Mercedes B 180 CDI: Stimme der Vernunft
Mit sanft-sympathischem Nachdruck mahnt der Benz zur Einhaltung des Tempolimits. Und auch sonst fühlt man sich im Kompakt-Van aus Stuttgart mit den 109 PS starken Einstiegsdiesel und 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe rundum wohl und gut aufgehoben.

Mit pädagogischem Geschick gemahnt die B-Klasse zu Einhaltung des Tempolimits.
Es gibt nichts enervierenderes am Steuer, wenn sich der Beifahrer, oder vielmehr: die Beifahrerin, mit in Zischlauten vorgetragenen Ermahnungen in das Verkehrsgebaren, vornehmlich das Tempo betreffend, einmischt. Das führt mitunter zu schweren Verstimmungen und wird in den seltensten Fällen auch beherzigt. Umso verblüffender das, was uns am Volant des neuen Mercedes B 180 CDI widerfahren ist. Bei überhöhter Geschwindigkeit ertönt eine sanfte, gänzlich von besserwisserischem Unterton freie Frauenstimme, die kurz und prägnant „Bitte beachten Sie das Tempolimit“ von sich gibt. Und siehe da: Dankbar für den freundlichen Hinweis geht man vom Gas, bremst gegebenenfalls maßvoll ab und hält sich fürderhin an die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Pferdesfuß: der kameraunterstützte Geschwindigkeitsassistent ist nur in Verbindung mit den 3.400 Euro teuren Navi- und Kommunikationssystem COMAND Online zu ordern.
Ungeahntes Temperament
Jetzt sollte man meinen, bei der mit 109 Diesel-PS recht überschaubar motorisierten B-Klasse erübrigt sich diese Anschaffung. Allerdings hat sich der 180 CDI BlueEFFICIENCY im Test als überaus agiler Zeitgenosse herausgestellt, der behände von unten heraus antritt und einen schneller in inkriminierte Gefilde transportiert, als man denkt. Diese verschobene Wahrnehmung mag auch in der zurückhaltenden Akustik und dem unmerklich zuwege gehenden 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe begründet sein, was eine leicht einlullende Wirkung haben kann. Da ist dann ein gelegentliches Gemahnen an Einhaltung der Limits recht hilfreich. Neben der strafrechtlichen ist das auch der Verbrauchskomponente sehr zuträglich: etwas an sich halten und der B 180 CDI lässt sich fein mit knapp über 5 Liter durch die Stadt bewegen.
Alles, was ein SUV kann . . .
In Nämlicher gut zur Geltung kommt die leicht erhöhte Sitzposition, die nach allen Seiten eine gute Übersicht bietet. So sitzt es sich auf Augenhöhe mit auf diesen Umstand besonderen Wert legenden SUV-Fahrern, ohne aber mit rustikalem Beiwerk einen auf pseudoabenteuerlich zu machen. Um den Kofferraum ist es mindestens genauso gut bestellt, wie in kompakten Offroadern a la Tiguan und Konsorten: 486 Liter fasst das Gepäckabteil bei aufgestellter Rücksitzbank, 1.545 bei umgelegter.
Jungbrunnen
Konterkariert wird diese vernünftige Grundhaltung durch das progressive Äußere der B-Klasse. Der große Grill, die weit hinunter gezogene Frontschürze, das extrovertierte LED-Tagfahrlicht und die auffällige Konturierung der Flanke mag geeignet sein, jüngeres Publikum in Mercedese zu bekommen. Gesetztere, durch die Neuausrichtung der A-Klasse innerhalb der Marke vorerst heimatlos gewordene Kunden, könnten sich am der leicht verhaltensoriginellen Optik mitunter stoßen. Und wenn nicht daran, dann wohl am im Vergleich zu A-Klasse höheren Preis. Wobei hier gesagt werden muss, dass der Einstiegspreis für den von uns getesteten B 180 CDI BlueEFFICIENCY von 29.452 Euro wenn schon keine wohlfeilen, aber dennoch verständliche Größenordnung darstellt.
Mercedes B 180 CDI: Stimme der Vernunft
Es gibt nichts enervierenderes am Steue...
. Bei überhöhter Geschwindigkeit ertönt...
DruckenSenden19.11.2012 von Christian Zacharnik