Hyundai i10: Dem Vorurteil ein Ende
Erstaunlich geräumig, ausreichend stark motorisiert und mit gutem Fahrkomfort präsentiert sich der Hyundai i10 im autonet.at-Intensivtest.

Nur 3,59 Meter lang bietet der fünftürige Hyundai i10 überraschend viel Platz.
Klein muss es sein, damit man beim Einparken keine Probleme hat. Lieb und niedlich muss es ausschauen. Kosten darf es nicht viel, Ausstattung muss auch nicht all zu viel drin sein. Fahrkomfort und Fahrleistungen sind nicht vorrangig. Dafür aber sind Haken und Ablagen und unbedingt ein Kosmetikspiegel absolut notwendig. Und im Idealfall trägt es den Namen Schnucki, Otto oder Schneeflöckchen. Das sind die Klischees zum typischen Frauenauto. In den verschiedensten Hitlisten finden sich daher gerne Modelle wie der Kia Picanto, der Renault Twingo, der Lancia Ypsilon, der VW Beetle und der Fiat 500 – gerne, wenn es einmal etwas teurer sein darf – wird auch der Boxster als Frauen-Porsche „verunglimpft“. Zeit wieder einmal, mit solch eingefahrenen Vorurteilen aufzuräumen.
Kein „Oh, ist der süß“-Auto
Den Beweis, dass er kein Frauenauto im negativen Sinn ist, legt heute der Hyundai i10 ab. Und weil uns die Frauen lieb und teuer sind, gönnen wir ihnen gern den kleinen Koreaner, wobei selbst so mancher harte Kerl mit dem i10 seine Freude haben dürfte. Warum „disqualifiziert“ sich der kleinste Hyundai als Frauenauto? Im Gegensatz zu manchem Konkurrenten will der i10 nicht klein und niedlich aussehen. Die Hyundai-Designer haben es geschafft die modernen, neuen Marken-Attribute, wie man sie vom i30 oder ix20 kennt, gut auf den Kleinwagen zu übertragen. Die Front mit dem großen, nach unten gezogenen Kühlergrill wirkt seriös, die Flächen sind schön rund geformt, der Abschluss ist geradlinig und schlicht, trotzdem wollen keine Erinnerungen an den formellen Vorgänger Hyundai Atos aufkommen.
Klar und übersichtlich
Schlicht und aufgeräumt präsentiert sich der Innenraum. Armaturenbrett und Instrumententräger sind auf das Wesentliche reduziert. In dieser Klasse führt nichts an Hartplastik vorbei, was aber im i10 auch nicht stören mag. Die Mittelkonsole trägt das serienmäßige CD-Radio, umrahmt von abgerundeten Lüftungsdüsen. Darunter befinden sich die drei Drehregler für die Klimaanlage, die es ab der mittleren Ausstattungsstufe Life gibt. Vorgelagert, und damit in erhöhter Position sitzt der kurze Schalthebel, der leichtgängig und exakt die fünf Gänge anwählen lässt. Der Instrumententräger wird von der großen runden Geschwindigkeitsanzeige dominiert. Links findet sich beiläufig ein Drehzahlmesser, auf den man heutzutage eigentlich gern verzichten könnte. Aber mittlerweile hat sich diese Anzeige durchgesetzt und Hyundai unterstreicht, dass man dieses Feature serienmäßig anbietet, während andere Hersteller in dieser Fahrzeugkategorie nach wie vor Aufpreis dafür verlangen. Statt des Drehzahlmessers würden wir uns lieber ein größeres Info-Display wünschen. Das geht nämlich optisch unter und ist wegen der blauen Schriftzeichen auch nicht gut lesbar. Außerdem gibt es auch keine ausführlichen Informationen wie Durchschnittsverbrauch oder Restreichweite.
Spieglein, Spieglein an der Blende
Beim Platzangebot dagegen, kann der nur 3,59 Meter lange Hyundai i10 groß aufzeigen. Für die vorderen Plätze findet man heutzutage ohnehin kaum Ansatzpunkte für Kritik, im Fond geht man aber meist davon aus, dass es sehr eng zugeht. Hier überrascht der i10 mit sehr erträglichen Platzverhältnissen. Selbst Großgewachsene können hier ohne Angst Platz nehmen. Probleme beim Einstieg sind auch kein Thema, da ja der i10 über fünf Türen verfügt. Die Fünfte gibt den Platz für das Gepäck frei. Im Kofferraum können mindestens 225 Liter verstaut werden. Durch Umlegen der Rücksitzlehnen – zuvor stellt man die Sitzflächen nach vorne auf – erweitert sich der Laderaum auf 910 Liter. Es bleibt eine kleine Stufe im Boden, die verschmerzbar ist. Dass der i10 nicht vorrangig als Frauenauto verstanden werden will, zeigt sich wohl auch daran, dass es keine Haken oder Ablagefächer im Beifahrersitz für die Damen-Handtasche gibt. Noch gravierender erscheint allerdings, dass ein Kosmetikspiegel in der Sonnenblende erst in der Topausführung Comfort serienmäßig ist.
Geringe Sicherheitsausstattung
Damit gehen wir auch schon der Frage auf den Grund, was dran und drin ist. Im Basis-Modell Entry zugegebenermaßen relativ wenig. Zwar verfügt der i10 da schon über CD-Radio, USB- und iPod-Anschluss und Zentralverriegelung. Mit ABS und einem Fahrerairbag ist die Sicherheitsausstattung allerdings im Wesentlichen umschrieben. Einen Beifahrerairbag gibt es erst in der Life-Version, dazu dem Komfort zuträglich einen höhenverstellbaren Fahrersitz, elektrische Fensterheber vorne, Klimaanlage, Radiofernbedienung am Lenkrad und Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Ein Stabilitätsprogramm oder Seiten- und Kopfairbags findet man selbst in der Topversion Comfort nicht. Diese kosten extra – 525 Euro für das ESP, 390 Euro für das Sicherheitspaket.
Spritziger Vierzylinder
Bei den Fahrleistungen haben sich die Entwickler dagegen schon mehr ins Zeug gelegt. Die Frage eines autoaffinen Bekannten: „Wie klingt der Dreizylinder?“, konnte mit einem schelmischen: „Flüsterleise, zumal es ein Vierzylinder ist.“, beantwortet werden. Vier Brennräume gesteht man scheinbar einem Fahrzeug dieser Klasse nicht zu. Hyundai hat aber ausschließlich solche Aggregate im i10-Programm – einen 1,1-Liter-Motor mit 69 PS und den von uns getesteten 1,25-er mit 85 PS, beides Benziner. Keine Frage, dass der 996 Kilogramm schwere i10 mit 85 PS ausreichend stark motorisiert ist. Mit einem Sprintwert von 12,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h gibt sich der Motor keine Blöße. Außerdem genießt man den ruhigen Lauf, die feine Spritzigkeit und die akzeptablen Trinkmanieren. Hyundai gibt einen Durchschnittsverbrauch von 4,6 Litern an. Wir waren mit 5,5 bis sechs Liter pro 100 Kilometer unterwegs.
Gut gefedert und wendig
Zur absolut akzeptablen Performance des Motors kommt noch ein sehr guter Fahrkomfort dazu, den man in dieser Klasse nicht gewohnt ist. Der i10 ist zwar kein wohlig weich gedämpfter fliegender Teppich, fängt kleinere Fahrbahnunebenheiten aber gut ab. Die Lenkung ist ausreichend straff und dass der i10 auf Grund seiner kleinen Abmessungen ausgesprochen wendig ist, muss wohl nicht extra betont werden. Da wird auch – Vorsicht Vorurteil – die ungeübteste Frau am Steuer zum Einpark-Weltmeister.
An der 10.000-Euro-Marke
Was übrig bleibt von den typischen Frauenauto-Klischees ist der günstige Preis, was den potenziellen Kunden nur recht sein wird. Mit 10.390 Euro steht die von uns getestete Version i10 1,25 Life in der Preisliste. Der Basispreis liegt noch deutlich darunter. 8990 Euro kostet der 69-PS-Benziner in der Entry-Version und davon kann man aktuell noch 1000 Euro Hyundai Umweltprämie abziehen. Allerdings muss man dann aber die dürftige Sicherheitsausstattung in Betracht ziehen. An Optionen gibt es neben ESP und Sicherheitspaket noch ein Sportpaket mit 15-Zoll-Alufelgen, Dachspoiler, Lederlenkrad und lackierten Seitenschutzleisten (690 Euro), eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung (190 Euro) und Metallic-Lackierung (400 Euro).
Drucken26.05.2011 von Thomas Weibold