Mercedes ML 250 Bluetec: Sanfter Riese
Äußerlich mimt der ML 250 Bluetec den harten Kerl. Im Kern aber gibt sich der mächtige Stuttgarter mit dem 204-PS-Einstiegsdiesel sanft. Ob zu sanft für den 2,5 Tonnen schweren Stuttgarter, klärt der Intensivtest.

62.100 Euro kostet der große Stuttgarter in der von uns getesteten Diesel-Einstiegsversion 250 Bluetec.
Man kann es nicht leugnen: Seit der Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung in Wien ist merklich weniger los auf den Straßen der Hauptstadt. Die Pendler haben endlich ihre Lektion gelernt. Und auch die Parkplatzsituation hat sich deutlich verbessert. Selbst mit einem Trumm wie dem Mercedes ML gerät die Suche nach einem freien Stellplatz recht rasch zu einem erfolgreichen Unternehmen. Ein Umstand, der einen Koloss wie den 4,80 Meter langen ML neuerdings im Stadtkern doch um einen gutes Stück weniger deplaziert wirken lässt. Ob das im Sinne des Parkpickerl-Erfinders ist, steht auf einem anderen Blatt. Oder geht es am Ende doch nur ums Abkassieren?
Full-Size
Wie auch immer: Von äußeren Zwängen etwas befreit, konnten wir uns über die generösen Platzverhältnisse im inneren des ML umso ungetrübter freuen. Sämtlichen Extremitäten aller Passagiere bieten sich jedwede Freiheiten und mit den 620 Litern Kofferraumvolumen braucht man auch nicht hadern. Ein wenig taten wir Letzteres dann aber mit der Höhe des Fahrzeugs, die es, so man nicht über die Maßen ins Kraut geschossen ist, unmöglich macht, die Kinder im Fond anzuschnallen, ohne dabei ins Wageninnere klettern zu müssen. Ein Kritikpunkt, der sich allerdings weniger gegen den ML im speziellen, sondern vielmehr gegen das Fahrzeugsegment im Allgemeinen richtet und die allenthalben hoch gelobten praktikablen Werte eines Full-Size-SUV im Familienbetrieb doch etwas relativieren.
Getarnter Diesel
Einiges zu relativieren, beziehungsweise aufzuklären gibt es bezüglich der Motorisierung des getesteten ML. Nein, es ist kein Benziner, wie angesichts der linksseitigen Typenbezeichnung am Heck so manch einem glauben gemacht wird. 250 steht dort - ohne das Kürzel CDI. Aufklärung sollte der Blick auf die rechte Seite der Kofferraumklappe bringen: Bluetec ist dort zu vernehmen und bezeichnet die so genannte selektive katalytische Reduktion von Stickoxiden mittels Harnstoff (AdBlue) bei Mercedes Dieselfahrzeugen. Klingt kompliziert, hat aber im Alltagsgebrauch keinerlei Relevanz für den Fahrer. Das Nachfüllen der wässrigen Harnstofflösung erfolgt alle 25.000 Kilometer im Rahmen des Service.
Ob das reicht?
Ein Diesel also. Diese Frage ist nun geklärt. Gilt es noch, die Zweifel bezüglich der Performance des 204 PS starken 4-Zylinder-Aggregats zu beseitigen. Stimmt schon, die bloßen Daten rechtfertigen eine gesunde Skepsis. Immerhin soll der 2.2-l-Diesel ein Leergewicht von rund 2.200 Kilo artgerecht stemmen und das noch dazu kraftraubend via vier angetriebener Räder. Was dabei allerdings nicht unerwähnt bleiben darf, ist das zwischen 1.600 und 1.800 Umdrehungen zur Verfügung stehende satte Drehmoment von 500 Newtonmetern. Damit agiert der Koloss bereits vom Start weg äußerst behände und gibt keinerlei Anlass zum Trübsal blasen. Das gilt sowohl für Stadtfahrten, als auch auf der Autobahn, wo die zulässige Reisegeschwindigkeit geschmeidig erreicht wird. Lediglich bei tourenintensiven Überholmanövern, die vielleicht auch noch bergan vollzogen werden, macht sich ein dann doch ein merkliches Powermanko bemerkbar.
Spar-Talent
Allerdings sei das dem ML 250 BlueTEC in Anbetracht einer Effizienz, die so auch einem deutlich schwachbrüstigerem frontgetriebenen Mittelklassefahrzeug gut zu Gesicht stehen würde, durchaus zugestanden. Entspannte Autobahnpassagen auf der mittleren Spur quittierte der Bordcomputer mit einem angezeigten Durchschnittsverbrauch von 6,8 Litern. Sehr adäquat auch der Stadtverbrauch dank Start-Stopp-Funktion und sehr gut abgestimmter 7-Gang-Automatik: 9 Liter.
Fazit
Der Mercedes ML 250 Bluetec zeigt wieder einmal deutlich, dass mit gängigen Vorurteilen gegen Full-Size-SUV aufgeräumt werden muss. Längst lassen sich die in ökologisch, sagen wir mal, etwas fundamentaler gesinnten Kreisen als Ressourcen-„Urasser“ geschmähten Vehikel nicht mehr über einen Kamm scheren. Dass bei der erlangten politischen Korrektheit die Kraft- und damit auch Spaßkomponente nicht gänzlich hintangestellt werden muss, erfreut zusätzlich. In Anbetracht dieses Gesamtpackages sind dann auch die 62.100 Euro Einstandspreis für dem ML 250 Bluetec 4MATIC nicht heillos überzogen.
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DruckenSenden03.01.2013 von Christian Zacharnik