Jaguar XKR-S Cabrio: So scharf wie teuer
Hier heißt´s Skalp festhalten. Das XKR-S Cabrio ist sowas von einem Heissporn, dass es selbst Jaguar etwas zuviel wurde und sie das Topspeed gedrosselt haben.
Brutal ist noch untertrieben, versucht man den XKR-S Convertible mit einem Wort zu beschreiben. Beim Preis kommt´s hin: ab 178.000 Euro.
Von wegen Schmusekatze! Jaguar besinnt sich zusehends auf die wilden Instinkte und schärft seine Sportwagen nach. Ein Jahr nach dem Coupé gibt es deshalb ab März auch das Cabrio als XKR-S. Eine weitere Evolutionsstufe des fünf Liter großen Kompressor-V8, 550 PS und ein extrem präzises Fahrwerk machen den offenen 2+2-Sitzer zum schnellsten, stärksten und schärfsten offenen Jaguar aller Zeiten. Für den Einsatz auf Überholspur und Rundstrecke legt der Salonlöwe den vornehmen Smoking ab. Jetzt liegt der XK nicht nur tiefer auf der Straße, sondern bohrt sich mit seinem bitterbösen Blick und der endlos breiten Front fies in den Rückspiegel des Vordermanns. Aber die vielen Finnen und Kiemen sind genau wie der Heckspoiler nicht nur Show. Sondern so produziert der Wagen 25 Prozent weniger Auftrieb und klebt förmlich auf der Straße.
Starfighter
Unter der endlos langen Haube steckt der bekannte V8-Kompressor mit fünf Litern Hubraum. Er legt aber um zehn Prozent zu und kommt so auf 550 PS. Wenn er durch den neuen Sportauspuff brüllt, ist Ruhe im Dschungel – und am Steuer läuft es einem kalt den Rücken herunter. Dabei beherrscht der Kraftmeier die ganze, große Autooper – vom verführerischen Aufheulen beim Start über das tiefe Bollern auf dem Boulevard und das Brüllen beim Beschleunigen bis zum wilden Kreischen bei Vollgas. Wer den Jaguar einmal mit 250 an sich vorbei rasen gehört hat, der hält selbst einen Starfighter für ein Segelflieger.
Ausstiegshemmung
Auch wenn die Ingeniere Wert darauf legen, dass der XKR-S zu den wenigen Sportwagen zählt, die die Nordschleife des Nürburgrings in weniger als 8 Minuten umrunden, vereint er Leistung und Luxus vortrefflich. Die engen Schalensitze zum Beispiel haben soliden Langstreckenkomfort und auf Lack und Leder muss man bei diesem Rennwagen auch nicht verzichten. Er soll nicht nur auf der Rundstrecke Spaß machen, sondern auch auf dem Heimweg, hat Projektleiter Russ Varney versprochen und recht behalten: Eigentlich will man gar nicht mehr aussteigen.
Präzisionswaffe
Erst recht nicht, wenn man eine freie Strecke vor sich hat und mal richtig Gas geben kann. Denn der Fun-Faktor ist schlicht gigantisch! Der Achtzylinder brüllt auf, und der Jaguar schießt nach vorn als gäbe es kein Morgen mehr. Bis zu 680 Nm prügeln den 1,8-Tonner behände über die Rennstrecke. Tempo 100 hakt man nach in 4,4 Sekunden ab, nach 7,8 Sekunden wischt die Tachonadel über 180 und von seinem Elan hat der XKR-S noch nichts verloren. Selbst bei 200 Sachen spürt man den Kickdown noch im Kreuz und glaubt den Entwicklern aufs Wort, dass selbst die 300 km/h ein ziemlich willkürliches Limit sind. „Theoretisch würde der XKR-S fast 330 km/h schaffen“, verspricht Motorenentwickler Andy Lowis. „Aber dann würde irgendwann der Punch fehlen, den man selbst bei 290 noch im Rücken spürt, wenn man das Gas durchtritt.“ Dabei ist der Brite nicht nur auf der Geraden schnell: Stramm und sauber abgestimmt und knackig zu lenken, führt man ihn so präzise durch die Kurven wie der Chirurg sein Skalpell durch die Bauchdecke.
Rasend teuer
550 PS, 300 km/h und ein Design wie ein Starfighter – aber der XKR-S ist nicht nur das stärkste, schnellste und spektakulärste Cabrio in der Jaguar-Geschichte, sondern es markiert noch in einer weiteren Disziplin die Spitze: Mit 173.720 Euro ist es auch das teuerste.
DruckenSenden13.02.2012 von Thomas Geiger