meter langer Fünfsitzer mit ausreichendem Platzangebot und einem Kofferraumvolumen von mindestens 488 Litern. Für 590 Euro Aufpreis gibt es das Easy Vario Plus-System bestehend aus einer um 14 Zentimeter verschiebbaren Rückbank und einer umlegbaren Rückenlehne des Beifahrersitzes.
Komfortabel und hochwertig
Im Innenraum wird deutlich, dass sich Mercedes als Premiumhersteller versteht. Die Materialienauswahl ist hochwertig und reicht sogar so weit, dass man die Armaturentafel in Lederausführung bestellen kann. Bei den Lüftungsdüsen zeigt sich wieder die sportliche Note, sie erinnern an jene im Supersportler SLS AMG. Für unterschiedliche Geschmäcker angepasst gibt es vier Ausstattungspakete (Chrom, Sport-, Exklusiv- und Night-Paket) mit jeweiligen speziellen Dekorelementen. Auf jeden Fall prangt über der Mittelkonsole ein freistehendes Farbdisplay als Teil des serienmäßigen CD-Radios mit Bluetooth-Schnittstelle und Audio Streaming-Funktion. Beim optionalen Comand Online fällt das Display größer aus, dient es hier ja auch als Anzeige für das Navigationssystem und verschiedene Mercedes-Benz Apps wie Sonderziel-Suche und Routendownload via Google oder Facebook.
Neue Motoren und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Mit der geänderten Plattform kommen auch neue Motoren ins Spiel. Die Vierzylinder-Palette umfasst je zwei Benzin- und Dieselmotoren. Alle Aggregate sind Direkteinspritzer und verfügen über ein Start-Stopp-System. Die Verbrauchswerte sinken um bis zu 21 Prozent im Vergleich zu den Vorgängermotoren. Die beiden Benziner im B 180 und B 200 haben 1,6 Liter Hubraum und leisten 122 und 156 PS. Das maximale Drehmoment liegt jeweils schon ab 1250 U/min an. Der Durchschnittsverbrauch bewegt sich um die Sechs-Liter-Marke. Die 1,8-Liter-Common-Rail-Dieselmotoren haben eine Leistung von 109 und 136 PS und genehmigen sich 4,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Dieser Wert gilt für beide Motoren und sowohl mit manuellem Sechsgang-Getriebe als auch mit der neuen Automatik. Für 1900 Euro und mit allen Motoren kombinierbar bietet Mercedes-Benz ein neu entwickeltes Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an, das durch sehr sanfte und rasche Gangwechsel überzeugt.
Kein Zeichen von Schwäche
Auf ersten Testkilometern rund um Wien zeigten sich die Einstiegsmotorisierungen als durchwegs ausreichend. Obwohl 109 PS beim B 180 CDI nicht nach viel klingen, vermisst man nichts an Leistung. Die B-Klasse legt durchaus dynamische Qualitäten an den Tag. Das Fahrzeug liegt satt auf der Straße, speziell wenn man sich für das um 15 Millimeter tiefergelegte Sportfahrwerk entscheidet. Den Technikern ist ein feiner Mix aus straffer Abstimmung mit ausreichendem Komfort gelungen.
Serienmäßig mit Kollisionswarnung
Das Debakel mit der kippenden A-Klasse – Stichwort Elchtest – wird man bei Mercedes so schnell nicht vergessen. Bei der neuen B-Klasse gibt es zum Thema Sicherheit sehr positive Nachrichten. ESP ist mittlerweile eine serienmäßige Selbstverständlichkeit. Zudem bietet die B-Klasse sieben Airbags und ebenfalls serienmäßig eine radargestützte Kollisionswarnung mit adaptivem Bremsassistenten. Im Unterschied zur Konkurrenz zielt der Collision Prevention Assist nicht auf die Verhinderung von Bagatellunfällen bei niedriger Geschwindigkeit, sondern ist erst ab Tempo 30 aktiv. Droht ein Auffahrunfall, wird der Fahrer zuerst optisch und akustisch gewarnt. Im weiteren Schritt wird der Bremsassistent aktiv. Das System führt zwar keine automatische Notbremsung aus. Tritt der Fahrer aber auf die Bremse wird sofort die volle Bremsleistung abgerufen, auch wenn das Pedal nur leicht getreten wird. Mercedes erwartet sich, dass dadurch bis zu 20 Prozent aller Auffahrunfälle verhindert werden können und bei weiteren 25 Prozent die Unfallfolgen vermindert werden können. Auf Wunsch gibt es auch weitere Assistenzsysteme wie Totwinkel- und Spurhalte-Assistent, Geschwindigkeitslimit-Anzeige, Distronic Plus und das Pre-Safe-Insassenschutzsystem.
Preise: Alles beim Alten
Trotz der doch sehr deutlichen Änderungen bleiben die Preise der B-Klasse beinahe unverändert. Ab November rollen die ersten Modelle zu den Händlern. Der Einstiegspreis liegt bei 27.770 Euro für den B 180. Der 156-PS-Benziner kostet ab 28.900 Euro. Für die Dieselmodelle sind 28.820 Euro (B 180 CDI) bzw. 31.200 Euro (B 200 CDI) veranschlagt. Die B-Klasse ist aber nur der Vorreiter einer neuen Kompaktklasse-Familie von Mercedes-Benz. Im Herbst 2012 feiert die A-Klasse ihr Debüt. Ein kompaktes Coupé und ein SUV-Modell werden noch folgen und auch bei den alternativen Antrieben ist etwas in Planung. Auf der IAA in Frankfurt hat Mercedes die B-Klasse E-Cell Plus angekündigt, ein Elektroauto mit Benzinmotor als Range Extender.
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DruckenSenden13.10.2011 von Thomas Weibold