Lang, flach, schnell, luxuriös: autonet hat die extended version des neuen XJ getestet. 5,3 Meter treffen auf 385 PS.

Versöhnlich schaut es nicht drein, das neue Flaggschiff aus Coventry. Kein Wunder, befähigt das 385 PS starke V8-Treibwerk des Jaguar zu nachgerade bitterbösen Fahrleistungen.
Da wo S-Klasse, 7er und A8 maximal müde Seitenblicke ernten, sorgt der neue XJ für reges, wenn nicht gar aufgeregtes Interesse. Kaum abgestellt, wird das Raubtier aus Coventry umstreift, versammeln sich Männlein und Weiblein, um die neue Chefkatze eingehend in Augenschein zu nehmen, wird gemauschelt, getuschelt und fachgesimpelt. Wir haben Mäuschen gespielt, uns unter die Taxierer gemischt um des Volkes Stimme zu hören. Punkto Front – und Seitenansicht herrscht Einigkeit unter den Betrachtern: schön, flüssig, elegant, sportlich, aggressiv. Heckwärts ist´s dann aber auch schon aus mit der friedlichen Eintracht: da werden Vergleiche mit Citroen C6 und Lancia Thesis gezogen, da wird von Mut gesprochen, von Eigenständigkeit, von vertanen Chancen, da wird der Vergangenheit nachgeweint und den neuen Zeiten gehuldigt. Und unsere bescheidene Meinung? Genau so, in dieser Reihenfolge.
Aufgekratzt
Es wäre für die Gestalter aus Coventry unter der Ägide des Chefdesigners Ian Callum sicherlich ein Leichteres gewesen, analog zur Front, auch heckwärts an der Formensprache des XF Anleihen zu nehmen. Das Ganze wirkte schlüssig, logisch und würde keines weiteren Kommentars bedürfen. Andererseits: Eben! So zumindest passiert das nicht, was derzeit bei Audi der Fall ist: A4, A6 und A8 zeichnen sich nicht gerade durch augenscheinliche Diversion aus, um es mal so auszudrücken. Der XJ hingegen lässt keinen Zweifel über seine ihm zugewiesene Position des Chief Executive Officers der Marke aufkeimen. Und eines sei auch angemerkt: Seine volle Wirkung entfaltet das Heck des XJ des Nachts. Dann sticht Ian Callums Intention bei der Gestaltung der Heckleuchten ins Auge: die LED-Streifen versinnbildlichen die Kratzspuren einer Raubkatze.
In den Wind gereimt
Weniger die Rolle des Opfers als vielmehr jene des Täters nimmt der XJ von vorne betrachtet ein: da zeigt der Jaguar jene Krallen, die ihm die Blessuren am Heck beigebracht haben. Die schmal geschnittenen, zugekniffenen Scheinwerfer flankieren ein weit aufgerissenes Kühlermaul. Einen besonderen Reiz übt das feine Wechselspiel zwischen scharfen Kanten und fließenden Linien der Alu-Karosserie aus. Die markant modellierte, ellenlange Motorhaube, geht in eine extensiv flach gestellte Windschutzscheibe über, die in der Heckscheibe ihren Counterpart findet. Dazwischen findet sich, bezogen auf die Länge des Fahrzeugs von 5,3 Metern, ein rekordverdächtig kurzes, infolge der nachgeraden Vollverglasung, ätherisch wirkendes Dach.
Wie sich der neue XJ mit dem V8-Bollwerk fährt, lesen Sie auf Seite 2.